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Sonntag, 22. April 2018

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Eric Laporte, Martin Gäbler, JungYoun Kim, I Chiao Shih, Edith Lorans, Stefan Herfurth, Hans-Günther, Copyright: Martin Kaufhold

Eric Laporte, Martin Gäbler, JungYoun Kim, I Chiao Shih, Edith Lorans, Stefan Herfurth, Hans-Günther, © Martin Kaufhold

Beeindruckend ohne Zweifel

Früher Verdi in maximaler Zurücknahme

Die Entstehungszusammenhänge von Giuseppe Verdis Dauerbrennern aus der Frühzeit seines Schaffens dürfen, sollten sie auch nur annähernd sich so ereignet haben, als in ihrer Tragik mythisch gelten. Verdi hatte nach zumindest einem veritablen Misserfolg mit seiner ersten und lange Zeit einzigen komischen Oper, wenn man den 'Falstaff' überhaupt als solche bezeichnen sollte, und dem Verlust seiner geliebten Familie, eigentlich vor, die Karriere an den Nagel zu hängen. Im letzten Moment, man könnte an Fügung glauben, erhielt er vom Verleger Riccordi ein Libretto von Temistocle Solera zur Ansicht, das er nach einem Spaziergang mit demselben auf den Schreibtisch warf. Es soll sich, so die Mythe, die Seite mit jenem Chor aufgeschlagen haben, und der Komponist war elektrisiert: 'Va pensioniero'. Der Rest ist das Künsterleben…

Nun ging bereits Mitte der vergangenen Woche das Theater Ulm den Schritt, seine Neuproduktion dieser Oper dem Publikum vorzustellen. In der zweiten Vorstellung - der Eindruck gehört mitgeteilt - ist die Sache noch frisch und unverbraucht. Es ist spürbar, dass viel an dieser Inszenierung von Nilufar K. Münzing gearbeitet worden ist. Die Ausstattung, die Bühnenbildnerin Britta Lammers und Kostümbildnerin Ute Gruber-Ballehr besorgten, ist stark zurückgenommen, und das ist auch gut so. Egal, ob eine Produktion im Sinne der allgemein gebräuchlichen Termini klassisch oder modern gestaltet ist - es ist ein Unding der Tradition des realistischen Theaters, das es erst seit etwa den 1790er Jahren vollgültig gibt, das Publikum mit einer für das Erzählen der Geschichte unnötigen Ausstattung zu überfordern. Im Musiktheater geht es um Allgemeinmenschliches, um Probleme und Vorgänge, die jeden Menschen stets und immer betreffen. Ob nun Nabucco oder Otello oder Falstaff, um bei Verdi zu bleiben: Sie sind paradoxerweise stets singende Stellvertreter des Alltagsmenschen von gestern, heute und morgen.

Die Premierenserie ist gut besetzt: Kwang-Keun Lee gibt einen profunden Nabucco und Martin Gäbler dessen Widersacher Zaccaria mit übermenschlichem schauspielerischen Eindruck und dennoch weicher Stimme. Die Damen Edith Loranzs (Abigaille) und Chiao Shih (Fenena) glänzen gegeneinander an, abschon die Rolle der Fenena klein bleibt, aber dafür kann die Künstlerin nichts. Sekundiert werden die beiden Gegnerpaare von den Tenören Eric Laporte (Ismaele) und Hans-Günther Dotzauer als hilfreichem Abdallo sowie von Young-Jun Ha als Hohepriester und JungYoun Kima (Anna). Der Chor nutzte seine Momente für sich und Joongbae Jee trumpfte auf.

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Kritik von Simon Haasis

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