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Mittwoch, 20. Februar 2019

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Mariss Jansons und das BRSO, Copyright: Peter Meisel

Mariss Jansons und das BRSO, © Peter Meisel

Zweites Abo-Konzert des BR-Symphonieorchesters

Deutungshoheit

Wiederholt konnte man im Herkulessaal der Münchner Residenz das zweite Konzert der Abo-Reihe des BR-Symphonieorchesters erleben. Wie schon am Vorabend standen in der ersten Hälfte der Freitags-Ausgabe Richard Strauss‘ 'Vier letzte Lieder' mit Diana Damrau auf dem Programm. Schon zu Anfang in 'Frühling' lassen das Orchester unter Maestro Jansons und die mit dem Titel Bayerische Kammersängerin ausgestattete Solistin erkennen, wie gut sie in der Lage sind, aufeinander zu hören. Ob im ausladend konzipierten Ganzen oder in verklärt zurückgenommener Ruhe – Damraus Stimme besticht durch tragende Wärme und dynamische Vielseitigkeit. Dank kraftvollen Volumens (etwa in dem in 'Frühling' expressiv vom zweiten zum dritten Vers hin aufgebauten Crescendo) hat sie keinerlei Mühe, sich gegenüber dem Klangkörper zu behaupten; in beseelt-resignativen Gemütsregungen (‚…sehnt sich nach Ruh‘‘ bis zum Ausklang von 'September') ist sie mit sensiblem Messa di voce stimmlich und emotional ebenso glaubwürdig zu Hause.

Musikalisch verselbständigt

Auch sonst behandeln die Akteure die Poesie von Hesse und Eichendorff programmatisch gewissenhaft und musikalisch denkbar nah am Text: Behutsam und hellhörig umrahmt von Mariss Jansons Dirigat, begibt sich Damrau mal in abschweifende Ferne, um bald darauf wieder in dynamisch raumgreifender Realität aus sich herauszugehen. Beide Seiten verwalten die Texte mit Umsicht und haben jederzeit die klangliche Deutungshoheit über die vertonten Inhalte. Im vierten Lied ('Im Abendrot') verselbständigten sich die Worte gewissermaßen musikalisch (‚...will in freien Flügen schweben‘). Gewohnt souverän ist die Leistung von Konzertmeister Radoslaw Szulc in den ausschmückenden Solopassagen der ersten Violine ('Beim Schlafengehn', 'Im Abendrot').

Multidimensional

Nach der Pause gibt es Bruckners gewichtige Messe Nr. 3 f-Moll, in der der Chor des Bayerischen Rundfunks die Bühne vollends ausfüllt. Bereits im 'Kyrie' werden Klangwolken ausgebreitet, auf denen die übereinander geschichteten Sphären der Partitur multidimensional schweben. Überzeugend besetzt sind auch die Solisten: Sally Matthews (Sopran) und Karen Cargill (Mezzo) strahlen wahlweise gemeinsam im 'Gloria' ('Gratias agimus', 'Quoniam tu solus sanctus') im Wechselspiel mit Chor und Orchester oder einzeln für sich (Matthews im 'Dona nobis pacem' des 'Agnus Dei') Durchschlagskraft und Tonsicherheit aus. Ilker Arcayürek (Tenor) gestaltet seine Partie mit schlankem, natürlichem Timbre ('Et incarnatus est' im 'Credo'). Die Stimmübergabe zwischen Orchester, Solisten und Chor funktioniert einwandfrei, in akkurater Synthese erschaffen die Ausführenden fein abgezirkelte Klangräume, innerhalb derer sie stilsicher dynamisch aus dem Vollen schöpfen oder, wie zu Beginn des 'Sanctus', andächtig verharrende Spannung aufbauen.

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Kritik von Thomas Gehrig

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BR-Symphonieorchester: Mariss Jansons/Diana Damrau

Ort: Residenz (Herkulessaal),

Werke von: Richard Strauss, Anton Bruckner

Mitwirkende: Chor des Bayerischen Rundfunks (Chor), Mariss Jansons (Dirigent), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Orchester), Diana Damrau (Solist Gesang)

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