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Sonntag, 20. Oktober 2019

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Charles Castronovo, Edita Gruberova, Copyright: Wilfried Hösl

Charles Castronovo, Edita Gruberova, © Wilfried Hösl

Edita Gruberovas Abschiedsvorstellung in München

Bravi, Grubi!

Auf der Opernbühne wird man sie nicht mehr sehen können, aber Konzerte will sie noch weiter singen: Edita Gruberovas glanzvolle Opernkarriere, die eng mit der Bayerischen Staatsoper verbunden ist, ist dort am 27. März 2019 zu Ende gegangen. Was als Königin der Nacht in einer Aufführung der 'Zauberflöte' 1974 vor 45 Jahren begann, hat nun in einer umjubelten Aufführung von Gaetano Donizettis 'Roberto Devereux' ein Ende gefunden. Schon 2004, in der Premiere der von Christof Loy sorgfältig als Kammerspiel inszenierten und bestens wieder einstudierten Oper, hatte sie die Partie der tragischen Königin Elisabetta übernommen, die ihr Herz an Roberto Devereux verloren hat, ohne dass ihre Liebe erwidert wird. Natürlich ist die Stimme der nun 72-jährigen nicht mehr ganz so flexibel, in den Höhen nicht mehr ganz so frei und in den tiefen Lagen manchmal eher ein expressiver Sprechgesang. Manche Kritiker finden ihren Stil mittlerweile auch zu manieriert. Aber ‚die‘ Gruberova zeichnet nach wie vor ein sehr bewegendes, menschliches und berührendes Rollenportrait und bewältigt diese Partie der schwankenden, unsicheren, zwischen Liebe und Pflichterfüllung völlig überforderten Königin immer noch grandios. Nicht nur ihre solide Technik, vor allem ihre Musikalität und Ausdruckskraft schlagen das Publikum in den Bann und werden vom dankbaren Publikum entsprechend gefeiert.

Großer Abschied

Ihr zur Seite singt Charles Castronovo die Partie des Roberto. Er gehört zu den Tenoren, die eine eher verschattete, baritonale Stimme haben, und manche Spitzentöne klingen dann doch leicht gestemmt. Ich würde mir für die Rolle eigentlich eine deutlich freiere, helle und starke Stimme wünschen, die es auch mal krachen lassen kann. Vito Priante gab einen ausgezeichnet präsenten, starken Herzog von Nottingham, dem man an der einen oder anderen Stelle vielleicht etwas mehr Variationen im Ausdruck gewünscht hätte, Silvia Tro Santafé mit ihrem großen, tiefen, kräftigen, leicht metallischen Mezzo seine Frau Sara von Nottingham. Friedrich Haider trägt als Dirigent die große Künstlerin musikalisch auf Händen und das Orchester der Bayerischen Staatsoper folgt ihm, nach einigen Wacklern in der Ouvertüre, begeistert. Am Ende, mitten im tosenden Applaus, hält der Staatsintendant Bachler eine kurze, etwas hölzerne, aber freundliche Ansprache, für die sich Edita Gruberova mit herzlichen Abschiedsworten an ihr Publikum bedankt. Ein großer Abschiedsabend für die ‚Grubi‘, wie ihre vielen Fans sie liebevoll nennen. Wir werden sie vermissen!

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Kritik von Prof. Dr. Michael Bordt

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Roberto Devereux: Abschied von Edita Gruberova

Ort: Bayerische Staatsoper,

Werke von: Gaetano Donizetti

Mitwirkende: Friedrich Haider (Dirigent), Orchester der Bayerischen Staatsoper (Orchester), Edita Gruberova (Solist Gesang)

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