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Dienstag, 11. Dezember 2018

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Szenenfoto: Solisten, Herren des Opernchores, Copyright: Tom Schulze

Szenenfoto: Solisten, Herren des Opernchores, © Tom Schulze

'La fanciulla del West' in Leipzig

Liebesdrama im Wilden Westen

Die gelungene und spannende Inszenierung von Puccinis 'La fanciulla del West' wirft die Frage auf, warum dieses Werk nicht öfter auf den Spielplänen der Opernhäuser steht. An der Musik kann es nicht liegen, sie ist packend, hochdramatisch mit vielen sensiblen Passagen. Puccini hatte mit dieser Oper Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts in New York einen großen Bühnenerfolg. Mit dieser Inszenierung in Leipzig hat Cusch Jung erfolgreich sein Operndebüt gegeben. Er kommt vom Theater und Musical, hat hier eine sehenswerte und überzeugende Arbeit abgeliefert. Wenn auch die Bühne von Karin Fritz in den Spielorten sehr unterschiedlich wechselt, bleibt das Gesamtergebnis unbestritten positiv. Auch ihre Kostüme überzeugen und passen zur Szene.

Ulf Schirmer dirigiert das Gewandhausorchester Leipzig von Beginn an mit großer Sicherheit und lässt das von Puccini komponierte Western-Genre deutlich hörbar erklingen. Die Klangfülle der intensiven und rauschhaften Musik hat er stilsicher und mit großem Enthusiasmus dirigiert. Das Orchester zeigte sich von der besten Seite.

Der erste Akt spielt in der Waschkaue einer Ruhrgebietszeche. In der typischen ‚Bude‘, hier als kleine Bar auf die Bühne gebracht, die von der Titelheldin Minnie (Karine Babajanyan) betrieben wird. Die Männer begehren sie und folgen willig ihren Anweisungen. Sheriff Jack Rance (Anooshah Golesorkhi) leidet unter der Zurückweisung von Minnie. Der Herrenchor und die Komparserie des Hauses bilden ein Gesamtteam, das dem Charakter der Musik in beeindruckenden Bildern bewegende Momente verleiht. Die Individuen des Männercamps werden in ihren menschlichen Schwächen und Stärken charakterisiert. Als Dick Johnson (Gaston Rivero) die Szene betritt, droht das Gefüge des Männercamps zur zerbrechen. Er ist ein gesuchter Verbrecher, der vom Sheriff verfolgt und vor dem Lynchmord durch Minnie gerettet wird. Beide verlieben sich ineinander und vereinbaren ein Wiedersehen.

Der zweite Akt spielt in Minnies einsamer Berghütte. Sie ist allein mit Ihrer indianischen Dienerin. Draußen tobt ein Schneesturm. Mit großer Spannung erwartet sie den Besuch ihres Geliebten. Erst als sich der Sherif mit seinem Gefolge der Hütte nähert, wird die romantische Szene beendet. Dick flüchtet vor seinen Jägern und wird dabei durch einen Schuss verletzt. Er kehrt zu Minnie zurück und versteckt sich in der Hütte. Minnie pokert mit dem Sheriff um das Leben ihres Geliebten. Durch einen Betrug gewinnt sie das Spiel.

Im dritten Akt befinden wir uns in einer leeren Werkhalle. Nur in der Mitte des Raumes ist der Haken eines Krans zu sehen, der als Galgen dienen soll. Der Sheriff, gefolgt von den Goldgräbern, gibt den Befehl, Dick zu erhängen. Minnie kann die aufgebrachten Männer beruhigen und ihren Dick befreien. Sie verlässt mit ihm die Goldgräberstätte.

Souveräne Minnie

Mit Karine Babajanyan als Minnie war die Partie sehr gut besetzt. Souverän war ihr Gesang und Spiel. Mit ihrem Sopran gelang es ihr, der Partie die erforderliche Wärme zu geben und auch in den Spitzentönen weich und fließend zu bleiben. Gaston Rivero als Dick Johnson überzeugte mit seiner Sicherheit in den Höhen und der Strahlkraft dieser doch nicht leichten Tenorpartie. Weniger überzeugend war leider Anooshah Golesorkhi als Jack Rance. Die dunkle Tiefe täuschte nicht über die Schwächen in der Höhe weg. Aus der großen Gruppe der Solisten sind besonders Patrick Vogel als Nick, Randall Jakobsh als Ashby und Franz Xaver Schlecht als Sid zu erwähnen. Insgesamt war es ein toller Abend. Das Publikum bedankte sich beim Dirigenten, dem Orchester und dem gesamten Ensemble.

Kritik von Manfred Zweck

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La fanciulla del West: Oper von Giacomo Puccini

Ort: Oper,

Werke von: Giacomo Puccini

Mitwirkende: Ulf Schirmer (Dirigent), Gewandhausorchester Leipzig (Orchester), Karine Babajanian (Solist Gesang)

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