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Samstag, 17. November 2018

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Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Copyright: Astrid Ackermann

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, © Astrid Ackermann

Das BR-Symphonieorchester und Leonidas Kavakos

Unwiderstehlich

Schon im Vorfeld des zweiten Konzerts der Abo-Reihe des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks stand fest, dass Chefdirigent Mariss Jansons krankheitsbedingt ausfallen würde. Für ihn am Pult stand am Freitag (wie schon am Vorabend) Cristian Mǎcelaru. Programmatisch ist ein Ausflug ins 20. Jahrhundert zu erleben, am Beginn steht Schostakowitschs 1948 vollendetes a-Moll-Violinkonzert op. 77. Den Solopart übernimmt Leonidas Kavakos, seines Zeichens diesjähriger Artist in Residence, der auch schon in der Vergangenheit mehrfach mit dem Klangkörper zusammengearbeitet hat.

Ruhe vor dem Sturm

Mit sensibler, intensiver Tongebung steigt er in die buchstäblich dunklen Sphären des mit ‚Nocturne‘ überschriebenen Kopfsatzes ein. Idealen Raum zur klanglichen Entfaltung lässt ihm und seiner wunderbar warm timbrierten 1734er ‚Willemotte‘-Stradivari das Orchester. Mǎcelaru versteht es, Kavakos‘ dezidierten Phrasierungsvorstellungen einfühlsam und agogisch flexibel zu folgen – perfekt dosierte Ruhe vor dem Sturm. Virtuosenfutter ist das Scherzo: Den extremen technischen Herausforderungen zeigt Kavakos sich souverän gewachsen, der jüdische Tanz erhält ein markant akzentuiertes Profil. Lyrische Passagen, in denen Kavakos wieder die Steilvorlage für spannungsgeladen ausgeformte melodische Bögen nutzt, tauchen nochmals im Passacaglia-Satz auf. Die opulente Kadenz dieses Abschnitts lässt erkennen, dass an den spieltechnischen Aspekten der Komposition und deren Entstehung ein so großer seiner Zunft wie David Oistrach mitgewirkt hat. Kavakos‘ Spiel trifft auch darin emotional und stilistisch den aufgekratzten Nerv des Werks. Eine ‚Symphonie für Violine und Orchester‘ hat der Komponist es einst selbst genannt. Auch in der ‚Burlesque‘ führen Solist und Orchester einen stets präsenten, dynamisch explosiven Dialog und beweisen: Schostakowitschs Werke bergen nicht nur stets verkappten politischen, sondern auch jede Menge musikalischen Zündstoff.

'Frühlingsopfer' im Herbst

Herbe Frühlingsgefühle im Herbst gibt es nach der Pause. Die Geschichte rund um die tumultartigen Szenen anlässlich der Pariser Uraufführung von Strawinskys 'Sacre du printemps' ist bekannt. Reichlich harmonisches und polytonales Konfliktpotential birgt die Partitur allemal. Was das BR-Symphonieorchester daraus macht, ist ein wahrhaft mitreißendes dynamisches Happening, das die programmatischen Inhalte des Stoffes faszinierend eins zu eins reflektiert. Ob die berühmten stampfenden Rhythmen im ersten Teil, gewaltige Perkussionsschläge mit Knalleffekt, krachend abgefeuerte Blech-Salven oder nervös pulsierende Streicher – die vorgegebene Atmosphäre der fortschreitenden Handlung bricht sich zielgerichtet bis zum ekstatischen Ende Bahn. Mǎcelarus Dirigat entfesselt urgewaltige Kräfte, die bis heute ihre kontroverse Wirkung aufs Publikum nicht verfehlen und – jedenfalls so gut gespielt wie an diesem Abend – eine unwiderstehliche Klangfaszination ausüben.

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Kritik von Thomas Gehrig

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Symphonieorchester der Bayerischen Rundfunks: Cristian Macelaru / Leonidas Kavakos

Ort: Gasteig,

Werke von: Dimitri Schostakowitsch, Igor Strawinsky

Mitwirkende: Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Orchester), Leonidas Kavakos (Solist Instr.)

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