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Donnerstag, 22. Februar 2018

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Sami Luttinen (Hunding), Corby Welch (Siegmund), Elisabet Strid (Sieglinde), Copyright: Hans Jörg Michel

Sami Luttinen (Hunding), Corby Welch (Siegmund), Elisabet Strid (Sieglinde), © Hans Jörg Michel

Hilsdorf-Inszenierung von Wagners 'Walküre'

Packendes Gesamtkunstwerk

Düsseldorf. Deutsche Oper am Rhein. Mit rauschhaft betörenden, romantischen Wagner-Klängen feiert 'Die Walküre', der erste Tag des Bühnenfestspiels 'Der Ring des Nibelungen' Premiere. Große, dynamisch gestaltete Spannungsbögen mit ausdrucksstarken Leitmotiven, singenden Celli, federnden Streichern, homogen einsetzenden Bläsern und im ppp verklingenden Pauken – die Düsseldorfer Symphoniker liefen an diesem Sonntagabend unter der Leitung von Axel Kober zur Höchstform auf.

Konterkarierend zu dieser musikalischen Überwältigungsästhetik herrscht im Bühnenbild von Dieter Richter Krieg. Wotans Machtzentrale bzw. Lazarett und Hundings Heim besteht aus einer Art grauem, schwer lastenden Bunker-Innenraum mit kleinen Fenstern und Waffenkisten, einer lodernden Feuerstelle, einem alten Küchenherd, Tisch mit Stühlen samt eines verschlissenen, roten Samtsessels. Die Esche hat sich versteinert und in eine dicke Säule verwandelt, in der Siegmund das von Vater verheißene Schwert finden wird.

Während sich im instrumentalen Vorspiel Sturm und Gewitter beruhigen, betritt ein bewaffneter Hunding den Raum. Im Clan der Halbgötter und Götter ist er der Knecht. Ein Mensch ohne Selbstbewusstsein. Er liebt die Ordnung, behandelt seine Ehefrau wie eine Sklavin, droht mit den Mächtigen an seiner Seite und führt Anweisungen aus, ohne zu hinterfragen. Der Liebesakt nach dem Essen wird ihm verwehrt. Wütend zieht der so Gedemütigte erneut in die Schlacht. Dietrich W. Hilsdorf, der für die 'Ring'-Inszenierung in der Deutschen Oper am Rhein verantwortlich zeichnet, wirft in seiner analytisch genauen, detailliert und spannungsvoll inszenierten Personenregie einen besonderen Blick auf diesen einzigen Menschen der 'Walküre'. Im zweiten Akt wird er mit Siegmund und der schwangeren Sieglinde in der Götter-Kommandozentrale am Tisch sitzen und die Auseinandersetzungen zwischen Fricka und Wotan beobachten, um sodann - zur Wiederherstellung von Recht, Ordnung und Sitte - erneut zur Waffe zu greifen. Im dritten Akt schließlich reicht ein verächtlicher Wink Wotans aus, um dem zur Puppe mutierten, im Samtsessel sitzenden Hunding den endgültigen Todesstoß zu versetzen.

Grandios, wie Hilsdorf und sein Regieteam die Gedankenwelt Wagners auf diesem gesellschaftlichen Hintergrund in Geschichte und Gegenwart rücken, ohne die Symbolik und Ästhetik als mythisches Gesamtkunstwerk außer acht zu lassen. Esche, Augenklappe, Speer und goldenes Schwert, Tisch und Samtsessel, die rote Perücke als Symbol der außerehelichen Liebesziehungen Wotans – im Zusammenspiel mit Kostümen, Leitmotiven, Pausen und Musik gibt jede Geste, Blickrichtung und Haltung einen tieferen Einblick in den Charakter, die Handlungsmotive und das Beziehungsgeflecht der Protagonisten.

Der dritte Akt beginnt mit schmerzhaft laut werdenden Rotorengeräuschen eines Hubschraubers. Die Kommandozentrale hat sich in ein Lazarett mit Untoten und ausgedientem grauem Helikopter-Wrack verwandelt. Zu den Klängen des Walkürenritts führen die Walküren junge, gefallene Helden in den Raum und beköstigen sie. Wotan und seine ungehorsame, emanzipierte, menschlich liebende Tochter Brünnhilde begegnen sich auf Augenhöhe. Wut, schmerzlicher Abschied und Bewunderung mischen sich ihrer Aussprache. Er erfüllt schließlich ihre Bitte und zieht einen schützenden Feuerkreis um sie.

Ein großartig singendes und schauspielendes Solistenensemble ergänzt die feinsinnige Inszenierung. Samy Luttinens kräftiger Bass stellt Hunding dar. Simon Neal changiert in seiner Wotan-Mörderpartie meisterlich zwischen Tragik und Theatralik. Linda Watson ist eine richtige Heldin Brünnhilde mit großartiger Bühnenpräsenz und Stimme. Ebenso überzeugend Renée Morlocs Auftritt als Fricka. Corby Welch verkörpert mit ausdrucksstarkem, weich grundierten Stimmklang das traurige Schicksal Siegmunds. An seiner Seite glänzt Elisabet Strid klangschön als Sieglinde.

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Kritik von Ursula Decker-Bönniger

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Die Walküre: Der Ring des Nibelungen

Ort: Deutsche Oper am Rhein,

Werke von: Richard Wagner

Mitwirkende: Axel Kober (Dirigent), Dietrich Hilsdorf (Inszenierung), Düsseldorfer Symphoniker (Orchester)

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