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Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Golda Schultz (Vitellia), Copyright: Salzburger Festspiele / Ruth Waltz

Golda Schultz (Vitellia), © Salzburger Festspiele / Ruth Waltz

Sensationelle Deutung von 'La clemenza de Tito'

Ein ganz neuer Mozart

Salzburg erlebt eine deutlich wahrnehmbare Wiederbelebung. Unter der neuen Intendanz von Markus Hinterhäuser wird vieles neu: eine völlig neue 'Jedermann'-Interpretation, bei der Eröffnungsfeier ein erfrischend facettenreicher Schostakowitsch, gespielt vom Salzburger Mozarteumorchester unter dem neu bestellten Dirigenten Riccardo Minasi kombiniert mit einem geschliffenen Festvortrag Ferdinand von Schirachs über Macht, das diesjährige Festivalthema.

Der Opernkomponist Mozart steht dieses Jahr nur einmal auf dem Programm, dafür sensationell dirigiert und inszeniert. Schon nach den ersten Tönen eröffnen sich neue Welten. Sein ganzes Orchester MusicAeterna und auch der MusicAeterna Chor hat Teodor Currentzis mit nach Salzburg gebracht. Klangtransparenz, Dynamik, Schwung, Spielkultur, spannungsvoller Umgang mit Pausen und vieles mehr sind sensationell. Teodor Currentzis - das hat er mit Riccardo Minasi gemeinsam - dirigiert nicht nur, er durchlebt die Ausdruckswelten der Musik mit seiner ganzen Körperlichkeit, ist Energiezentrum, reißt Musiker, Sänger und Publikum begeistert mit.

Das Ergebnis ist ein Hörgenuss der ganz besonderen Art, zumal 'La clemenza di Tito' mutig um die Zusatzrezitative aus der Feder von Mozartschüler Xaver Süßmayr gekürzt, dafür um Stücke aus Mozarts Großer Messe c-Moll erweitert wird, wodurch Teodor Currentzis auf grandiose Weise Mozarts musikalische Welten summiert und Mozart überaus inspiriert in ganz neuer Frische und Tiefe entdeckt.

Dazu passt bestens Peter Sellars Regiekonzept, der das ursprünglich langatmige Libretto um den Wandel des römischen Eroberers Tito zum milden Herrscher im Heute zwischen Gewalt, Terror und Flüchtlingsströmen verankert. Schon Mozart komponierte statt einer heroisierend devoten Huldigungsoper zur Inthronisation Kaisers Leopold II. eine Versöhnungsoper im Sinne der Aufklärung. Und genau diese Botschaft packt Peter Sellars zusammen mit George Tsypin (Bühne), James F. Ingalls (Licht) und Robby Duiveman (Kostüme) in gesellschaftspolitische Spannungen der Gegenwart. Ohne Bühnenbild weiß er die atmosphärische Kulisse der Felsenreitschule allein durch raffinierte Lichtspots und Lichtbauten, die immer wieder fast unbemerkt aus dem Untergrund hochfahren, in ein großstädtisches Umfeld zu verwandeln. Darüber hinaus deutet er damit den Brand Roms, den Terror unserer Tage und in grünen Schattierungen und Lichtsäulen ein neues gesellschaftliches  Miteinander an, sichtbar in den bunten, ‚multikulturellen’ Kostümen des Chors und der Statisterie. Die Kraft der Versöhnung verstärkt Peters Sellars durch seine detaillierte, geradezu choreographisch angelegte Personenregie, mit der er die Flüchtlingsmassen bewegt, in Kreisen gruppiert und durch leitmotivische Gestik sich berührender Arme intensiviert, wodurch sich Duette und Chorszenen, ganz stark beim 'Herr, erbarme dich!' zu tief empfundenen Klang-Bildern voller Hoffnung verdichten. Die Begeisterung des Publikums bricht sich Bahn in einem frenetischen Zwischenapplaus für Sesto und den Solo-Klarinettisten an seiner Seite, indirekt für das wunderbare Zusammenspiel für Sellars’ und Currentzis’ Zusammenarbeit.

Nicht minder großartig und gelungen ist die Besetzung der Gesangspartien. Mit Russell Thomas rückt Tito auch optisch in die beabsichtigte Nähe von Nelson Mandela und seiner Versöhnungspolitik mit den einstigen Widersachern, verstärkt durch die südafrikanische Koloratursopranistin Golda Schultz als eifersüchtige und intrigante Vitellia, den mächtigen Bassbariton Willard Whites als Publio und die vielseitige Sopranistin Jeanine De Bique aus Trinidad. Sesto mit der famosen Mezzosopranistin Marianne Crebassa zu besetzen, gibt der Rolle jugendlichen Charme. Dazu passt Christina Ganschs strahlender lyrisch inniger Sopran mit wunderbaren Decrescendi. Mit großartiger Klangschönheit inszeniert der Chor die andächtigen Emotionen des Volkes. Mit Standing Ovations belohnt, macht dieser großartige Beginn eine Wende in den Salzburger Festspielen sichtbar, die das Publikum zu honorieren weiß.

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Kritik von Michaela Schabel

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La clemenza di Tito: Opera seria in zwei Akten von W. A. Mozart

Ort: Felsenreitschule,

Werke von: Wolfgang Amadeus Mozart

Mitwirkende: Teodor Currentzis (Dirigent), MusicAeterna (Orchester)

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