> > > > > 10.02.2018
Montag, 15. Oktober 2018

1 / 3 >

Andrei Bondarenko, Ekaterina Siurina, Copyright: W. Hösl

Andrei Bondarenko, Ekaterina Siurina, © W. Hösl

Donizettis 'Liebestrank' in München

Erlösende Liebe

Rechtzeitig zu den Faschingsferien ist im Münchner Nationaltheater eine der poetischsten und besten Produktionen der letzten Jahre wieder einmal im Programm, und das auch noch sehr gut einstudiert und familienfreundlich zu nicht ganz so üppigen Eintrittspreisen: Donizettis 'Liebestrank' in einer Inszenierung von David Bösch.

Bösch verlegt die Handlung in ein armes Dorf im Italien der 50er Jahre; grau und staubig ist der Alltag, doch die Sehnsucht nach Liebe brennt nach wie vor in den Herzen der Bewohner. Besonders natürlich in Nemorino, der tollpatschig, aber anrührend wie eine Figur aus der Stummfilmzeit um seine geliebte Adina wirbt. In diese triste Welt bricht Dulcamara ein: Mit einem gigantischen Gefährt, das Dampf und Feuer spucken kann, nahezu die ganze Bühnenbreite einnimmt und im Wesentlichen aus einer rotierenden Kugel, die an den Planeten aus dem ‚Kleinen Prinzen‘ erinnert, und einem Fahrgestell aus Heugabeln besteht, wirkt er wie eine Erlösungsfigur aus einer anderen Welt.

Ambrogio Maestri, allein schon durch seine Körperfülle für diese Rolle prädestiniert, verkörpert ihn mit sichtlichem Vergnügen und einem guten Schuss Selbstironie. Sein kräftiger, aber doch leichter und flexibler Bass macht ihn zu einem der besten Rollenvertreter unserer Tage. Pavol Breslik als Nemorino fehlte es vor allem in ersten Akt an Glanz, Helligkeit und Strahlkraft in seiner Stimme; manches klang mühsam und ein wenig gestemmt. Das änderte sich im zweiten Akt. Die bekannte Arie 'Una furtiva lagrima' legte er sehr lyrisch an und konnte damit zur Begeisterung des Publikums ganz die Vorzüge seiner feinen, klaren Stimme ausspielen.

Ekaterina Siurina konnte nicht nur darstellerisch, sondern auch stimmlich den Wandel eines jungen ‚Girlies‘, für das vor allem das Vergnügen im Vordergrund steht, zur gereiften Frau deutlich machen. Ihr kräftiger, sehr schön geführter und auch den Höhen leicht ansprechender Sopran ist für die Rolle bestens geeignet. Andrei Bondarenkos Belcore blieb demgegenüber sowohl darstellerisch ohne jede Autorität als auch stimmlich recht farblos, deutlich zu leise und blass. Anders Paula Iancic als Giannetta, die der kleinen Rolle mit viel Witz und kraftvoller Stimme ein großes Format geben konnte.

Stefano Ranzani dirigierte das Bayerische Staatsorchester, und manchmal hätte man sich den Kontrast zwischen Leichtigkeit und Melancholie noch etwas stärker ausgeprägt gewünscht. Viel und lang anhaltender Applaus – auch dann noch, als das Licht im Zuschauerraum längst angegangen war und sich normalerweise Fluchtreflexe des Publikums einstellen.

Mehr erfahren über den Autor

Kritik von Prof. Dr. Michael Bordt

Kontakt aufnehmen mit dem Autor

Kontakt zur Redaktion


L'elisir d'amore: Melodramma in zwei Akten von Gaetano Donizetti

Ort: Bayerische Staatsoper,

Werke von: Gaetano Donizetti

Mitwirkende: Bayerisches Staatsorchester (Orchester), Ambrogio Maestri (Solist Gesang), Pavol Breslik (Solist Gesang), Ekaterina Siurina (Solist Gesang)

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2018) herunterladen (3000 KByte) Class aktuell (3/2018) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich