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Montag, 9. Dezember 2019

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Luke Stoker (Abimélech), Chor der Deutschen Oper am Rhein, Copyright: Jochen Quast

Luke Stoker (Abimélech), Chor der Deutschen Oper am Rhein, © Jochen Quast

'Samson und Dalila' an der Deutschen Oper am Rhein

Auf mythologischen Spuren

Von den einen auf Händen getragen und als Nationalheldin verehrt, von den anderen gefürchtet und verhasst. In der Interpretation Joan Anton Rechis muss Dalila wie alle Femmes fatales des 19. Jahrhunderts sterben. Ihr Mörder ist der ehemalige Liebhaber Samson, Rebell und Held der Israeliten, den sie aus Rache verriet. Blind und gedemütigt findet er am Ende ein letztes Mal die Kraft, sich zu rächen und sie zu erdrosseln, während die Philister im rituellen Gruppenrausch ihren Sieg feiern.

Ungewöhnliche Verbindungen

Was diese Neuinszenierung von Joan Anton Rechi in der Deutschen Oper am Rhein auszeichnet, sind nicht nur die packenden, ästhetischen, oft die Musik kontrastierenden, bewegten Bilder. die in differenzierter Personenregie den Mythos von Samson und Dalila sowie seine Rezeption im Zeitalter industrieller Revolution neu beleuchten. Immer wieder gehen dabei musikalische, politische, soziokulturelle und religiöse Motive ungewöhnliche, kontrastierende Verbindungen ein. Im ersten Akt sind es die religiösen Klagegesänge und die aus der Tiefe langsam aufsteigenden Grubenmalocher, die nach Terror und Mord ihre Lohnerhöhung mit gekaufter Liebe feiern, während Mercè Paloma in den Kostümen eher den Kontrast zwischen städtisch karrierebewusster Bevölkerung und wilden, naturverbundenen Landarbeitern aufleben lässt und die Bühne von Gabriel Insignares an die moderne Architektur eines öffentlichen Toilettengebäudes erinnert. Und während das Esszimmer in Dalilas Haus, in dem sie den Rebell Samson erwartet, einen kühlen, gigantischen, steinernen Opferaltar darstellt, hat sich der Dagon-Tempel, ursprünglicher Schauplatz des rituellen Feierrausches im dritten Akt, in einen nüchternen Vortragsraum verwandelt.

Hinzu kommen anschauliche, transparente Farben des Orchesters (Leitung: Axel Kober), ein grandios homogen und dynamisch differenziert gestaltender Chor sowie eine stimmlich und schauspielerisch faszinierende Solobesetzung. Ramona Zaharia verkörpert mit glutvollem, tiefgründigem Stimmklang nicht nur die zur Heldenikone stilisierte Femme fatale in Glitzerkostüm, sondern spürt musikalisch auch den menschlichen, persönlichen Enttäuschungen und Liebesgefühlen nach. Ebenso wohlklingend stellt Michael Weinius den kraftvollen, wilden Rebell Samson dar, der mit göttlicher Mission, verführender Leidenschaft und Hass zu ringen hat. Simon Neal überzeugt als boshafter Oberpriester des Dagon, ebenso Sami Luttinen als tiefgründig warnender, alter Hebräer sowie Luke Stoker als demütigender Statthalter von Gaza Abimélech.

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Kritik von Ursula Decker-Bönniger

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Samson et Dalila: Oper in drei Akten von Camille Saint-Saëns

Ort: Deutsche Oper am Rhein,

Werke von: Camille Saint-Saens

Mitwirkende: Düsseldorfer Symphoniker (Orchester)

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