> > > > > 16.08.2018
Samstag, 17. November 2018

Szenenfoto, Copyright: Kulturgipfel GmbH

Szenenfoto, © Kulturgipfel GmbH

'Aida' in Nürnberg

Nicht zu empfehlen

Zumindest die äußeren Rahmenbedingungen stimmten: Bei sommerlichen Temperaturen konnte die Open-Air-Aufführung von Verdis 'Aida' im Nürnberger Serenadenhof meteorologisch ungehindert über die Bühne gehen. Das war dann allerdings auch schon fast alles, was an diesem Abend passte – ansonsten ließ die bereits ziemlich betagte Produktion der Venezia Festival Opera in vielerlei Hinsicht zu wünschen übrig.

Billige Ausstattung

Angefangen vom Bühnenbild und den Kostümen, die so ziemlich jedes erdenkliche Klischee bedienten, machte bereits das Regie-Konzept eine unglückliche Figur. Die zu weiten Teilen billig wirkende Ausstattung schlug sich exemplarisch in wie selbst gebastelt anmutenden Requisiten nieder, die bis hin zu von Statisten vor sich her getragenen Papp-Insignien ging. Optisch erinnerte das Bühnengeschehen zum Teil beinahe schon an die Schulinszenierung einer Theater-AG. Wenig professionell und ausgereift wirkte auch die Personenführung: Mangels heutzutage gängiger technischer Ausrüstung waren die Darsteller gezwungen, zwecks Abstimmung die Blickrichtung meist starr geradeaus in Richtung des Dirigenten zu fixieren. Glaubwürdige schauspielerische Interaktion fand auf diese Weise überhaupt nicht statt.

Auch musikalisch setzte sich das überschaubare Niveau leider fort. Das durch die Welt tourende – in Wahrheit bulgarische – Ensemble, das entgegen dem irreführenden Namen mit Italien so wenig zu tun hat wie die Schwarzmeerküste mit dem Golf von Neapel, bot Solisten auf, die sich allesamt mit ihren Partien schwertaten. Unzureichende Gesangstechnik und tontechnisch mangelhafte Aussteuerung schlugen gleich doppelt negativ zu Buche. Nicht nur die Nebenrollen, sogar die Hauptdarsteller (Teodor Petkov/Ramses, Elena Baramova/Aida, Ivaylo Yovchev/Radame) gaben wahlweise mit unsicherem Ton oder angestrengtem Timbre eine schlechte Figur ab.

Tänzerische Einlagen – sofern gut choreographiert und ausgeführt ein an sich das Flair bereicherndes Element – wurden hier regelrecht amateurhaft dargeboten. Besseres lässt sich leider auch nicht über den Chor sagen, der nicht nur klanglich schlecht ausbalanciert, sondern auch stimmlich blass blieb.

Gelangweilte Routine

Akustisch waren die Instrumente nur vereinzelt verstärkt, was wiederum schon tontechnisch zu einem insgesamt unausgewogenen Klangbild führte. Hinzu kamen spielerische Defizite wie getrübte Einsätze, kratzige Streicher oder falsche Töne im Blech. Weshalb diese Produktion nach wie vor nicht nur in Europa, sondern sogar in Übersee Zulauf hat, ist vor diesem Hintergrund kaum zu erklären. Das spiegelt sich sogar in der Haltung der gesamten Kompagnie wieder – die Akteure vermitteln selbst größtenteils eine uninspirierte Attitüde als Ausdruck gelangweilt abgespielter Routine. Kurz gesagt: Diese Aufführung, bei der fast alle Protagonisten ihrem Part nicht gewachsen waren, kann man in keinem Fall weiterempfehlen.

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Kritik von Thomas Gehrig

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