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Dienstag, 25. Februar 2020

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Staatsorchester Stuttgart, Copyright: Martin Sigmund

Staatsorchester Stuttgart, © Martin Sigmund

425 Jahre Staatsorchester Stuttgart

Feste feiern, wie sie fallen

Eine alte Weisheit besagt, dass Feste gefeiert werden müssen, wie sie fallen. Das hat Berechtigung, vor allem wenn es darum geht, das 425-jährige Bestehen eines Orchesters zu begehen. Was wahr ist, muss wahr bleiben! Das Staatsorchester, das an der Oper Stuttgart beheimatet ist, ist in seinem heutigen Zustand nicht so alt; aber es ist mit seinen Vorgängern auf dieses Alter rückzudatieren. Warum soll auch Stuttgart nicht dürfen, was das alte Schweizer (!) Adelsgeschlecht der Habsburger auch tat?

Wenn man schon über Geschichtskonstruktionen nachdenkt, dann muss deutlich werden, dass auch die Tradition des Festkonzertes eine Problemgeschichte hat. Banalster Weise eignen sich dafür zwei Opern, nämlich 'Fidelio' und 'Die Meistersinger von Nürnberg'. Im Falle der Elbphilharmonie wären ein konzertanter 'Fidelio' oder der dritte Akt der 'Meistersinger' die glücklichere Wahl gewesen anstatt auf ein Potpourri als Leistungsschau zurückzugreifen. In Stuttgart war das an Neujahr anders.

Zugegeben, die im zweiten Teil erklungene Fünfte Sinfonie von Ludwig van Beethoven brauchte man nicht wirklich. Nicht dass die sogenannte ‚Schicksalssinfonie‘, die bekanntlich mit einem Kinderlied enden will, nicht angemessen musiziert wurde, im Gegenteil. Aber warum nichts Spannenderes, nicht schon so viele Male Gehörtes? Von Sylvain Cambreling ist man ganz anderes gewohnt. Da erwies sich der erste Konzertteil schon als etwas gänzlich anderes. Ein Potpourri, sicherlich, aber eines mit Hintersinn. Zwei Vorspiele, untypischer Weise 'Lohengrin' dritter Aufzug und dann Verdis 'La forza del destino', das ist überlegt. Beglückend frei und unverstellt sang daraufhin Mendy Fredrich zwei Raritäten von Wolfgang Amadé Mozart (man denke an den bedeutungsvollen Text!) und Richard Strauss, bevor die beiden Höhepunkte des Abends den Schluss des ersten Teils markierten: Berlioz und Lachenmann. Beide sind sie durch Werkaufführungen bzw. Uraufführungen mit Stuttgart verbunden.

Wer sich 'Les Troyens', jenem Großopus von Berlioz widmet, hat ohnehin einen Stein im Brett. Und dann auch noch 'Chasse royale et orage' so stimmig zu muszieren! Tristan und Isolde auf Französisch in Karthago: Da stimmten nicht nur die Töne der Instrumentalsolisten, sondern auch die Erotik, die hier in der Luft hängen muss. Sie hang dort auch. Von Helmut Lachenmann eine Neufassung eines Stückes zur Uraufführungen zu bringen, ist kein Anbiedern an einen nicht unumstrittenen Doyen der neueren Musikgeschichte, sondern eine Verneigung. Man denke daran, dass sein 'Mädchen mit den Schwefelhölzern', eigentlich eine Antioper, zu einem der großen Opernwerke des 20. Jahrhunderts wurde. Der Rest ist Geschichte. So schließt sich auch der Rahmen einer Besprechung zu einem Neujahrskonzert. Ad multos annos!

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Kritik von Simon Haasis

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