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Freitag, 25. Mai 2018

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Gidon Kremer, Copyright: Giedre Dirvanauskaite

Gidon Kremer, © Giedre Dirvanauskaite

Konzert im Rahmen der Kronberg Academy

Einblick in die Weltklasse

Alle zwei Jahre lädt die Kronberg Academy im Taunus zu 'Camber music connects the world': Weltbekannte Künstler treffen mit einer Auswahl der Weltspitze von morgen zusammen, um sich ausschließlich der Kammermusik zu widmen. Zehn Tage musizieren sie miteinander und erschließen sich ein Repertoire von klassisch bis experimentell. Dabei gewähren sie Einblicke in Probenbesuchen und in sieben Konzerten.

Der niederländisch-französische Bratschist Sào Soulez Larivière und die Italienerin Erica Piccotti sind zwei der ‚Juniors‘, die am Dienstagabend mit dem ‚Senior‘ Gidon Kremer zum Konzert laden. Auf dem Pult liegt 'Time … and again' des gebürtigen Georgiers und Wahlbelgiers Giya Kancheli, Jahrgang 1935, in der Version für Streichtrio. Kancheli fordert die Extreme in der Dynamik, im Klang, im Ausdruck, um im überaus intimen Selbstgespräch seine religiöse Weltsicht zu reflektieren. Melodiefragmente erklingen in fragilem Pianissimo, teilweise erzeugt durch fiebrige Flageolett-Töne, eruptiv durchbrochen von brachial anmutenden Klangclustern. Am Ende stirbt die Melodie wie Kanchelis Glaube an eine Erlösung. Schwere Kost für ein Publikum, das sich weder der Wirkung dieses Werkes entziehen kann noch der Faszination für das Spiel dieses Trios. Alles Erlernte scheint in diesem Moment präsent, Teil ihrer Interpretationsauffassung, spürbar verinnerlicht, überzeugend. So schaffen sie ein musikalisches Erleben, wie es wohl nur in dieser Senior-Junior-Konstellation möglich ist.

Gleiches gilt für das Klaviertrio op. 70 Nr. 2 von Ludwig van Beethoven mit András Schiff am Flügel. Zunächst eine Spur zu laut greift der Senior-Routinier in die Tasten, um das kanonisch geführte Thema des Beginns vorzustellen, das der niederländisch-amerikanische Geiger Stephen Waarts und der finnisch-holländische Cellist Jonathan Roozeman mit glühend samtigem Ton veredeln. Verzückt folgt man dem Spiel des Cellisten, der Klammer und Motor ist und genießerisch eintaucht in den Gleichklang mit dem Geiger, expressiv ausgestaltet, was scheinbar nur als Begleitung notiert scheint, und technisch flink die quirligen Passagen in das Ganze einbettet. So durchlebt das Publikum genussvoll einen Beethovenschen Klangkosmos, der Tänzerisches neben Choralsattheit platziert. Im dritten Satz bezaubert die herrliche Kantilene wechselweise im Klavier und in der Violine, wobei Stephen Waarts einer spürbaren Schwerkraft zu widerstehen vermag und hochkonzentriert den zarten Melodiebogen gestaltet. In dieser Spannung größtmöglicher Genauigkeit gelingt ein motivisch wechselvoller, heiter endender Schlusssatz.

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Kritik von Christiane Franke

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Chamber Music Connects the World: Kammermusik von Kancheli und Beethoven

Ort: Stadthalle Kronberg,

Werke von: Ludwig van Beethoven, Giya Kancheli

Mitwirkende: András Schiff (Solist Instr.), Gidon Kremer (Solist Instr.)

Detailinformationen zum Veranstalter Kronberg Academy Festival

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