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Samstag, 25. November 2017

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Szenenfoto, Copyright: Festspielhaus Baden-Baden

Szenenfoto, © Festspielhaus Baden-Baden

'La Bohème' in Baden-Baden

Ausgelebte Emotionen

Eine Neuproduktion von Puccinis 'La Bohème' haben die diesjährigen Baden-Badener Herbstfestspiele in Koproduktion mit dem Opern- und Ballett-Theater Perm (die dortige Premiere fand am 04. Mai dieses Jahres statt) auf die Bühne gebracht. Für die Inszenierung verantwortlich zeichnet Philipp Himmelmann, sein Konzept ist im Paris der 1960er-Jahre angesiedelt und spricht eine direkte, klar verständliche Bildersprache.

Authentisches Flair

Die Konzentration liegt so auf den Figuren und ihren Emotionen, dazu fällt jede Menge Schnee. Ein sinnfälliges Symbol für die eisige Kälte, die eigene Hilf- und die Tatenlosigkeit der anderen, der Mimi von allen Seiten um sich herum ausgesetzt ist – auch wenn sich das Motiv über die gesamte Distanz ein wenig abnutzt. Auch die sonstigen Parameter sind in sich stimmig und verleihen der Handlung ein authentisches Flair: Das Interieur der Künstler-Mansarde ist schlicht und betont unstrukturiert – und wenn schon 60er-Jahre, dann sind auch implantierte Protestkundgebungen im Studenten-Milieu konsequent. Insgesamt setzt das Konzept die richtigen Impulse an den richtigen Stellen: Wo der Fokus auf einzelnen Figuren liegt, verweilt die Personenführung konzentriert dort und arbeitet die individuellen Charaktere gut heraus; wo bei ‚Momus‘ das Leben in der Pariser Öffentlichkeit nachgezeichnet wird, treten bunte Interaktion und Lebendigkeit hinzu.

Klanglich und sinnlich erfahrbar

Musikalisch ist jede Menge Klasse am Start: Zarina Abaeva verkörpert die Titelfigur mit schlankem, leuchtend klarem Ton, Leonardo Capalbo besticht durch warmes Timbre in den Kantilenen und höhensichere Strahlkraft. Auch Konstantin Suchkov (Marcello) und Edwin Crossley-Mercer (Schaunard) überzeugen mit kraftvoll tragenden Bariton-Stimmen, Nahuel di Pierros (Colline) Bass besitzt Durchschlagskraft bis in die tiefen Register.

Das Ensemble musicAeterna aus dem Ural leitet als designierter Chef des SWR-Symphonieorchesters Shooting-Star Teodor Currentzis. Sein Dirigat vereint ausgeprägten Sinn für sensiblen Dialog mit den Sängern und für bedingungslos ausgelebte emotionale Höhen und Tiefen. Die dabei angesteuerten dynamischen und agogischen Extreme wirken nicht aufgesetzt, sie sind Bestandteil einer Perspektive, die intelligent auch zwischen den Zeilen der Partitur liest. Luftige Holzbläser, akkurate Stimmführung und orchestrale Momente von geradezu kammermusikalischer Intimität machen die Emotionen klanglich und sinnlich erfahrbar und beweisen: Der Hype um Currentzis seit seiner Salzburger 'Clemenza' ist nicht künstlich erzeugt – seine musikalische Herangehensweise fällt derzeit einfach positiv aus dem Rahmen und nimmt den Hörer unmittelbar gefangen. Auch die Chor-Formationen von musicAeterna und Cantus Juvenum machen ihre Sache souverän.

Kurz: Wer die maßgeblichen 'Bohème'-Aufführungen der letzten Zeit aufzählen will, kommt an dieser Produktion nicht vorbei.

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Kritik von Thomas Gehrig

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Puccini: La Bohème: Herbstfestspiele

Ort: Festspielhaus,

Werke von: Giacomo Puccini

Mitwirkende: Teodor Currentzis (Dirigent), Philipp Himmelmann (Inszenierung), MusicAeterna (Orchester)

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