> > > > > 31.03.2019
Samstag, 21. September 2019

1 / 5 >

Arcon Trion beim Wettbewerb 2018, Copyright: Günter Jagoutz

Arcon Trion beim Wettbewerb 2018, © Günter Jagoutz

25. Internationaler Johannes Brahms Wettbewerb

Zukunftsambitionen

Zum bereits 25. Mal fand die jüngste Ausgabe des seinerzeit von Johannes Kropfitsch ins Leben gerufenen Johannes Brahms Wettbewerbs in Pörtschach am Wörthersee statt. In alternierender Abfolge wird er jährlich in den Fächern Lied, Violine, Viola, Violoncello, Klavier und Kammermusik ausgetragen und grenzt sich schon vom Austragungsmodus her gegenüber anderen vergleichbaren Konkurrenzen ab: Für Teilnehmer und Publikum nachvollziehbare Jury-Entscheidungen hat sich das zu Grunde liegende Konzept auf die Fahnen geschrieben, Transparenz steht als – nicht alltägliches und lobenswertes – Prinzip weit oben auf der Agenda. Die Wertung erfolgt unmittelbar coram publico, sogar die Möglichkeit zum persönlichen Austausch mit den Juroren besteht für die Kandidaten im Anschluss an ihren Vortrag. Die endgültige Entscheidung über den Sieg fällt schließlich unter umfassender Einbeziehung dreier Runden und somit nicht in bloßer Abhängigkeit von der Tagesform.

Attraktiver Rahmen

Einen besonders attraktiven Rahmen für das Preisträger-Konzert des Jubiläumsjahrgangs 2018 stellte am Sonntagnachmittag die Auftrittsmöglichkeit im ehrwürdigen Ambiente des Brahms-Saals im Wiener Musikverein dar. Erspielt hatte sich diese Belohnung als erstes das Arcon Trio, bestehend aus Julius Asal (Klavier) sowie den Geschwistern David und Janis Marquard (Violine, Cello). Als Zweitplatzierte in der Sparte Kammermusik profilieren sie sich in Brahms‘ H-Dur-Trio op. 8 durch präzise Interaktion und unterstreichen ihre perspektivischen Zukunftsambitionen. Insbesondere Klavier- und Cellostimme tun sich durch dezidierte Tongebung und lebendige Phrasierung hervor.

Mamikon Nakhapetov ist Sieger im Fach Klavier, kann allerdings bei seinem Auftritt nicht überzeugen. Sowohl Liszts Trankskription von Beethovens 'Adelaide' als auch in Brahms‘ 'Drei Intermezzi' op. 117 geraten stimmlich zu wenig trennscharf und bleiben dynamisch wie agogisch recht trocken und statisch. Die virtuose Komponente fehlt seinem Spiel in Rachmaninovs Arrangement des (im Programmheft irrtümlich als 'Liebesfreud' ausgegebenen) Kreisler-Evergreens 'Liebesleid', im Mittelteil verschwimmen die Konturen der raschen Akkordbrechungen fast völlig. Nakhapetovs Eignung dürfte statt im Solobereich deutlich eher in der Disziplin Liedbegleitung liegen, in der er sich in der Vergangenheit bereits hervorgetan hat.

Etablierter Status

Weitaus besser macht seine Sache nach der Pause Luca Giovannini, der aus der Cello-Konkurrenz als Erstplatzierter ex aequo hervorgegangen ist. Sein Vortrag in Haydns C-Dur-Konzert Hob. VIIb:1 besticht durch ausgefeilte Technik und emotionale Intensität. Ihm würde man a.) ein besseres Instrument, b.) eine kompetentere Begleitung als die der leider auf nur mäßigem Niveau agierenden Slowakischen Sinfonietta Zilina unter Leitung des Japaners Yuki Miyagi wünschen. Last, but not least spielt Julia Turnovsky als Drittplatzierte in ihrem Fach Mendelssohns Violinkonzert e-Moll-Konzert op. 64. Nach anfänglicher Nervosität stabilisiert sich ihr Spiel, das insgesamt zwar nicht fehlerfrei bleibt, aber aufrichtige Spielfreude und hoch entwickelte Anlagen erkennen lässt.

Bei alldem darf man nicht vergessen: Die Arbeit hinter den Kulissen des Projekts ist ehrenamtlich organisiert, zunehmend klamme Kassen machen auch vor dieser Institution nicht Halt. Das sinnfällige und hehre Ziel, begabten Nachwuchsmusikern Spielpraxis und ein potentiell weiterführendes Sprungbrett für ihre Karriere zu verschaffen, wird mit dem etablierten Status dieser Veranstaltungsreihe in jedem Fall erreicht und hoffentlich noch lange verfolgt.

Mehr erfahren über den Autor

Kritik von Thomas Gehrig

Kontakt aufnehmen mit dem Autor

Kontakt zur Redaktion


Internationaler Johannes Brahms Wettbewerb: Preisträgerkonzert

Ort: Musikverein,

Werke von: Johannes Brahms, Ludwig van Beethoven, Fritz Kreisler, Joseph Haydn, Felix Mendelssohn Bartholdy

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (8/2019) herunterladen (3670 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Leo Fall: Die Dollarprinzessin - Dialog

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich