> > > > > 21.07.2018
Samstag, 18. August 2018

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Daniil Trifonov, Copyright: Dario Acosta

Daniil Trifonov, © Dario Acosta

Daniil Trifonov in Baden-Baden

Elektrisierend

Wer sich im Vorfeld ursprünglich darauf gefreut hatte, Rachmaninovs berühmtes zweites Klavierkonzert in rein russischer Starbesetzung im Festspielhaus Baden-Baden zu hören, wurde am Samstag enttäuscht. Stattdessen war die Vortragsfolge im ersten Teil in Skrjabins fis-Moll-Konzert op. 20 umgeändert worden – ein Grund zur Enttäuschung war dies aber nur vordergründig.

Technisch überragend

Der Reihe nach: Tatsächlich waren in letzterem noch einige Schwachstellen auszumachen. In dem von Daniil Trifonov gespielten Solopart leistete sich der (inzwischen längst nicht mehr neu aufgegangene) Fixstern am Klavierhimmel einige Unzulänglichkeiten im Pedalgebrauch – mehrfach klangen Phrasen unsauber aus. Was man freilich schon hier bewundern konnte, war die überragende Technik des jungen Russen, auch klanglich bewies er, zu welch nuancenreichen Schattierungen er in der Lage ist. Dies vor allem im Mittelsatz, den er in wunderbar schwebende, atmosphärisch dichte Poesie verwandelte. Begleitet wurde er vom Mariinsky Orchester unter Valery Gergiev, der Dialog fand hier allerdings (noch) nicht auf Augenhöhe statt. Zu oft wurde der Klavierpart mit zu viel Volumen überlagert. Danach gab es dann aber tatsächlich Rachmaninov satt, zunächst dessen Zweite Sinfonie e-Moll op. 47. Im Kopfsatz wirkten die Streicherstimmen im Verhältnis zueinander noch etwas verschwommen. Das änderte sich ab dem Allegro molto – hier gewannen die Konturen zusehends an Schärfe, mehr und mehr wurden dynamische Spannungen aufgebaut und entluden sich in unmittelbarer Energien. Vollends mitreißend gelangen das subtil gesungene Adagio und der fulminant sprudelnde Schlusssatz.

Pathos und Lyrik

Nach der Pause folgte planmäßig Rachmaninovs fis-Moll-Konzert op. 1. Und hier bewies auch Trifonov vom ersten wuchtigen Akkordeinsatz an, dass der Hype um seine Person nicht künstlich erzeugt ist, sondern zu Recht auf seinem Spiel beruht: Glasklar perlende Skalen und Arpeggien, samtweich getupfte Diskant-Töne und fortwährend gesetzte Artikulationsimpulse machten sein Spiel zu einem unwiderstehlichen Erlebnis. Im Mittelsatz und dem Allegro scherzando brachten beide Seiten gleichermaßen Lyrik wie Pathos auf den musikalischen Punkt. Dank des auch vom Orchester konstant hoch gehaltenen Levels gelang die Kommunikation ungleich besser als zuvor bei Srkjabin. Und so mochte sich am Ende dann doch mancher wehmütig vorgestellt haben, wie es gewesen wäre, Rachmaninovs ‚Zweites‘ in einer so elektrisierenden Interpretation gehört zu haben.

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Kritik von Thomas Gehrig

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Valery Gergiev: Rachmaninov: Solist: Daniil Trifonov

Ort: Festspielhaus,

Werke von: Alexander Skrjabin, Sergej Rachmaninoff

Mitwirkende: Valery Gergiev (Dirigent), Orchester des Mariinsky Theaters St. Petersburg (Orchester), Daniil Trifonov (Solist Instr.)

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