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Montag, 18. Juni 2018

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Szenenfoto, Copyright: Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

Szenenfoto, © Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

Mit Minikonzerten auf europäischen Spuren

Potsdamer Fahrradkonzert 2018

Wer einmal dabei war, wird die Potsdamer Fahrradkonzerte nicht mehr missen wollen. Dieses Jahr unterstrich Potsdam seine historische Stellung im Mittelpunkt europäischer Geschichte durch das Festspielthema ‚Europa‘. Musiktraditionen aus den unterschiedlichen Regionen Europas bildeten auch den Rahmen für die beiden Fahrradkonzerte, einer kleinen Route mit 15 Kilometern und 9 Konzerten und einer längeren mit 25 Kilometern und 14 Konzerten, wobei sich die beiden Routen gegenläufig durch Potsdams Zentrum entlang der architektonischen Besonderheiten zwischen Monarchie, Sozialismus und Moderne teilweise überschnitten. Bestens organisiert, konnte man nahtlos von einem Konzert zum anderen radeln, sich gleichzeitig über die facettenreiche Stadtgeschichte Potsdams informieren und die wunderbare Park-Seelandschaft genießen.

Potsdam offerierte sich bei den diesjährigen Fahrradkonzerte als Integrationsmetropole. Bedingt durch den Repräsentationsdrang und die Reiselust der Monarchen, wurde Potsdam schon sehr früh multikulturell. Aus Österreich vertriebene Juden, in Frankreich verfolgte Hugenotten, holländische Handwerker, norwegische Baumeister, Schweizer Fabrikanten und Landwirte, flämische Schmiede, böhmische Weber und Musiker, italienische Schneider, russische Chorsänger prägten architektonisch und kulturell die Stadt. Die diesjährigen Fahrradkonzerte machten die musikalische Wurzeln, Vielfalt und Ähnlichkeiten aus acht Ländern mit teilweise einzigartigen Klang-, Gesang- und Tanzperformances hör- und sichtbar. Die hochkarätigen Musiker, gleichzeitig musikwissenschaftliche Experten ihrer extravaganten Instrumente, gastieren inzwischen europaweit.

Kuhhörner und Röhrenknochenflöten

In der Kaiserlichen Matrosenstation Kongsnæs am Ufer des Jungfernsees, einst eine Anlegestelle für Vergnügungsfahrten Kaiser Wilhelms II., spielten Miriam Andersen und Poul Hoxbro auf Kuhhörnern und Röhrenknochenflöten. Sie zählen zu den ältesten Musikinstrumenten der Menschheit. Die alten Weisen, weit vor der schriftlichen Überlieferung, lassen mit ihrer hohen, sehr filigranen Tonalität an skandinavische Weiten denken. Miriam Andersen rekonstruiert ihre Vokalgesänge aus der mittelalterlichen Skaldendichtung und entdeckt darin die magischen Welten der Vorzeit der Sagas und eddischen Dichtung.

Bis in die Antike, 400 v. Chr., reicht die perkussive Musik Conrad Steinmanns und Marin Lorenz‘ zurück, die sie vorwiegend aus dem Rhythmus der griechischen Literatur rekonstruierten. Mit Kymbalas (beckenartige Schlaginstrumente aus Metall), Krótalas (Holzklappern) und Aulos (Rohrblattinstrumente), mehr Oboe und Schalmei als Flöte, von Conrad Steinmann mit beiden Händen gespielt, entstehen faszinierende Ton-Schall-Experimente, deren ekstatische Wiederholungsrhythmen die tänzerische Drehbewegungen bei antiken Gelagen assoziieren lassen und im Schloss Glienicke ein atmosphärisches Umfeld fanden.

Exotisch erklangen in der Loggia Alexandra Ma-Lou Bergerters und Annegret Holjewilkens 'Alphornechos' zwischen Berg und Tal der Potsdamer Endmoränenlandschaft. In der Waschhaus Arena, der ehemaligen Russenhalle, bot das Männer Gypsie Dance Theatre aus Rumänien ein ekstatische Tanzshow zur Live-Musik. Wer es gemütlicher mochte, konnte im Park der Villa Glienicke bei den Citoller Tanzgeigern aus der Steiermark, verstärkt durch Tuba, Posaune und Akkordeon, im Park der Villa Glienicke ein Tänzchen wagen. Klassische Konzerte standen in der Friedrichskirche Babelsberg und in der Nikolaikirche auf dem Programm, nicht zu vergessen die Jazz- und Folkformationen dazwischen.

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Kritik von Michaela Schabel

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