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Samstag, 21. September 2019

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Götterdämmerung: Nina Stemme (Brünnhilde), Andreas Schager (Siegfried), Copyright: Klaus Gigga

Götterdämmerung: Nina Stemme (Brünnhilde), Andreas Schager (Siegfried), © Klaus Gigga

'Götterdämmerung' an der Semperoper Dresden

Orchestrale Spitzenleistung

Genaugenommen waren es ja nur drei Repertoirevorstellungen von Wagners 'Götterdämmerung', doch wenn Hausherr Christian Thielemann das Dirigentenpult betritt, zieht Dresdens Semperoper die internationale Aufmerksamkeit auf sich, als wäre es eine Bayreuth-Premiere. Und dies zu recht: Thielemann ist es in seiner Amtszeit gelungen, das Niveau der Staatskapelle nochmals zu heben, sodass man Wagners Stück orchestral derzeit wohl in keinem anderen Opernhaus superber zu hören bekommt. Dabei ist die klangliche Auslotung der Partitur nur ein Aspekt von Thielemanns Zugang, genauso faszinierend ist sein analytischer Blick auf die thematische Struktur, die kaum einmal gehörte Details offenlegt.

Nina Stemme ist nicht nur die beste Brünnhilde der Gegenwart, sondern vielmehr eine Idealbesetzung, auf die man jahrelang warten musste. Bei ihrer Interpretation muss man keine Schwachpunkte akzeptieren oder Kompromisse eingehen. Stemmes Sopran hat trotz der Repertoireerweitung nach wie vor seinen runden und farbenreichen Klang, die gerade in der 'Götterdämmerung' benötigte Tiefe klingt genauso natürlich wie die strahlende Höhe. Zudem begeistert die Künstlerin mit ihrer klar artikulierten Textgestaltung.

Von der schwedischen Sopranistin hat man ja diese Spitzenleistung erwartet. Dass nun der Opernwelt auch ein neuer Siegfried auf Augenhöhe zur Verfügung steht, war für aufmerksame Beobachter des Sängermarktes nicht unbedingt eine große Überraschung. Der Österreicher Andreas Schager gilt ja bereits seit einigen Spielzeiten als Geheimtipp in der so schütter besetzten Kategorie der Heldentenöre. Dabei deutete Schagers Entwicklung keineswegs von Beginn an Richtung Wagner und Strauss. Erst nach einer eher unspektakulär verlaufenen Operettenkarriere entfaltete seine Stimme das Potential für die heldischen Rollen. Gemessen an dieser 'Götterdämmerung' scheinen dem Künstler Konditionsprobleme fremd, selbst die Waldvogelerzählung des dritten Akts kann er noch mit Legato gestalten, ohne sich wie viele seiner Kollegen in deklamierte Phrasen flüchten zu müssen. Einen Fachwechsel strebt offenbar auch Falk Struckmann an, wobei sich sein in der Höhe immer gefährdeter Heldenbariton für reine Bassrollen nicht wirklich eignet. Abgesehen von der wenig profunden Tiefe klingt das Stimmmaterial mittlerweile verbraucht und rau.

In weit besserer Verfassung ist der Bassbariton Albert Dohmens, den man sich auch heute noch als Wotan vorstellen könnte und er so eine Luxusbesetzung für den kurzen Auftritt des Alberichs ist. Hochkarätiges konnte die Semperoper auch mit Iain Patersons Gunther aufbieten, der gekonnt zwischen den Parlandophrasen sowie den dramatischen Ausbrüchen der Rolle wechselt. Christina Mayer stattet die Waltrautenerzählung vor allem mit großem Stimmvolumen aus, Edith Haller ist als Gutrune um mehr Differenzierung bemüht, wobei allerdings die etwas unruhige Stimmführung nicht unbedingt auffällt. Okka von der Damrau, Simone Schröder, Christiane Kohl (Drei Nornen) sowie Christiane Kohl, Sabrina Kögel und Siomone Schröder (Drei Rheintöchter) erwiesen sich als rollendeckend.

Willy Deckers vierzehn Jahre alte, ursprünglich für Madrid entstandene Inszenierung greift die Idee des Theaters auf dem Theater auf und dokumentiert so nebenbei die ausufernde Verwendung von Stühlen im zeitgeistigen Regietheater. Austatter Wolfgang Gussmann geht sogar soweit, diese als Schilde für die Mannen im zweiten Akt einzusetzen. Dazwischen findet man sich in der Gibichungenhalle in einem Saal mit einem überdimensionalem Panoramafenster, das man unweigerlich mit Hitlers Alpenfestung assoziiert. Durchaus berührende Momente gelingen der Regie in kleinen Details, wenn etwa Brünnhilde am Ende des dritten Akts nochmals Wotan gegenüber tritt oder Erda beim finalen Erklingen des Erlösungsmotivs eine neue Weltkugel auf die Bühne bringt.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Götterdämmerung: Richard Wagner

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Richard Wagner

Mitwirkende: Christian Thielemann (Dirigent), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester), Edith Haller (Solist Gesang), Simone Schröder (Solist Gesang), Nina Stemme (Solist Gesang), Albert Dohmen (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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