> > > > > 15.12.2018
Dienstag, 19. Februar 2019

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Krzysztof Urbański, Copyright: Marco Borggreve

Krzysztof Urbański, © Marco Borggreve

Das Tonkünstler-Orchester und Augustin Hadelich

Ausgelebte Emotionen

Vorweihnachtlichen Klangzauber in illustrer Besetzung versprühte einen Tag vor dem dritten Advent das Tonkünstler-Orchester bei seinem fünften Abonnementkonzert im Großen Saal des Wiener Musikvereins. Am Pult stand Krzysztof Urbański, der schon zum Auftakt in Michail Glinkas Ouvertüre zu 'Ruslan und Ludmilla' mit hohem Tempo und schwungvoller Phrasierung agogische Ausrufezeichen setzt.

Stete Präsenz

Solist des Abends war Augustin Hadelich in Sibelius‘ Violinkonzert d-Moll op. 47. Von den ersten Takten des 'Allegro moderato' zieht er das Publikum mit seiner direkten musikalischen Ansprache in den Bann, zum prachtvollen Ton seines Instruments (‚Ex-Kiesewetter‘-Stradivari von 1723) kommt eine stete, hellwach gestaltende Präsenz. Mit beseelter Hingabe lebt er die Emotionen voll und ganz aus. Über technische Zweifel ist sein Spiel ohnehin erhaben, schon lange vor der ausladenden Solo-Kadenz des Kopfsatzes ist seine virtuose Souveränität omnipräsent. Im 'Adagio di molto' lässt Hadelich die hochromantischen Kantilenen farbreich aufblühen. Den nervös aufgekratzten Charakter des Finalsatzes unterstreicht er mit kraftvollem Vorwärtsdrang und übernimmt dabei meisterhaft die der Violine vom Komponisten zugedachte, das Orchester dominierende Führungsrolle. Die auch hier wieder immensen virtuosen Anforderungen erfüllt er buchstäblich spielend. Bewundernswert auch sein Mut, diesem allein für sich genommen physisch schon extrem beanspruchenden, alles abverlangenden Stück eine nochmals ebenso herausfordernde Zugabe folgen zu lassen: Für die stürmischen Ovationen bedankt Hadelich sich beim Publikum mit Paganinis 'Caprice' Nr. 24 – das Risiko wird belohnt: In all ihren thematisch variierten Facetten erklingt das teuflisch schwere Encore denkbar facettenreich illustriert.

Klangspektakel

Nach der Pause folgt Strawinskys 'Feuervogel'-Suite in der Fassung von 1945. Urbańskis Dirigat erzählt die märchenhaft-programmatische Geschichte vom Anfang bis zum grandiosen Finale so authentisch, als sei man mittendrin, die Handlung wird regelrecht greifbar und eins mit der Musik. Vulkanisch entfesselte Urgewalten und subtile rhythmische Finessen stellt das Orchester ebenso überzeugend dar wie in kammermusikalische Ruhe vor dem erneuten Sturm abtauchende Sequenzen. Die Tonkünstler werden hier ihrem Namen im besten Wortsinn gerecht und gehen den avantgardistisch schattierten Facetten der Partitur – wenn nötig bis in klanglich radikale, harmonisch abgehobene Sphären des siebenfach vorgezeichneten, knifflig zu spielenden as-Moll in der 'Introduktion' – mit gläserner Transparenz auf den Grund. Ob nervös flügelschlagendes Streicher-Flimmern im 'Tanz des Feuervogels', gewaltig akzentuierte Synkopen im 'Höllentanz' mit dessen fulminant ausgekostetem Accelerando oder Trance-artiger Spannung im 'Wiegenlied' – die Musiker machen diesen 'Feuervogel' zu einem wahren Feuerwerk und Klangspektakel.

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Kritik von Thomas Gehrig

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Der Feuervogel: Krzysztof Urbanski / Augustin Hadelich

Ort: Musikverein,

Werke von: Igor Strawinsky, Jean Sibelius, Michail Glinka

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