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Dienstag, 11. Dezember 2018

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Pavol Breslik (Alfredo), Kristina Mkhitaryan (Violetta), Copyright: Wilfried Hösl

Pavol Breslik (Alfredo), Kristina Mkhitaryan (Violetta), © Wilfried Hösl

'La traviata' in München

Herbstgefühle

Es ist Herbst. In der Realität draußen vor der Bayerischen Staatsoper und drinnen – zumindest im zweiten Bild auf der Bühne. Herabgefallenes Laub liegt überall auf dem Boden, teils schon umgekipptes, achtlos zurückgelassenes Gartenmobiliar steht herum. Ein zumindest taugliches Sinnbild für Violettas schwindende Kräfte und ihren zunehmenden gesundheitlichen Verfall in Verdis Oper 'La traviata'. Ein überdimensionaler Kronleuchter, der anfangs noch hängt, im weiteren Verlauf von der Decke herabgestürzt ist, symbolisiert ebenfalls noch sinnfällig den fortschreitenden Niedergang – ansonsten gibt sich die mittlerweile schon betagte (wenn auch seither immer wieder ein wenig neu angepasste) Inszenierung von Günter Krämer betont spartanisch.

Karges Regie-Konzept

Exemplarisch hierfür lässt sich das erste Bild anführen, in dem die Party-Feierlichkeiten räumlich-visuell sozusagen auf halben, abgesenkten Horizont eingedampft sind, darüber hinaus bleibt die Szenerie weitgehend relativ statisch. Dynamik erzeugt allenfalls noch eine Schaukel innerhalb des eingangs geschilderten Herbst-Ambientes, szenischen Stillstand vermittelt demgegenüber wiederum das im selben Bild wie aus dem Rahmen eines typischen Monet-Gemäldes gefallen erscheinende, dauerhaft im Hintergrund platzierte Mädchen mit Hut. Ein durchsichtiger Vorhang, der Figuren voneinander trennt, um ihre Isolation oder gesellschaftliche Stellung darzustellen – das war‘s dann aber auch schon im Wesentlichen mit dem Regie-Konzept.

Violetta Superstar

Unumstrittener Star des Abends: Kristina Mkhitaryan als Violetta. Mit strahlend-sicherem Ton in allen Registern versteht sie es, nahezu sämtliche Phrasen bis hinein in die ausladenden Koloraturen mit dynamischem und agogischem Leben zu füllen. Auch schauspielerisch stellt sie unter Beweis, weshalb sie absolut zurecht als ‚Rising Star‘ mit Potential für eine Weltkarriere gehandelt wird – kurz gesagt: Ihr kauft man die weibliche Hauptrolle mit jeder Faser ihrer Stimme und ihres vollen Einsatzes bedingungslos ab. An zweiter Stelle zu nennen ist George Petean (Giorgio Germont) mit charismatischem, stimmstarkem Bariton-Volumen. Pavol Breslik als Alfredo verfügt über warmes geschmeidiges Tenor-Timbre, vermag aber vom Elan her nicht bedingungslos mitzureißen. Keri-Lynn Wilsons Dirigat gelingt es nicht durchgehend, musikalische Emotionen auf den Punkt zu bringen, die klangliche Balance mit den Sängern stimmt aber weitestgehend, atmosphärisch dichte Spannungen erzeugt der Klangkörper vor allem im leiseren, klanglich intimen Bereich. Als akustisch störend empfindet man allerdings die künstliche Verstärkung des Klangs des Bayerischen Staatsorchesters via Seitenlautsprecher. Ein paar nuancenreichere Farbtupfer mehr könnte an diesem Freitagabend auch der Chor setzen. Alles in allem lässt sich sagen: Diese 'Traviata'-Inszenierung ist inzwischen doch etwas in den Spätherbst ihrer Jahre gekommen.

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Kritik von Thomas Gehrig

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La Traviata: Oper in drei Akten von Verdi

Ort: Bayerische Staatsoper,

Werke von: Giuseppe Verdi

Mitwirkende: Bayerisches Staatsorchester (Orchester), Günter Krämer (Regie), George Petean (Solist Gesang)

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