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Donnerstag, 21. November 2019

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Szenenfoto, Copyright: Arthur Keir

Szenenfoto, © Arthur Keir

Internationale Opernwerkstatt in Wiesbaden

Sprungbrett auf die Opernbühne

Am Anfang einer Karriere steht die Entdeckung. Davon erzählen zahlreiche Künstlerbiographien. Darauf zielt Verena Keller mit ihrer Internationalen Opernwerkstatt 'Festival der jungen Stimmen' in Sigriswil (Schweiz). Sie setzt auf künstlerischen Feinschliff und versteht ihr Angebot als Sprungbrett auf große Bühnen. Verena Keller, Tochter eines Opernsängers, als Mezzosopranistin einst an den großen Bühnen zuhause, kennt die Sängerausbildung wie den Opernbetrieb von innen heraus. Für ihre Idee der Opernwerkstatt, mit der sie 1993 startete, erhielt sie 2002 den Kulturförderpreis.

Persönliche Ausstrahlung

Ihre Vorgehensweise hat sich bewährt. Jedes Jahr lädt sie Preisträger renommierter Wettbewerbe ein, hochbegabte Sängerinnen und Sänger aus allen Teilen der Erde, um weltabgeschieden in Sigriswil im Berner Oberland 10 Tage lang intensiv mit ihnen zu arbeiten – Darstellung, Ausdruck, Persönlichkeit im Einklang mit den Vorzügen der eigenen Stimme. Am Ende schafft ein Dozententeam aus Regie, Korrepetition, musikalischer Leitung eine 90-minütige Inszenierung, in welcher Arien in fließenden Übergängen aneinandergereiht sind. Ein Minimum an Ausstattung, im Vordergrund die persönliche Ausstrahlung in der Rolle des Pedrillo, der Doretta, des Philipp, der Eboli, des Don Carlo, des Boris Godunov, der Vavra, des Kowaljows, des Sarastro, der Wallküren und vieler mehr. Dann folgt die Werbetour. Sigriswil, Bern, Zürich, Basel und Wiesbaden laden zum Entdecken. Intendanten, Agenten und ein erstaunlich junges Publikum, kommen zum Lauschen und Staunen.

Stark sind am Abschlussabend der diesjährigen Opernwerkstatt im Foyer des Staatstheaters Wiesbaden vor allem die Sänger. Den Charakter des Mefistofele hat der chilenische Bassist Jaime Mondaca Galaz auf seine Weise verinnerlicht. Der Finne Jussi Juola zeichnet Don Carlo als finster-autoritären Machthaber, beweist im ‚Fliedermonolog‘ des Hans Sachs nicht nur eine klare deutsche Aussprache, sondern auch Sicherheit und Ausdrucksschärfe in den hohen Lagen seines an Gestaltungskraft reichen Bassbaritons. Seine Ausstrahlung ist fesselnd. Aluda Todua, 2017 Teilnehmer der Opernwerkstatt und an diesem Abend in das Programm integriert, führte vor, was aus Ehemaligen wird. 2018 debütierte der georgische Bariton, der seit 2016 festes Ensemblemitglied am Bolschoi Theater in Moskau ist, am Staatstheater Wiesbaden in der Partie des Rigoletto und wird als Graf Luna in 'Il Trovatore' 2020 wieder dorthin zurückkehren.

Unter den Sängerinnen gab es viele strahlende und vor allem kraftvolle Töne. Große Reife in der Gestaltung und jene seltene Fähigkeit der Differenzierung in Dynamik, Artikulation und Klang bewies die Sopranistin Mia Domacina Topalusic. Sie wusste ihr Publikum einzufangen und zu begeistern. Noch ist die 32-jährige Kroatin vor allem an der Oper in Zagreb beschäftigt. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

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Kritik von Christiane Franke

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