> > > > > 16.06.2017
Donnerstag, 21. September 2017

Literes' 'Los Elementos' in Sanssouci

Wilde Leidenschaft

Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci trumpfen immer wieder mit ganz besonderen Inszenierungen auf. Mit dem Ensemble Le Tendre Amour gelingt eine überaus charmante Interpretation dessen, was Barockoper alles sein kann. Der Name ist Programm: Le Tendre Amour, die zärtliche Liebe zur Musik und ihrer Interpretation, das heißt in diesem Fall: werkgetreues Spiel auf historischen Instrumenten kombiniert mit witziger Regie, schauspielerischer Ausdruckskraft und Transfer in die Gegenwart.

Antonio de Literes (1673-1747) gilt als bekanntester spanischer Opernkomponist  des 18. Jahrhunderts. In 'Los Elementos' wollte er spanische Tradition mit italienischer Mode verbinden. Als harmonisch zusammengefügte Oper im italienischen Stil beschreibt er sie im Untertitel. Italienisch daran sind allerdings nur die vielen Arien und der neue Stil, eine durchgängige Komposition anzubieten. Le Tendre Amour geht einen Schritt weiter und bringt keck die historischen Tänze aus den urspanischen Zarzuelas der damaligen Zeit ein und peppt das Ganze in der Flamenco-Optik unserer Tage auf.

Regisseur und Bühnenbildner Adrián Schvarzstein, Grenzgänger zwischen unterschiedlichsten Genres, lässt Elemente aus Commedia dell’Arte, Straßentheater, Zirkus sowie der plakativen Welt der Werbung einfließen und entdeckt so, was in 'Los Elementos' tatsächlich steckt. Ergebnis ist ein überaus erotisch pfiffiges Spektakel um Konkurrenz und Kampf, Poesie und Harmonie. Carolina Pozuelo Montero und Miguel Lara vertanzen diese Polarität  in eleganten Posen der Escuela Bolera, aufgemischt mit einfachen Flamencoschritten, Manton, Bata de Cola und liebenswert parodierten Flamenco-Klischees.

Und auch die Sängerinnen agieren in Rüschenkleidern mit Fächern und entsprechendem Habitus ganz flamencomäßig, jede eine Erscheinung, mit wunderbarer Stimme und individueller Körpersprache, wodurch barocke Gesangs- und spitzbübische Spielebene wunderbar zusammengehen. Das Feuer lodert durch  Marina Pardos Mezzosopran, kesse Mimik und tiefes Dekolleté in wilder Leidenschaft. Marta Valero in Pink symbolisiert mit weiblicher Gelassenheit und großen Tonvolumen die Erde. Die Luft oszilliert mit der brasilianischen Sopranistin Luanda Siqueira, eine verführerisch grazile Mädchenfrau ganz in kreolischem Weiß, zwischen zartem Windhauch und frischer Brise. Sängerisch die stärksten Akzente setzt María Hinojosa, ganz in Türkis. Egal ob als Wasser und Morgenröte, egal von welchem Standort aus - ihr Stimmvolumen vermittelt wilde Fluten genauso wie die harmonisierende Wirkung der Morgenröte, unter der sich die Elemente beruhigen und wieder alles wieder zu wachsen beginnen kann. Nur die Zeit, von Bariton Hugo Oliveira muy macho gesungen und gespielt, bringen die Elemente in die Bredouille. Oder doch nicht? Das Gepolter hinter der Bühne hört sich zumindest sehr genussvoll an und der Wirt, alias Adrián Schvarzstein, schmunzelt wissend.

Gespielt im Saal der Orangerie des Schlosses Sanssouce im Interieur einer spanischen Taverne, dezent und doch sehr schwungvoll begleitet von acht Musikern unter der Leitung Esteban Mazur geht das Konzept, barocke Lebenslust heutig mit dem musikalischen Charme von einst zu vermitteln, bestens auf.

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Kritik von Michaela Schabel

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