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Donnerstag, 19. Oktober 2017

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José Carreras, Copyright: Mauro Taliani

José Carreras, © Mauro Taliani

Open-Air-Konzert mit José Carreras in Regensburg

Noblesse und Charisma

Das Publikum ist außer Rand und Band. Mit Standing Ovations von 3300 Besuchern gelingen sechs Zugaben. José Carreras begeistert immer noch durch sein charismatisches Timbre in der Mittelage und seine unwahrscheinlich sympathische Ausstrahlungskraft, seine schlichte Noblesse und spürbare Rollenauthentizität.

Ganz ernst, verinnerlicht, singt er relativ kurze Arien und Lieder, die er noch meistern kann. Man merkt durchaus, wie ihn die Partien fordern, welche Kraft ihm der effektvolle Einsatz seines Stimmvolumens abfordert, doch genau das macht diesen Regensburger Galaabend so außerordentlich. Dankbar, wie er selbst ist, nach Überwindung der Leukämie wieder "Botschafter der Musik" zu sein, so dankbar feiert ihn das Publikum auf seiner "Final World Tour" in Regensburg.

Der Fokus ist eben nicht auf dem, was nicht mehr ist, sondern auf dem, was noch  ist. Man hört, dass die Pause nach Leighs 'The Indossable Dream' wichtig ist. Umso berührter ist man kurz danach von José Carreras ebenso kraftvoller wie feinfühliger Interpretation von Derevitskys 'Serenata sincera'.

Es ist weit mehr als ein Galaabend. Es ist ein Rückblick von José Carreras, gleichzeitig ein Remake, als "A Life in Music" perfekt inszeniert inklusive der Zugaben, weshalb der zweite Programmteil sehr kurz gehalten wurde. Während die Hofer Symphoniker unter dem schwungvollen Dirigat David Giménez’ Schostakowitschs Walzer Nr. 2 und später Jiménez’ Intermezzo aus 'La Boda de Luis Alonso' ziemlich rustikal schnittig interpretieren, illustrieren Fotodokumentationen zwischen roten Samt und Kristalllüster die Erfolgsgeschichte José Carreras’, sein Idol Guiseppe di Stefano, seine Mentoren Montserrat Caballé und Herbert von Karajan, mit denen er viele Jahre intensiv zusammenarbeitete, die wichtigsten seiner 66 Rollen, sein Comeback 1990 mit Luciano Pavarotti und Placido Domingo als Weltmarke "Die drei Tenöre", 2014 ein zweites Comeback in der eigens für ihn von Christian Kolonovitz komponierten Oper 'El Juez'. So wie José Carreras  gefördert wurde, gibt er sich nun selbst als Mentor und überlässt der russischen Sopranistin Elena Stikhina viel Raum, ihr außerordentliches Talent zu zeigen, was einmal mehr José Carreras Noblesse zeigt.

José Carrera beginnt mit dem 'Cancion Húngara' dramatisch und entfaltet trotz wiederholten Hüstelns von der ersten Sekunde an sängerisches Weltformat. Was ihm in der Höhe nicht mehr gelingt, überlässt er im Wechsel Elena Stikhina. Mit kraftvoll strahlenden Höhen und inniger Klangentfaltung interpretiert sie das 'Lied an den Mond' aus Dvoráks 'Rusalka', leidenschaftlich jubilierend Verdis 'Merce dilette amiche', noch rasanter mit atemberaubenden Koloraturen in mitreißenden Crescendi und unangestrengten Forte-Aufschwüngen in höchsten Höhen 'Les Filles de Cadix'. In der Zugabenstrecke bricht ihr Bühnentemperament auch noch gestisch und tänzerisch durch.

Ganz anders José Carreras. Innig wie ein Kind, elegant wie ein Gentleman, wissend um die Gunst der Stunde und das Danach durchaus ahnend, bleibt er bis zum Schluss ganz ruhig, ohne Pathos, nur ein kleiner Griff zu den Manschetten, ein genussvolles Augenschließen, um das tiefe Gefühl, das der Seele entspricht zu vermitteln, so seine Botschaft. José Carreras will beim Singen die Herzen bewegen. Das gelingt ihm im feierlichen Rahmen der Regensburger Schlossfestspiele bestens. José Carreras wählt Lieder mit Herzschmerz, egal ob aus Oper, Operette oder Musical. Berührend schön interpretiert er Penninos 'Pecchè' oder Rendines 'Vurria'.

Zusammen mit Elena Stikhina gelingt das Duett 'Je te veux', in dem sie ihm die Führung einfühlsam und respektvoll überlässt. Und auch David Giménez, José Carreras Neffe, dirigiert immer mit Blick auf die Sänger, wartet auf den letzten Tonhauch, bevor er das Orchester wieder einsetzen lässt und stützt geschickt dessen Klangdynamik. So wird der Gala-Abend, der mit einem Herz-Schmerz-Classic-Medley aus Musical-, Operetten- und Opern-Evergreens klangvoll, bei den sechs Zugaben dann doch etwas angestrengt von beiden Seiten endet, ein berührendes Ereignis.

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Kritik von Michaela Schabel

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Galaabend José Carreras: A Life In Music - The Final World Tour

Ort: Fürstliches Schloß,

Mitwirkende: José Carreras (Solist Gesang)

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