> > > > > 28.04.2017
Sonntag, 23. Juli 2017

Ein Ereignis

Mahler 8 in der Elbphilharmonie

Der Rezensent gesteht, das ihm von allen Mahler-Sinfonien die sogenannte ‚Sinfonie der Tausend’ bislang am wenigsten zugänglich war. Zu viel Pomp, zu wenig Ironie, zu viel Kitsch, zu viel hoher Stil, zu wenig Wirtshaus, zu viel Himmel, zu wenig Welt, zu wenig Mahler. Zudem gelangt die Wiedergabe per Tonträger bei einer derartigen Besetzung an ihre Grenzen, es sei denn, man investiert ein Vermögen in seine Audio-Anlage. Und in einem traditionellen Konzerthaus fühlt man sich ab Minute eins klanglich bedrängt, als wäre man in einem Fahrstuhl zusammen mit zwei sich prügelnden Boxern eingesperrt. Das alles gehört nach diesem Abend in der Elbphilharmonie weitgehend der Vergangenheit an. Es mag nach Hybris klingen, aber im Konzertverlauf stellte sich der Eindruck ein, dass die Elbphilharmonie genau für solche riesig besetzten Werke gedacht ist. Auch wenn der Chor der Hamburgischen Staatsoper und der Staatlich Akademische Chor Latvija hinter dem Orchester aus Platzgründen auf den normalen Plätzen sitzen mussten und die Hamburger Alsterspatzen in der rechten Bühnenhälfte links von den Kontrabässen platziert wurden – rein von der Akustik her wäre da sogar noch mehr drin gewesen, so frei und unbeschwert entfaltete sich der Klang. Alleine die Gesangssolisten in Gestalt von Sarah Wegener, Jacquelyn Wagner, Daniela Sindram, Dorottya Láng, Burkhard Fritz, Kartal Karagedik, Wilhelm Schwinghammer wirkten hinter dem Orchester, aber vor dem Chor aufgestellt, ein wenig verloren, sodass der Text zumindest in Etage 16 nicht immer zu verstehen war. Womöglich wäre es da besser gewesen, die Vokalsolisten so wie Heather Engebretsons ‚Mater Gloriosa’ (in Etage 15) auf den verschiedenen Etagen um das Orchester herum zu verteilen, was zum ‚schwebenden’ Bühnenbild der Schlussszene von ‚Faust II‘ gepasst hätte. Zudem patzten Flöten und Klarinetten zu Beginn des zweiten Teils nacheinander. Das ist aber Meckern auf sehr hohem Niveau. Alles in allem war das wohl die am besten durchhörbare Mahler 8, die man derzeit live erleben kann.

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Kritik von Dr. Aron Sayed

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Kent Nagano: Sinfonie der Tausend

Ort: Elbphilharmonie,

Werke von: Gustav Mahler

Mitwirkende: Staatliche Akademische Chor Lettland (Chor), Chor der Hamburgischen Staatsoper (Chor), Eliahu Inbal (Dirigent), Philharmonisches Staatsorchester Hamburg (Orchester), Fritz Schwinghammer (Solist Gesang), Burkhard Fritz (Solist Gesang), Daniela Sindram (Solist Gesang), Jacquelyn Wagner (Solist Gesang)

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