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Mittwoch, 17. Juli 2019

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Didon et Enée, remembered - Opéra de Lyon, Copyright: Blandine Soulage

Didon et Enée, remembered - Opéra de Lyon, © Blandine Soulage

Purcell beim Opern-Festival Lyon

Archäologische Langweile

Der zweite Abend des diesjährigen Opern-Festspiele in Lyon war dem Werk 'Dido und Aeneas' von Henry Purcell gewidmet. Purcells Musik, durch eine Neukomposition des zeitgenössischen finnischen Gitarristen Kalle Kalima aktualisiert und ergänzt, verwirrt und verwundert zugleich. Leider enttäuscht und langweilt dieser Abend. Wenn nicht der Chor zwischendurch zur Musik von Purcell gesungen und die Protagonisten ihre Auftritte wirkungsvoll inszeniert hätten, wäre man dem Gefühl erlegen, am falschen Ort zur falschen Zeit zu sein. Diese zwei Stunden 'Dido und Aeneas' in einem neuen musikalischen Gewand wirkten länger als die vier Stunden von Tschaikowskys 'Die Zauberin' am Vorabend. Einige Besucher gingen bereits während der Vorstellung.

Wie ein Event

Vielleicht hat der Regisseur David Marton dem Publikum mehr zugetraut, als es verträgt? Auf der Bühne war eine archäologische Grabungsstätte aufgebaut. Hier buddelten eine Frau und ein Mann im Sand und gruben – einige Zuschauer schmunzelten – doch tatsächlich ein Mobiltelefon und eine Computermaus aus. Die gesamte Szenerie wurde von einer Videokamera begleitet, wie ein Event verfolgt und dem Publikum auf großer Leinwand als Sensation präsentiert. Am Ende wurden alle Fundstücke wieder im Sande vergraben. Wohl für die Nachfahren dieser Archäologen. Den aufgewirbelten Sand konnte man in den vorderen Reihen sogar riechen (Bühnenbild: Christian Friedländer).

Überzeugende Momente gab es dennoch, wenn Alix Le Saux als Dido und Guillaume Andrieux als Aeneas zu singen hatten. Und auch der Chor war stark präsent, wenn er aus dem Original der Oper sang. Die Vorstellung wurde durch die Jazz-Sängerin und Performance-Künstlerin Erika Stucky verstärkt. Dies half dem Abend aber nicht wirklich in seiner musikdramatischen Schlüssigkeit. Die Vorstellung wurde am Pult von Pierre Bleuse bestritten. Ihm ist die schön gestaltete Schlussszene mit dem Chor nach der Musik von Purcell zu verdanken. Es schien, als sei das Publikum während der kräftigen Buhs beim Applaus aus einer Schockstarre aufgewacht, überstürzt verließ es den Saal.

Kritik von Manfred Zweck

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Festival Leben und Schicksale : Dido und Aeneas

Ort: Opéra national,

Werke von: Henry Purcell

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