> > > > > 20.10.2018
Samstag, 17. November 2018

1 / 2 >

The King's Singers, Copyright: Marco Borggreve

The King's Singers, © Marco Borggreve

Die King's Singers im Festspielhaus Baden-Baden

Herbstlich strahlendes Gold

Obgleich das Motto ‚Gold‘ für das 50-jährige Gründungsjubiläum des Ensembles am Londoner King‘s College steht, ist das Prädikat Gold in vielerlei Hinsicht treffend: Einen bunten Herbsttag veredeln die A-cappella-Goldkehlchen mit ihrem reinen Stimmglanz und stecken das Publikum mit der Freude ihres gemeinsamen Musizierens an. Das Programm ist dabei sehr vielschichtig angelegt und reicht von Volkslied-Arrangements wie Hasslers 'Frisch auf! Lasst uns ein gut’s Glas mit Wein' oder Daryl Runswicks Arrangement von 'Auf einem Baum ein Kuckuck' über Heinrich Isaacs 'Innsbruck, ich muss dich lassen' und Toru Takemitsus 'Handmade Proverbs' bis hin zu zwei Auftragskompositionen von Bob Chilcott und Joanna & Alexander L’Estrange, die eigens für das goldene Jubiläum der King Singer komponiert wurden. Während im ersten Teil das Programm bereits im Vorhinein festgelegt wurde, überraschen die King Singers im zweiten Teil u. a. mit beliebten Close-Harmony-Klassikern von Paul Simon und beschließen das offizielle Abendprogramm mit der Ouvertüre zu Rossinis Oper 'Wilhelm Tell'. Aus dem breiten Repertoire der King‘s Singers vermisst man an diesem fulminanten Abend im Festspielhaus Baden-Baden jedoch etwas das (ältere) geistliche Repertoire, das den Konzertabend in Kombination mit den jazzigen Arrangements noch erfüllender gestaltet hätte.

Abwechslungsreiches Programm mit Selbstreflexion

Als programmatische Quintessenz des Abends kann jedoch sicherlich (nicht nur aufgrund des Titels) die Auftragskomposition 'Quintessentially' von Joanna & Alexander L’Estrange bezeichnet werden: Hierbei werden nicht nur unterschiedliche musikalische Zitate der King‘s-Singers-Historie, sondern ein spezielles Crossover-Stück präsentiert, das auch textlich immer wieder auf die zentralen Charakteristika des Ensembles eingeht. Das Stück endet mit dem Text ‚six voices sound as one‘ und verklingt damit einhergehend musikalisch genau auf diesem perfektionierten Klangideal.

Traditionsreicher Klang mit dynamischer Jugendlichkeit

Auch wenn die King‘s Singers in 50 Jahren natürlich unterschiedliche Genrationswechsel durchlaufen haben, zeigt sich das verjüngte Ensemble sowohl mit dynamischer Jugendlichkeit als auch mit Bewusstsein für ihre Traditionswerten. Ihr homogener Klang und ihre exakte artikulatorische Abgestimmtheit aufeinander machen das Sextett nach wie vor zu etwas Besonderem, das man verzaubert und erstaunt bewundert. Die Countertenöre Patrick Dunachie und Timothy Wayne-Wright veredeln den Klang in der celestialen Höhe, während der Tenor Julian Gregory auch in solistischen Passagen sehr lyrisch wirkt und die Baritöne Christopher Bruerton und Christopher Gabbitas, gestützt durch den sonoren Bass Jonathan Howard, die wohlklingende Mittellage warm ausgestalten. Die sehr fokussierte und genaue vokale Arbeit innerhalb des Ensembles richtet sich sowohl auf die Agogik und Dynamik als auch auf das sehr fein nuancierte Klangideal und trägt auch in Baden-Baden goldene Früchte.

Insgesamt ist der goldene Konzertabend ein wahrer Hörgenuss: Mit der äußerst feinen Intonation verbindet sich der reiche kathedralähnliche Klang aus Cambridge mit dem musikalischen Augenzwinkern der jungen dynamischen King Singers.

Mehr erfahren über den Autor

Kritik von Lorenz Adamer

Kontakt aufnehmen mit dem Autor

Kontakt zur Redaktion

Jetzt Tickets kaufen

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Franz Lehár: Kaiserin Josephine - Ich heiße Sie alle ganz herzlich willkommen!

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich