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Sonntag, 21. Juli 2019

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Daniela Sindram (Komponist), Aaron Pegram (Tanzmeister), Daniela Fally (Zerbinetta), Copyright: Ludwig Olah

Daniela Sindram (Komponist), Aaron Pegram (Tanzmeister), Daniela Fally (Zerbinetta), © Ludwig Olah

Richard Strauss' 'Ariadne' an der Semperoper

Absolut sehenswert!

So mancher Opernbesucher staunt nicht schlecht beim Betreten des sogenannten Rundfoyers: ‚Der reichste Mann von Wien‘ tafelt hier – wenn auch nur pantomimisch und im Zeitlupentempo – zu den Klängen eines Streichquartetts. Neu ist die Idee, die Pausenräume in das Regiekonzept zu integrieren keineswegs, man denke nur an diverse Produktionen Peter Konwitschnys. Doch auch wenn David Hermanns szenische Interpretation von Richard Strauss‘ Oper 'Ariadne auf Naxos' in der Gegenwart spielt – Hugo von Hofmannsthals Libretto quasi neu zu erfinden oder mit librettofremden Elementen zu überfrachten ist nicht seine Intention.

Paul Zoller entwirft für das Vorspiel eine weiße Wand mit drei Türen, hinter denen sich die Garderoben der bekanntlich nicht gerade unkomplizierten Darsteller befinden, deren unterschiedliche Welten in der eigentlichen Oper auch bühnenbildtechnisch aufeinanderprallen. Eine in tiefes Schwarz gehaltene Treppe, die von tempelähnlichen Elementen eingerahmt wird, symbolisiert das Reich Ariadnes. Dem Dunkel der Antike stehen die üppig bemalten Barockkulissen der Komödianten gegenüber, deren knallige Kostüme (Michaela Barth) noch für zusätzliche Farbtupfer sorgen. Was nun die Personenführung betrifft, so wirkt sie logisch, betritt aber keineswegs Neuland, und bekanntlich zählt auch Christian Thielemann zu den Dirigenten, die großen Wert auf direkten Blickkontakt mit den Solisten legen. Wenn man auf der Bühne die eine oder andere Pointe schon aus anderen Inszenierungen wiederzuerkennen glaubt – im Orchestergraben ereignet sich eine interpretatorische Sternstunde, die mit ihrer dynamischen Subtilität genauso begeistert wie durch ihre phrasierungstechnische Raffinesse. So überraschen immer wieder die gekonnt eingesetzten Rubati sowie die akzentuierten Mittelstimmen, die den Kenner der Partitur von Beginn an wohl auch deshalb fesseln, weil sich Thielemanns Detailarbeit zu einem durchgehenden Ganze fügt, ohne sich in einzelne Momente zu verlieren. Großartig, wie bei der Sächsischen Staatskapelle nicht anders zu erwarten, ist der klangliche Facettenreichtum aller Instrumentengruppen

Überzeugende Sängerbesetzung

Die Titelrolle ist bei Krassimira Stoyanova optimal aufgehoben. Ihre Legatokultur und aufblühende Höhe begeistert bei Strauss genauso wie bei Verdi und Mozart, wobei sich beinahe die Frage aufdrängt, wann die bulgarische Künstlerin auch einmal als Arabella oder Kaiserin zu erleben sein wird. Daniela Fally überzeugt das Dresdner Publikum als Zerbinetta mit glockenreinem Sopran. Sie meistert die hohe Tessitura sowie die Verzierungen der Rolle ohne technische Schwierigkeiten, ihre Koloraturen bleiben nie Selbstzweck, sondern fungieren auch als prägnant eingesetztes Ausdrucksmittel. Stephen Gould zählt zu den wenigen Heldentenören, die auch noch nach zahllosen 'Siegfried'- und 'Tristan'-Vorstellungen noch die Höhe und Flexibilität für den Bacchus mitbringen. Zudem gestaltet er die Rolle auch noch so wortdeutlich, dass die minimalen Konditionsprobleme bei den Schlussphrasen auch gleich wieder vergessen sind. In Sachen Textdeutlichkeit kann Daniela Sindram nicht ganz mithalten, man würde sich so manche Passage des Komponisten doch deutlicher artikuliert wüschen, rein stimmlich kennt ihr Mezzo bei den Spitzentönen, die viele ihrer Kolleginnen an ihre Grenzen bringen, keine Angstmomente.

Sehr erfreulich ist der Musiklehrer Albert Dohmens, der noch aus intakten bassbaritonalen Ressourcen schöpft, ohne sich in deklamierte Phrasen retten zu müssen. Den amtierenden Direktor der Scala di Milano, Alexander Perreira, als Haushofmeister anzusetzen, ist eine durchaus publicityträchtige Geste, auch kommt der Impresario mit dem Sprachrhythmus der Partie durchaus gut zu recht, allerdings erweist sich seine Stimme als bei weitem nicht so tragfähig wie bei einem professionellen Schauspieler. Auf durchaus hohem Niveau bewegen sich auch die kleineren Rollen: Aaron Pegram hat die notwendige Höhe für die eher undankbare Partie des Tanzmeisters, Evelin Novak (Dryade), Simone Schröder (Najade) und Tuuli Takata (Echo) ergeben ein homogenes Trio. Während Carlos Osuna (Scaramuccio), Torben Jügrnes (Truffaldin) und Joseph Dennis (Brighella) durchaus für sich einnehmen, bleibt Rafael Fingerlos (Harlekin) mit seinem weitgehend timbrelosen Bariton nicht wirklich in Erinnerung.

Leider bestätigte sich auch an diesem Abend wieder, dass Richard Strauss‘ sechste Oper in der Publikumsgunst weit hinter 'Salome', 'Elektra' oder 'Rosenkavalier' rangiert, anders lassen sich die vielen freien Plätze kaum erklären.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Richard Strauss: Ariadne auf Naxos

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Richard Strauss

Mitwirkende: Christian Thielemann (Dirigent), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester), David Hermann (Regie), Daniela Fally (Solist Gesang), Krassimira Stoyanova (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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