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Dienstag, 19. November 2019

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Österreichisch-Koreanische Philharmonie, Copyright: Verein

Österreichisch-Koreanische Philharmonie, © Verein

Die Österreichisch-Koreanische Philharmonie

Kultureller Austausch

Bereits zum 21. Mal nach dem runden Jubiläum im vergangenen Jahr konnte man am gestrigen Abend die Österreichisch-Koreanische Philharmonie mit einem Konzertprogramm im Mozartsaal des Wiener Konzerthauses erleben. Auf den ehemaligen koreanischen Botschafter in Wien und späteren UN-Generalsekretär Ban Ki-moon geht die Entstehung dieses Klangkörpers zurück. Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts beider Staaten, die seit 127 Jahren diplomatische Beziehungen und einen ausgeprägten kulturellen Austausch pflegen, ist die Präsentation zeitgenössischer koreanischer Werke.

Zeitgenössische Repertoirepflege

Ein maßgeblicher Repräsentant auf diesem Sektor ist der Komponist Yongbom Lee (*1987), sein erst in diesem Jahr entstandenes Stück 'Touch' sucht nach eigener Aussage nach Möglichkeiten, Klanggebilde fühlbar zu machen. Tatsächlich gelingt es ihm in der zweiteiligen Komposition, sphärische Klänge, ja so etwas wie physische Aggregatzustände herzustellen, die das Orchester plastisch und eindringlich ausgestaltet. Naturlautähnliche Klänge kommen dabei zustande, schrille Akzente und markante perkussive Impulse auf einer schwebenden Flageolett-Basis filtert Lorenz C. Aichner am Pult gut durchhörbar aus der Partitur heraus. Mit ihm hat das Orchester schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet, er zeichnet auch für die Programmplanung verantwortlich.

Im Anschluss nimmt in Mozarts Klavierkonzert Nr. 27 B-Dur KV 595 Kun-Woo Paik am Flügel Platz, mit viel beachteten Einspielungen etwa von Werken Busonis oder Prokoffiews sowie zyklischen Aufführung sämtlicher Beethoven-Sonaten hat er sich einen Namen gemacht. Insgesamt allerdings eher problematisch gestaltet sich sein gestriger Auftritt, im Orchester entstehen schon im Kopfsatz – vor allem in den Violinstimmen – des Öfteren spielerische Unsauberkeiten und getrübte Einsätze. Kun-Woo Paik legt hier nach einem etwas nervösen Einstieg eine tendenziell vorsichtig tastende, zaghafte Spielweise an den Tag, die leider auch kleineren Temposchwankungen unterliegt. Die exponierten Passagen des Klavierparts gestaltet er zu linear-gleichförmig, lediglich in der Durchführung kommt er etwas aus seiner emotionalen Deckung heraus. In der Kadenz spielt er zu rasch über musikalische Zäsuren hinweg. Besser gelingt ihm das Larghetto, hier dürfen die Phrasen etwas freier atmen. Die tänzerische Elastizität und beschwingte Lockerheit des Rondos trifft er überwiegend gut und findet schließlich zu einer beherzter auftretenden Diktion.

Schlanke Tongebung

Nach der Pause singt der junge österreichische Bariton Rafael Fingelos Mahlers 'Lieder eines fahrenden Gesellen' und unterstreicht darin mit warmem, raumgreifendem Timbre und schlanker Beweglichkeit seine perspektivisch glänzenden Ambitionen. Mit souveräner musikalischer Gestik weist er einen expressiven Weg durch die poetischen Gefilde. Nicht ganz den orchestralen Farbreichtum der Partitur trifft hier das Orchester, etwa die programmatisch scharfen Einwürfe in 'Ich hab‘ ein glühend Messer' könnten dynamisch impulsiver ausfallen. Als Zugabe begeistert Fingerlos mit schlanker Tongebung in 'O du mein holder Abendstern' aus Wagners 'Tannhäuser'. Zum Abschluss gib es Francis Poulencs Sinfonietta FP 141. Darin überzeugt die Philharmonie mit homogenem Klang und schwelgt im Kopfsatz in filmmusikalisch dick aufgetragenen Farben, im 'Andante cantabile' in dessen sich einfühlsam wiegender Melodik, bevor im Schlusssatz mit spritzig-vitaler Frische noch einmal alle agogisch-dynamischen Ressourcen mobilisiert werden.

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Kritik von Thomas Gehrig

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Österreichisch-Koreanische Philharmonie: Mozart/Mahler/Poulenc

Ort: Konzerthaus,

Werke von: Gustav Mahler, Wolfgang Amadeus Mozart, Francis Poulenc

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