> > > > > 11.06.2017
Mittwoch, 28. Juni 2017

Bewegung und Musik in Potsdam

Musik bewegt

Fahrradfahren und musikalische Hochkultur? Ja, das funktioniert großartig, zumindest in Potsdam. Mit unglaublichem Spürsinn stellte Andrea Palent zwei parallel stattfindende Radradtouren mit jeweils 20 Konzerten und jeweils vier Aufführungen zusammen. Eine Überraschung reihte sich an die andere. Es gab Musik aus unterschiedlichsten Stilrichtungen, immer auf höchstem Niveau und an attraktiven Plätzen, oft von Künstlern, die auch Abendveranstaltungen des Musikfestivals bestreiten.

Am faszinierendsten waren die Solisten und die kleinen Ensembles auf historischen oder exotischen Instrumenten, die inzwischen europaweit unterwegs sind. Im Grottensaal des Neuen Palais in Sanssouci entführte Natascha Nikeprelevic in die exotischen Klangwelten des Obertonsingens und reduzierte Sprache auf Laute. Aber auch ohne Inhalt fügen sich durch ihre Aura und gestische Expression die polyphonen klanglichen Spiegelungen und Kontraste zum erzählerischen Mit- und Gegeneinander menschlichen Lebens. Durch die Kombination mit dem Fahrradfahren strömten Hunderte von Menschen in die Konzerte, erlebten Neues und waren erstaunt über die energetische Wirkung dieser Musik.

Jetzt hatten auch die Musiker des Eröffnungskonzertes nochmals Gelegenheit, ihre exotischen Instrumente in Szene zu setzen. Das Duo Ttukunak trommelte auf dem Luisenplatz auf Txalapartas, baskischen Perkussionsinstrumenten, feurig den Beginn der Fahrradkonzerte ein. Charlotte van Wouwe visualisierte mit ihrem Ensemble Soplarte die Klangwelt der Luft, in dem durch die exotischen Windungen ihrer  fragilen Glasinstrumenten sozusagen aus dem Nichts Melodien zwischen experimentellen Dissonanzen und Wohlklang vor den luftigen Kolonnaden am Neuen Palais zauberte. Tony Di Napoli entlockte dem Lithophon aus belgischen Kalkplatten in der Ziegel-Manufaktur Glindow Steinmusik. Er umkreiste das Festival-Teilmotto "Feuer" in Neunachteltönen mit subtilen reibungsbedingten Schwingungen. Philipp Marguerr, Pianist beim Deutschen Filmorchester Babelsberg, verleiht mit dem Verrophon, senkrechten Glasröhren, frühklassischen, romantischen und zeitgenössischen Stücke neue tonale, glasklare, hauchzarte Höhen- und Klangwelten erschließt. Mohammad Reza Mortazavi, einer der besten  gegenwärtigen Tombak-Spieler, faszinierte das Publikum durch die außerordentliche Schnelligkeit seiner Trommelrhythmen auf der Schaubühne am Templiner See.

Als Meister der Gambenmusik zeigten sich Philippe Pierlot & Rainer Zipperling. Giovanna Pessi begeisterte auf der Barockharfe mit ihrem facettenreichen Programm "Die Harfe des Zephyrs" und verzauberte das Publikum mit faszinierenden Klangwelten zwischen Samt und Seide,  perlender Verspieltheit und tänzerischer Eleganz und Verführung.

Die Fahrradkonzerte endeten mit zwei neuartigen Begegnungen. BMX-Weltmeister Viki Gómez präsentierte im ehemaligen Potsdamer Bahnhof nach Ravels Streichquartett, gespielt vom Berlin Chamber Players Quartett, seine spektakuläre Performance "Wheelharmony", und das Ensemble Le Tendre Amour gab Kostproben aus der Flamenco-Oper 'Los Elementos'. Chapeau! Hut ab vor den Organisatoren und den Mitwirkenden dieser famosen Fahrradkonzerte.

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Kritik von Michaela Schabel

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