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Mittwoch, 28. Juni 2017

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Luca Grassi (Rigoletto), Cristina Pasaroiu (Gilda), Copyright: Matthias Jung

Luca Grassi (Rigoletto), Cristina Pasaroiu (Gilda), © Matthias Jung

Neuinszenierung von 'Rigoletto' in Essen

Die Gesellschaft und das Böse

Kein prächtiger, glänzend erleuchteter Saal im herzoglichen Palast. Wenn die Essener Philharmoniker zum Fluchmotiv und später zu leicht treibender, tänzerisch untermalter, höfischer Partymusik anheben, bleibt die Bühne leer - eingefasst von einer mit Drehtüren ausgestatteten, schwarzen, spiegelartig glänzenden Fläche. Bunte, aufgeblasene Luftballons sind auf dem schwarz-weißen Fischgrätenmuster verteilt und laden zum Spiel – ein Spiel, das von bleichen Zombies und Jokermasken mit neongrün leuchtenden Perücken beherrscht wird. Konterkariert wird diese dunkle Atmosphäre von einem seidig glänzenden, mal pink, mal violett, mal rosa leuchtenden Bühnenvorhang. Er wird fantasievoll in das Bühnenspiel einbezogen, trägt zur feinsinnigen Charakterisierung des Protagonisten Rigoletto bei.

Frank Hilbrich zeichnet für die jüngst Premiere feiernde Neuinszenierung von Giuseppe Verdis 'Rigoletto' im Aalto Theater in Essen verantwortlich. Er thematisiert einfühlsam die Feiergesellschaft und das Böse. Gleich zu Beginn begegnet uns die Gräfin Ceprano als Hund. Solch maßlose Späße und Kommentare, die ungewollt, gewollt Verletzungen nach sich ziehen, treibt auch Rigoletto, Hofnarr des Herzogs von Mantua, ebenfalls Joker bzw. "evil clown". Gabriele Rupprecht hat den brillant singenden und spielenden Luca Grassi mit einem Buckel aus zerplatzten Luftballons ausgestattet. Alles – die Bürde des Amtes, der Fluch Monterones und die Rolle des sich sorgenden Familienvaters – scheint schwer auf ihm zu lasten, ihn nicht zur Ruhe kommen zu lassen und Schritt für Schritt in Wahnsinn und Verbrechen zu treiben.

Hilbrich zeigt Sparafucile - auch er im Aalto ausgezeichnet mit dem ausdrucksstark spielenden, mit klangvoller Tiefe ausgestatteten Bassbariton Tijl Faveyts besetzt - als mephistophelisches Alter Ego Rigolettos. Gilda entpuppt sich als selbstbewusste, junge Frau, die von Christina Pasarolu anrührend, mit lyrisch gefärbtem, vollmundigem Sopran verkörpert wird.

Verdis lebendiges Musiktheater spiegelt die Komplexität des Lebens. Duette, Quartett und Ensembleszenen sind unter der umsichtigen Leitung Matteo Beltramis ein vielschichtiger, atemlos wechselnder, musikalischer Traum. Poesie und Pathos, dunkle Geheimnisse und tänzerische Leichtigkeit – hier wird die ganze Farbpalette eindrucksvoll vor Augen geführt mit homogen und dynamisch differenziert gestaltenden und schauspielenden Chorsolisten und brillant inszenierenden Essener Philharmonikern.

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Kritik von Ursula Decker-Bönniger

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Rigoletto: Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi

Ort: Theater & Philharmonie (Aalto-Theater),

Werke von: Giuseppe Verdi

Mitwirkende: Matteo Beltrami (Dirigent), Philharmoniker Essener (Orchester), Luca Grassi (Solist Gesang)

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