> > > > > 10.06.2017
Mittwoch, 18. Oktober 2017

Antonio Vivaldi

Concerto Copenhagen ließ die Elemente toben

Barocksturm in Potsdam

Sogenannte Alte Musik vital, relevant und zeitgenössisch zu machen, ist das erklärte Ziel des Ensembles Concerto Copenhagen unter der Leitung von Lars Ulrik Mortensen. Für den traditionellen Feuerwerksabend der Potsdamer Musikfestspiele eröffnete es mit Jean-Féry Rebels kühnen 'Les Éléments'. Aus dissonantem Klangchaos entwickelten sich wahre Klangstürme, ein reges Hin und Her von elementarer Kraft in allen Facetten, ein neckisches Miteinander klanglicher Schaumkronen bis zu wuchtigen Wellenbewegungen. In den Tanzsätzen bändigt das Concerto Copenhagen, wie von Rebel beabsichtigt, das elementare Chaos unter Einbezug klanglicher Naturbilder. Die Bläser rufen zur Jagd, das Tamburin ermuntert zum ausgelassenen Tanz. Doch trotz der temperamentvollen, facettenreichen Interpretation konnte der Funke nicht überspringen. Open air, nur durch einen transparenten Kunststoffpavillon von der Kälte geschützt, die Tontechnik noch nicht perfekt gemischt, konnte Concerto Copenhagen noch nicht seine wahren Klangfarben entfalten. Umso beachtlicher waren das mitreißende Solo Katy Birchers in Vivaldis Flötenkonzert 'La tempesta di mare', in dem Wechsel von Sturm, Flaute und neues Aufbrausen klangvoll zur Wirkung kamen. Fredrik From glänzte bei den Solopartien in Vivaldis Violinkonzert op. 8 Nr. 5 durch temperamentvolles Spiel; zuweilen fehlten allerdings größere klangliche Schattierungen und das Volumen in der Tiefe.

Erst nach der Pause zeigte das Concerto Copenhagen seine klangliche Qualität.  Mattew Locks Schauspielmusik zu Shakespeares 'The Tempest' begeisterte wie einst vor Hofe durch das breite Spektrum zwischen elementarer Wucht, feierlicher Getragenheit, tänzerischer Beschwingtheit und verspieltes Kokettieren. Telemanns Ouvertüre berühmte Wasser-Musik 'Hamburger Ebb und Flut' bildete den krönenden Abschluss, bei dem sich das Concerto Copenhagen unter dem temperamentvollen Dirigat Lars Ulrik Mortensens nochmals in Tempo und Klangvolumen steigerte, Pausen bruchartig setzte, um in immer neuen, noch wilderen Anläufen die Dynamik von Ebbe und Flut, den Auftritt der Götter in den unterschiedlichen Tänzen und zum Abschluss die jungen Bootsleute musikalisch zu inszenieren. Das mitternächtliche Festival-Feuerwerk nach Rebels "Feuerwerksmusik" ließ barocke Lebenspracht auflodern.

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Kritik von Michaela Schabel

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Feuer Wasser Sturm Barock!: Musikalische Naturschauspiele mit Feuerwerk

Ort: Sanssouci,

Werke von: Georg Philipp Telemann, Jean-Féry Rebel, Antonio Vivaldi, Matthew Locke

Mitwirkende: Lars Ulrik Mortensen (Dirigent), Concerto Copenhagen (Orchester)

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Detailinformationen zum Veranstalter Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

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