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Donnerstag, 14. Dezember 2017

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Annette Dasch (Rezia), Brenden Gunnell (Hüon von Borderaux), Copyright: Wilfried Hösl

Annette Dasch (Rezia), Brenden Gunnell (Hüon von Borderaux), © Wilfried Hösl

'Oberon' bei den Münchner Opernfestspielen

Anstrengender Klamauk

Carl Maria von Webers romantische Feenoper 'Oberon, König der Elfen', 1826 in London uraufgeführt, bringt zwei Themenkreise zusammen: Shakespeares ‚Sommernachtstraum’ und eine Geschichte, die entfernt an die 'Entführung aus dem Serail' erinnert. Oberon und Titania haben einen Ehekrach. Der Elfenkönig ist nur dann bereit zur Versöhnung, wenn es gelingt, unter den Menschen ein Paar zu finden, das sich in wahrer Liebe und Treue durch alle Prüfungen hindurch treu zugetan ist. Puck, der ausgesandt wird, ein solches Paar zu finden, hat eine Idee: Wenn der Kreuzritter Hüon von Bordeaux und die Kalifentochter Rezia trotz aller Hindernisse in Liebe zusammenkommen können, dann wird sich Oberon versöhnen. Und die Hindernisse sind wahrlich groß, denn Rezia droht eine Zwangsheirat; sie wird entführt, gerät in einen Seesturm, sie soll verkauft werden, aber der tapfere Ritter Hüon befreit sie aus allen Gefahren. Am Ende siegt doch die Liebe: Ende gut, alles gut!

Nikolaus Habjan, von Haus aus ein Puppenspieler, hat die Regie dieser zweiten Premiere der Münchner Opernfestspiele 2017 übernommen. Seine Grundidee hat mir gefallen: Die Rahmenhandlung wird in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts verlegt. Oberon und Titania sind Wissenschaftler und führen unter Laborbedingungen ein Experiment mit Menschen durch, die in ausweglos scheinende Situationen gebracht werden. Dabei spielen die menschengroßen Klappmaulpuppen von Habjan, die von den drei Puppenspielern aus Habjans Truppe brillant geführt werden und auch viel Applaus bekamen, eine wichtige Rolle. Denn alle Protagonisten, denen die beiden auf ihren Abenteuern, die größtenteils im Orient spielen, begegnen, werden von den Puppen gespielt.

Soweit, so gut. Der Rest war dann aber doch eine eher herbe Enttäuschung. Habjan gelingt es nicht, seine Idee konsequent umzusetzen oder gar eine Geschichte zu erzählen. Vor allem nach der Pause gehen ihm die Ideen aus; viele Szenen sind schlicht überdreht und enden im Klamauk (man möchte angesichts der Puppen sagen: Kasperletheater), andere ziehen sich zäh in die Länge (mein Nachbar zur Rechten begleitete diese Szenen durch sanftes Schnarchen, der zur linken durch Blicke auf sein Smartphone – verübeln konnte man es keinem von beiden).

Es liegt sicher auch an der Oper selbst, die dramaturgisch nicht besonders geglückt ist. Musiknummern, die nicht eingängig, aber schwer zu singen sind, wechseln sich mit langen Dialogen ab (die manchmal zu leise und nicht immer verständlich gesprochen wurden), und Habjan hat sich dafür entschieden, den alten gesprochenen Text mit seinen eigenen Dialogen auch noch anzureichern, was den Abend zusätzlich in die Länge zog.

Auch musikalisch war die Aufführung alles andere als eine Offenbarung. Von den Sängern konnte lediglich Julian Prégardien begeistern, der die Partie des Oberon mit klarem, weichem und rundem Tenor gestaltete. Auch Rachael Wilson in der kleineren Rolle der Fatime überzeugte mit ihrer warmen, schönen Stimme. Das war es dann aber auch schon: Brenden Gunnell konnte mit seinem schweren, manchmal leicht brüchigen Tenor die schwere Partie des Hüon nur mit großer Kraftanstrengung stemmen, Annette Daschs Sopran wird in den Höhen eng und ist nicht immer tragfähig, Alyona Abramowa sang die Titania mit harter Stimme, und auch Johannes Kammler konnte mit seinem gaumig-belegten Bariton nicht immer überzeugen.

Ivor Bolton hatte ebenfalls einen schlechten Tag. Statt die Musik fließen zu lassen, übertrieb er die Härte in seinem auf Dauer etwas anstrengenden Versuch, die romantische Partitur auf Originalklang zu trimmen. Müder, aber dann doch überraschend freundlicher Applaus für eine Produktion, die man nicht gesehen haben muss.

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Kritik von Prof. Dr. Michael Bordt

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Oberon, König der Elfen: Romantische Feenoper in drei Aufzügen

Ort: Bayerische Staatsoper,

Werke von: Carl Maria von Weber

Mitwirkende: Ivor Bolton (Dirigent), Orchester der Bayerischen Staatsoper (Orchester), Annette Dasch (Solist Gesang), Julian Prégardien (Solist Gesang)


Presseschau mit ausgewählten Pressestimmen:

https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/premiere-oberon-kritik-bayerische-staatoper-100.html
Kritik - "Oberon, König der Elfen" an der Bayerischen Staatsoper
(Bayerischer Rundfunk (BR), )

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