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Dienstag, 31. März 2020

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Tonkünstler-Orchester vor dem Wiener Musikverein, Copyright: Martina Siebenhandl

Tonkünstler-Orchester vor dem Wiener Musikverein, © Martina Siebenhandl

Das Neujahrskonzert der Tonkünstler

Mit Schmäh und Verve

Zu seinem traditionellen Neujahrskonzert lud am Freitagnachmittag das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich ein – der ausverkaufte Große Saal im Wiener Musikverein zeugt von der Beliebtheit dieser Reihe. Lorenz C. Aichner steht am Pult, gleich zu Beginn fächert er das orchestrale Klangbild in Franz von Suppés Ouvertüre zur Operette 'Boccaccio' subtil auf. Luftige Streicher, gewichtiges Blech und präzises Schlagwerk sorgen für einen beschwingten Einstieg. Erstmals in Luigi Arditis (1822-1903) 'Il Bacio' (auch bekannt als 'Kuss-Walzer') betritt die südkoreanische Sopranistin Sooyeon Lee die Bühne und überzeugt mit eleganter Phrasierung und glockenhellen Spitzentönen. Dynamisch rasant geht es in Josef Strauss‘ (1827-1870) Polka 'Plappermäulchen' zu, nobel geschwungene melodische Bögen spannen die Tonkünstler in der Orchesterfassung von Edward Elgars 'Salut d‘amour'.

Besondere Solistin

Ludwig van Beethoven würde man spontan nicht unbedingt auf dem Programmzettel eines Neujahrskonzerts erwarten, zum Start ins große Jubiläumsjahr machen die Tonkünstler aber auch das möglich und liefern eine impulsive, klanglich dezidierte Interpretation des 'Scherzo' aus der Es-Dur-Symphonie op. 55, die auf der Stelle Lust auf die komplette 'Eroica' macht. Ihren zweiten Auftritt hat mit erfrischend-frecher Attitüde und filigranen Koloraturen Sooyeon Lee in Donizettis 'Chacun le sait, chacun le dit' aus dessen Oper 'La fille du régiment'. Und noch eine ganz besondere Solistin haben die Tonkünstler eingeladen: Friederike von Krosigk führt in Émile Waldteufels (1837-1915) Walzer 'España' an den Kastagnetten einen feurigen Dialog mit dem Orchester.

Nach der Pause können sich in Ferdinand Hérolds (1791-1833) Ouvertüre zur Oper 'Zampa' besonders die Holzbläser, darunter speziell die Solo-Klarinette profilieren. Mit liebenswertem Charme und ausgefeilter Technik gibt Sooyeon Lee danach die Arie 'Ich sing‘ mein Lied im Regen und Schnee' aus Emmerich Kálmáns Operette 'Das Veilchen vom Montmartre' zum Besten, ein zauberhaftes Duett liefert sie sich hier mit der Solo-Flöte. Wiener ‚Schmäh‘ und inspirierte Verve besitzt Johann Strauss‘ (Sohn) 'Figaro-Polka' op. 320, gekonnt verschießt Aichner hier nicht gleich zu Beginn das komplette dynamische Pulver, sondern baut stringent Steigerungsmomente auf.

Edle Walzerseligkeit

In Amadeo Vives‘ (1871-1932) Fandango aus der Zarzuela 'Doña Francisquita' demonstriert Friederike von Krosigk ein weiteres Mal, wie virtuos sie ihr außergewöhnliches Instrument beherrscht, und erzählt nebenbei originell verpackt Wissenswertes zu dessen Geschichte und Handhabung. Interaktion mit dem Publikum ist dann in Johann Strauss‘ (Sohn) 'Bauern-Polka' op. 276 gefragt, in der anschließenden 'Tik-Tak-Polka' op. 365 funkeln die darin zitierten Perlen aus der 'Fledermaus'. Anrührend stellt dann nochmals Sooyeon Lee 'Höchste Lust und tiefstes Leid' aus Carl Millöckers (1842-1899) Operette 'Der Bettelstudent' dar, ehe der offizielle Teil in edel getragener Walzerseligkeit mit Josef Strauss‘ 'Sphärenklängen' viel zu schnell endet.

Als Zugabe brilliert Friederike von Krosigk nochmals an den Kastagnetten, bevor der obligatorische 'Radetzky-Marsch' den musikalischen Toast aufs neue Jahr komplettiert. Lorenz C. Aichners charmant-souveräne, witzige Moderation versprüht zusätzlich zu den spritzigen und beseelten Melodien Champagnerlaune. Zweimal an gleicher Stelle und an ausgewählten weiteren Orten ist das Konzert (in teils abweichender Besetzung) im Januar noch zu hören – wer noch Tickets bekommt, wird definitiv Spaß haben!

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Kritik von Thomas Gehrig

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Neujahrskonzert : Lorenz C. Aichner

Ort: Musikverein,

Werke von: Edward Elgar, Gaetano Donizetti, Johann Strauß, jun., Franz von Suppé

Mitwirkende: Lorenz Aichner (Dirigent)

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