> > > > > 15.09.2017
Samstag, 21. September 2019

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Diana Damrau, Copyright: Rebecca Fey

Diana Damrau, © Rebecca Fey

Diana Damrau in der Philharmonie Essen

Eine Ausnahmekünstlerin

Zum Auftakt der Reihe ‚Große Stimmen‘ konzertierten Diana Damrau, das Royal Concertgebouw Orchestra und Thomas Hengelbrock in der Philharmonie Essen mit einem ansprechenden Programm. Ausgehend von Prag, der goldenen Stadt und Stadt der 100 Türme, fesselte vor der Pause vor allem die grandiose Sopranistin Diana Damrau mit drei Mozart-Arien das Publikum. Anschließend weitete sich der Blick auf Dvoraks 1890 uraufgeführte, eher selten dargebotene Achte Sinfonie – ein melancholisch anmutendes Werk, das zugleich die unterschwelligen, ästhetischen Zusammenhänge von Klassik und Romantik vor Augen führt.

Hengelbrock und das Concertgebouw-Orchester leiteten den Abend mit der Ouvertüre zu Mozarts 1787 in Prag uraufgeführten Oper 'Don Giovanni' ein – ein Werk, das der Meister erst in letzter Minute, am Tag der Generalprobe fertig stellte. Kontrastreich, differenziert und homogen in Artikulation und Dynamik betonte Hengelbrock in seiner Interpretation vor allem die leisen, geheimnisvoll dramatischen, dunklen Ausdruckswelten. Da kontrastierte ein satter, fahler, bis ins Geräuschhafte zurückgenommener Streicherklang mit rhythmisch akzentuierten, kurzen Akkordschlägen und lebendig sprudelnden Melodiepassagen. Bei allem blieb das Klangbild transparent und klassisch ausgewogen. Hengelbrock kostet die Schattierungen des Leisen aus und überschritt kaum das Mezzoforte.

Dann der Auftritt der Sopranistin Diana Damrau. Vollmundig, mal schlank, mal leicht vibrierend, immer gut geführt sang sie das Loblied auf die Treue und Beständigkeit der Liebe. 'L’amerò, sarò costante' ist der Höhepunkt der Oper 'Il re pastore', die Mozart 1757 mit 19 Jahren komponierte. Aminta steht zu seiner Liebe Elisa. Er will sie heiraten, obwohl sie nicht einer standesgemäßen, royalen Bindung entspricht. Bei Damrau und dem mit ihr konzertierenden Konzertmeister Joris van Rijn entfaltete sich ein inniges, geradezu intim wirkendes Duett. Dabei war keine Gesangsstrophe gleich gestaltet. Verzierungen wie Melismen und Koloraturen nahmen zu. Bruchlos und dynamisch differenziert wurde die Stimme geführt, reihten sich koloraturreiche Übergänge und Strophen auf einem Atemstrom aneinander.

Die folgende Konzertarie 'Bella mia fiamma' entstand 30 Jahre später, wieder in Prag. Der Gott der Unterwelt hat Proserpina geraubt. Titanus nimmt Abschied, versucht sich mit dem Schicksal zu versöhnen. Eine Arie voller barocker Affekte, widersprüchlicher Gefühle. Damrau verzauberte das Publikum geradezu. Ob zarte, zurückgenommene Höhe oder energiegeladener expressiver Furor –  sie war ganz der bzw. die von Gefühlen Zerrissene, Leidende, stellte sängerisch dar und untermalte die kontrastierenden Stimmungen auch gestisch.

Nach einem kleinen, kurzweiligen sinfonischen Zwischenspiel – der dreisätzigen Mozart-Sinfonie KV 318 – folgten einleitendes Rezitativ und die zweite, große Arie der Gräfin aus 'Le nozze di Figaro'. 'Dove sono i bei momenti' thematisiert die tiefe Verbitterung und Enttäuschung der jungen Gräfin über die Untreue ihres Ehemanns. Spannungsvoll, schlank, mit kultivierter Eleganz und zurückgenommen im Klang floss ein bruchloser Atem- und Lamentostrom aus großen melodischen Bögen. Welch kleinliche Intrigen muss die Gräfin bemühen, um die Liebe zurückzuerobern! Auch im neuen, extra für diese Arie gewechselten Seidengewand war Damrau hier ganz die leuchtende, noble Ehefrau.

Den glanzvollen Konzertabschluss bildet nach der Pause die 1890 in Prag uraufgeführte Achte Sinfonie von Antonin Dvorak. Ob melancholische, von den Celli getragene, weitgespannte Melodien, Naturbilder in Erinnerung rufende Bläserthemen,  marschartig rhythmisch akzentuierte, folkloristisch anmutende oder tänzerische Abschnitte - Hengelbrock verstand es, Dvoraks melodischen Reichtum analytisch klar und ausdrucksstark darzubieten. Vor allem die Holz- und Blechbläser, aber auch die homogenen Streicher waren ein Genuss!

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Kritik von Ursula Decker-Bönniger

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Diana Damrau, Thomas Hengelbrock: Royal Concertgebouw Orchestra

Ort: Philharmonie Essen (Alfried Krupp Saal),

Werke von: Antonín Dvorák, Wolfgang Amadeus Mozart

Mitwirkende: Thomas Hengelbrock (Dirigent), Concertgebouw Orchester (Orchester), Diana Damrau (Solist Gesang)

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