> > > > > 09.06.2017
Mittwoch, 13. Dezember 2017

Claudio Monteverdi

Balthasar-Neumann-Ensemble und -Chor in Potsdam

Fantastische Eröffnung

Noch immer sind die Potsdamer Festspiele im Schloss Sanssouci trotz hoher Qualität und mutiger Innovationen ein Geheimtipp. Dieses Jahr eröffnete das Balthasar-Neumann-Ensemble mit Chor und Solisten im stimmungsvollen Rahmen der Friedenskirche die Musikfestspiele mit einer gelungenen Mischung von folkloristischer Weltmusik und "klassischer" Barockmusik, die bestens zum  diesjährigen Festspielmotto "Erde, Feuer, Wasser, Luft" passte.

Mit exquisiten Farben der Instrumentalisten und ausdrucksvollen Timbres der Sänger wurden Ensemble und Chor unter dem subtilen Dirigat von Olof Boman dem Konzerttitel "Musik in ihrem Element" voll gerecht. Mit 'Trilo', einem schwedischen Fischerlied, von Ale Möller kombiniert mit indischen Klangsphären, präsentierten das  Balthasar-Neumann-Ensemble und der Balthasar-Neumann-Chor fantastische Klangwelten, die in ihren Wiederholungenstrukturen wie ein Mantra beflügelten. Carissimis 'Jonas', die berühmte Geschichte aus dem Alten Testament, ließ Wasser und Sturm in wuchtigen und pfeifenden Klangwelten erleben, ließ die Solopartien in Wohlklang erstrahlen und vermittelte, sehr getragen und majestätisch dirigiert, spirituellen Glanz des Göttlichen.

Zwischen Windhauch und Klangsturm, subtilen Crescendi und Decrescendi oszillierte Thomas Jennefelts mystisches 'Villarosa sarialdi'. Im Staccato der Wiederholungen bauten sich Leidenschaften auf, die wie Feuer züngelten, funkelnd explodierten und in einem ganz langgezogenen Laut pianissimo verlöschten. Monteverdis "Suite" der Hirten und Nymphen aus dem ersten Akt des 'Orfeo' steigerte sich aus getragenem Tempo durch Zimbeln, Trommeln und Tamburin zu tänzerischer Beschwingtheit. Vogelgezwitscher suggerierte Schäferidylle. Juan de Araujos 'Dime Armor' und 'Fuego de Amor' überzeugten durch harmonisch ausdrucksstarkes Zusammenspiel der Solostimmen in unterschiedlichen Tonlagen.

Noch mehr begeisterte die minimalistische Komposition 'A new Heaven and an new Earth', in der Sven-David Sandstöm durch extrem lang gezogene Töne, sphärisches Summen, tiefes Raunen den Text a cappela glanzvoll aufleuchten lässt. Nahtlos schloss sich daran Scarlattis 'Iste confessor', das kirchen- und stiladäquat in einem andächtigen, ruhigen Amen endete.

Der zweite Teil des Konzerts musste wegen schlechten Wetters von der Großen Fontaine im Schlossgarten in den Kreuzgang der Friedenskirche verlegt werden. Dort verloren die experimentelle Klang-, Gesangs- und Tanzperformances, konzipiert für die vier Elemente mit ausgefallenen Glasinstrumenten, Lithophon und Txalaparta, in der Small-Talk-Atmosphäre eines Sektempfanges leider ihre magische Wirkung.

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Kritik von Michaela Schabel

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Musik in ihrem Element: Feuer, Wasser, Erde, Luft im Herzen von Sanssouci

Ort: Friedenskirche,

Werke von: Claudio Monteverdi, Giacomo Carissimi, Domenico Scarlatti

Mitwirkende: Balthasar-Neumann-Chor (Chor), Balthasar-Neumann-Ensemble (Orchester)

Detailinformationen zum Veranstalter Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

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