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Samstag, 20. Juli 2019

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Szenenfoto La Divisione del Mondo, Copyright: Klara Beck

Szenenfoto La Divisione del Mondo, © Klara Beck

Italienische Barockoper in Straßburg

Verliebt in die Verliebtheit

Nein, das mit der Aufteilung der Welt hat noch nicht so ganz geklappt. Vorher muss Jupiter noch den Begierden der schönen Venus widerstehen, die Männerwelt vor ihr retten und in den himmlischen Gefilden für Ordnung sorgen. Jupiter ist ratlos. Zumal wenn das starke, schöne Geschlecht involviert ist, die Strippen in den Händen hält und der freche Amor mit Liebespfeilen um sich schießt. Oh ja, die Verirrung, Verwirrung ist groß im Götterhimmel, pardon: Götterhaushalt. Wie war das doch noch mal? Also, die Oper 'La Divisione del Mondo', die 1675 an Karneval in Venedig uraufgeführt wurde, war ganz nach dem Geschmack der freizügigen genießerischen Venezianer. Erotik und amouröse Abenteuer waren auf der Bühne und in den Logen en vogue. Komponiert hat sie Giovanni Legrenzi (1626–1690), der neben Monteverdi und Cavalli das Opernleben der Lagunenstadt mitbestimmte.

Regisseurin Jetske Mijnssen hat sich den Götterclan für ihre Inszenierung an der Oper Straßburg als großbürgerliche Familie gedacht. Herbert Murauer entwarf ein Stadtpalais mit schwungvoller Treppe und einem 'Leda und der Schwan'-Wandbild als Himmelsbehausung dazu. Das hippe 70er Jahre-Outfit kreierte Julia Katharina Berndt. Venus hat ihren Gatten Vesuv verlassen (mit sattem Sopran glänzt Sophie Junker). Ihr Motto ist: ‚Ich will mehr als nur einen Liebhaber‘. Dieses Bekenntnis ist Programm. Sie verführt die Männerwelt mit Blicken und Reizen. Zuerst Mars (opulent gesungen von Counter Christopher Lowrey). Apollo (herrlich: Jake Arditti) widersteht. Jupiters Brüder, der zottelig träge Neptun (Stuart Jackson) und Pluto (André Morsch) himmeln Venus an. Jupiter (sonor: Carlo Allemano) erliegt dem Charme, während seine eifersüchtig-zänkische Gattin Juno (erz-metallisch: Julie Boulianne) tobt, dass die Fetzen fliegen. Teenager Diana (Soraya Mafi) schmachtet Pluto an. Ada Elodie Tuca schießt als Indianer-Armor um sich. Selbst der alte Saturn (Arnauld Richard) erliegt. Die Verliebtheit, Liebe und Eifersucht bewegen die Herzen immerdar.

Legrenzis leichtfüßige Arien wirken fast ätherisch. Für Abwechslung sorgen die rein instrumentalen, tänzerisch daherkommenden Zwischenspiele. Ein Glücksfall für die Opéra national du Rhin ist der Barock-erfahrene, feinfühlig agierende Dirigent Christophe Rousset, der mit seinem vorzüglichen Ensemble Les Talens Lyrique das Besondere der Partitur herausstellt. Für den exquisiten Klang gibt es u. a. drei Theorben, eine Harfe, Zinken und eine Truhenorgel. Das lässt aufhorchen. Es wird leise, intensiv, aber auch kraftvoll musiziert. Herzens-, Himmel- und Seelenklänge, vom Publikum mit einem Lächeln auf den Lippen stürmisch gefeiert.

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Kritik von Barbara Röder

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La Divisione del Mondo: Giovanni Legrenzi

Ort: Opéra du Rhin,

Werke von: Giovanni Legrenzi

Mitwirkende: Christophe Rousset (Dirigent)

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