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Mittwoch, 29. Januar 2020

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Musikfest Bremen: Operngala Anna Netrebko, Yusif Eyvazov, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Copyright: Patric Leo

Musikfest Bremen: Operngala Anna Netrebko, Yusif Eyvazov, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, © Patric Leo

Anna Netrebko und Yusif Eyvazov beim Musikfest

Glanzvolle Operngala in Bremen

Seit ihrem sensationellen Debüt bei den Salzburger Festspielen 2002 ist der Siegeszug von Superstar Anna Netrebko nicht zu stoppen. Im Jahre 2007 wählte das TIME Magazine sie zu den 100 einflussreichsten Menschen weltweit. Nun ist es den Programmmachern des Musikfestes Bremen um Intendant und Gründer Prof. Thomas Albert endlich gelungen, die Diva und ihren Gemahl zu verpflichten. Dass das Debüt des Glamour-Paars mit dem 30. Geburtstag des Musikfestes zusammenfällt, ist ein erfreulicher Nebeneffekt. Kommt sie oder kommt sie nicht? Das war nach Absagen in Salzburg und Bayreuth die große Frage. Ihre erste Operngala beim Musikfest in Bremen war gleichwohl, trotz teilweiser exorbitanter Preise, schnell ausverkauft. Veranstalter und Publikum waren dann auch spürbar entspannt, als Anna Netrebko und ihr Ehemann, der Tenor Yusif Eyvazov, auf der Bühne im großen Saal der Glocke standen, wie man dem jubelnden Begrüßungsapplaus entnehmen konnte. Geboten wurde eine Operngala, mit deren Programm die geschmacksichere Russin das ganze Können ihrer lyrisch-dramatischen Gesangskunst zeigen konnte. 

Einsamer Juwel

Das Liebesduett 'Già nella notte densa' aus Verdis 'Otello', 'Pace, pace, mio dio' aus Verdis 'La forza del destino', 'Ebben? Ne andrò lontana' aus Catalanis 'La Wally', das 'Lied an den Mond' aus Dvořáks 'Rusalka', das Lied 'Non ti scorda di me' von Ernesto di Curtis usw. zeigten die Sopranistin auf der Höhe ihres Könnens und boten dem kulinarischen Opernfan viel. Auch Yusif Eyvazov hat sich mittlerweile zu einem respektablen Tenor entwickelt, der über eine solide Technik verfügt, die ihn beim 'Nessun dorma' aus Puccinis 'Turandot' sicher durch alle stimmlichen Schwierigkeiten führte, aber Gänsehaut stellte sich bei ihm nicht ein. Und das dürfte der neuralgische Punkt dieser Gala gewesen ein. Es ist schon problematisch, wenn die Arien und Duette aus dem Zusammenhang gerissen werden und gewissermaßen als einsames Juwel für sich stehen. Sicherlich, Anna Netrebko ist die Primadonna assoluta unserer Tage, der Melodiebögen von magischer Schönheit und einem schier grenzenlosen Spektrum an Klangfarben gelingen, aber Oper ist letztendlich mehr und lebt eben auch vom Zusammenspiel vieler Faktoren.

Wozu auch das Zusammenwirken von Orchester und Gesangspersonal gehören. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die mit dem Dirigenten Jader Bignamini das Traumduo begleiten durfte, musizierte auf hohem Niveau und Bignamini setzt auf kontrollierte Präzision, vermag dadurch auch so manches raffinierte Detail aufblitzen zu lassen. Aber insgesamt wurden die einzelnen Arien und Duette sehr routiniert abgespielt. Das dürfte zwei Umständen geschuldet sein. Zum einen bleibt wenig Zeit zum gemeinsamen Proben und zum andern zeigte sich, dass dieses Orchester eben primär ein Sinfonieorchester und eben kein Opernorchester ist. Richtig locker wurde das Ganze erst bei den Zugaben.

Wie schon erwähnt, Opernfans kamen bei diesem Konzert, das bis weit nach 22 Uhr ging, voll auf ihre Kosten. Neben der musikalischen Beiträgen gab es ja auch die üblichen Ingredienzien: Kostümwechsel, erhabenes Winken, Kusshände für das Auditorium, Walzer mit dem Gatten. Also: Standing Ovations und frenetischer Beifall. Für ernsthafte Liebhaber des Musiktheaters war das Ganze aber eher wie eine exquisite Pralinenschachtel, die man ja auch nicht an einem Abend aufessen sollte, wenn man keine Magenschmerzen bekommen möchte.

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Kritik von Michael Pitz-Grewenig

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Operngala mit Anna Netrebko und Yusif Eyvazov: Arien, Duette und Instrumentalwerke

Ort: Die Glocke (Grosser Saal),

Werke von: Giuseppe Verdi, Antonín Dvorák

Mitwirkende: Deutsche Kammerphilharmonie Bremen (Orchester), Anna Netrebko (Solist Gesang)

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