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Montag, 22. Oktober 2018

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Alexander Koblikov und Pascal Viglino, Copyright: Alain Hanel

Alexander Koblikov und Pascal Viglino, © Alain Hanel

Monaco Music Forum im ozeanografischen Museum

Unterhaltsam und gescheit

Neue Musik zu vermitteln, ist kein leichtes Unterfangen, das weiß auch Marc Monnet, der künstlerische Leiter des Festivals, zumal er selbst ein renommierter Komponist ist. Wo ist der Ort der ‚Wahrheit‘ der zeitgenössischen Musik, wenn jeder Stil - von Weltmusik über Pop, Neue Musik bis Jazz - gleichermaßen Gültigkeit für sich beanspruchen kann? Marc Monnet spürt das Dilemma und sucht mit seiner Programmgestaltung neue Möglichkeiten. Zweifellos ist es eine Gratwanderung, die Monnet auch bei anderen Konzerten unternimmt. Aber risikolos ist zu neuen Ufer nicht zu gelangen. 

Das Konzert im Ozeanografischen Museum in Monaco bot eine interessante Werkauswahl mit verschiedenen zeitgenössischen Komponisten. Am Ende wurde mit einer Komposition von Charles Ives noch einmal auf einen der Schwerpunkte des diesjährigen Festivals verwiesen. Das Konzert hatte für den aufmerksamen Zuhörer schon vor dem eigentlichen Beginn begonnen. Das Ensemble C Barré gestaltete unter der Leitung von Sébastien Boin und Christian Sébille eine Performance, die darin bestand, dass aus den Fenstern des dem Museum gegenüber liegenden Hauses rund 25 Instrumentalisten, Schüler der Akademie Rainer III von Monaco, musizierten. Eigentlich eine aparte Idee, die jedoch daran scheiterte, dass der Lärm in der Vorhalle des Ozeanografischen Museums so laut war, dass man den Klangverläufen nur ansatzweise folgen konnte.

Im wunderschönen Sitzungssaal des Ozeanografischen Museums ging es dann störungsfreier weiter. Vincent Carinolas Komposition 'Toucher pour thérémine' erwies sich als poetischer szenisch-musikalischer Dialog zwischen Pascal Viglino, Thérémine, und dem Jongleur Alexander Koblikov, der mit seinen 10 Bällen (!) pantomimisch auf die Klänge reagiert und stellenweise auch Pascal Viglino wichtige Impulse für neue Klangfolgen gab. Durch die subtile Verbindung von Pantomime und Klang, mit stellenweise archaisch anmutenden Tonfolgen, wo stellenweise nur Rauschen zu hören war, dann nur wieder das Klacken der Jonglagebälle auf dem Bühnenboden wurde auf widersinnige Weise Unhörbares hörbar gemacht - ein akustischer Trip in die Tiefenzonen der menschlicher Psyche. Ein wahrlich romantisch-poetische Performance.

Die Komposition 'Sul Segno pour harpe, guitare, cymbalum, contrebasse et électronique' erwies sich als ungemein spannend. der Komponist Yan Maresz erschuf mit verschiedenen Instrumentalkombinationen ganz unterschiedliche, subtile und filigrane Klangwelten, die nicht nur in der Tat wirklich neu sind, sondern deren Formaufbau sich auch dem aufmerksamen Zuhörer ohne verbale Erklärungen erschließt. Sein Werk bildete den klanglichen Hintergrund für eine Tanzperformance von Tänzerinnen und Tänzern der Pôle National Supérieur de Danse de Cannes-Mougins-Marseille.

Frédéric Pattars 'Mind Breaths' für Instrumentalensemble mit dem Ensemble C Barré unter der Leitung von Sébastien Boin erwies sich als geordneter Rückzug ins sichere Terrain klanglicher Möglichkeiten der Avantgarde. Ein affirmatives Werk, das klanglich so ziemlich alle Vorurteile bestätigt, die man der neuen Musik gemeinhin entgegenbringt. Vor diesem Hintergrund mutet Charles Ives Komposition 'From the Steeples and the Mountains pour cuivres et cloches' aus dem Jahre 1901 richtig modern an.

Die Idee, diesen Raum des Ozeanografischen Museums als Konzertraum zu nutzen, ist hervorragend. Das Ambiente dieses exzellenten Veranstaltungsortes wurde durch geschickte Lichttechnik noch mehr betont und er bietet auch in der Tat die Chance andere Vermittlungsformen zu finden, damit hier wirklich eine andere Art der Darbietung gefunden würde. Die Räumlichkeiten sind vorhanden und das Publikumsinteresse war groß, wie man auch bei diesem Konzert sehen konnte, das bis auf den letzten Platz ausverkauft war. Für Avantgardemusik sicherlich keine Selbstverständlichkeit.

Neben allen schädlichen Kürzungs- und Schließungsdebatten, neben allen unsinnigen Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen reiner Controllingzahlen, neben nicht endenden Diskussionen über weiche und harte Standortfaktoren, Subventions- und Investitionsabgrenzungen, die natürlich auch in Monte Carlo gestellt werden, sind solche Konzerte einfach wichtig. Dabei kommt es darauf an, dass Kulturpolitiker und Kulturschaffende eine intensive Argumentationsenergie darauf verwenden, wie gerade Kultur den mündigen und nicht von Trends getriebenen Bürger vermittelt werden kann.

Man ist beim Festival Printemps des Arts sicherlich auf dem richtigen Weg. Aber der Erfolg resultiert auch fraglos aus dem Sachverhalt, dass die Chemie zwischen dem Leiter des Festivals Marc Monnet, den Musikern und dem Publikum zu stimmen scheint.

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Kritik von Michael Pitz-Grewenig

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