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Samstag, 2. Juli 2022

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Pretty Yende, A. Ayan, Chor der Bayerischen Staatsoper, Copyright: Wilfried Hösl

Pretty Yende, A. Ayan, Chor der Bayerischen Staatsoper, © Wilfried Hösl

Pretty Yendes Debüt in München

Liebe in traurigen Zeiten

Vor nahezu auf den Tag genau sieben Jahren, am 1. Dezember 2009, fand an der Bayerischen Staatsoper die Premiere von David Böschs poetischer, phantasie- und liebevoller Inszenierung von Gaetano Donizettis 'Liebestrank' statt. Bösch verlegt die Handlung in irgendein schäbiges italienisches Dorf in den 50er Jahren. Die Bevölkerung ist müde und vom Krieg gezeichnet. In einer grauen, eintönigen Welt sehnen sich alle nach der großen Liebe, vor allem der junge Nemorino, von Bösch wie ein zweiter Buster Keaton gezeichnet, der seine Adina am Ende dann auch bekommt.

Viele Protagonisten hat die nahezu immer ausverkaufte Produktion seitdem gesehen, und natürlich schleifen sich im Laufe der Jahre viele Details der Inszenierung ab. Allerdings war es bei der Aufführungsserie in dieser Spielzeit dann doch auffällig, wie frei viele der Protagonisten mit den Vorgaben der Regie umgegangen sind – ein wenig mehr Genauigkeit in der Personenführung seitens der Spielleitung wäre sicherlich sinnvoll gewesen.

Zwei mittlerweile auch international bedeutende Newcomer waren in den Rollen der Adina und des Nemorino erstmalig in München zu erleben: die Südafrikanerin Pretty Yende und der Brasilianer Atalla Ayan. Ayans Tenor verfügt über einen schönen, warmen Klang mit großem Schmelz; ihm gelingen herrliche, weitausholende Melodiebögen. Allerdings hatte man das Gefühl, er sang den Abend über immer wieder an der Grenze seiner eigenen Kraft. Vor allem ließ er dynamische Differenzierungen vermissen: Ihm fehlt ein tragfähiges Piano, etwa in seiner großen Arie 'Una furtiva lacrima', aber auch ein durchschlagenderes Forte, etwa in den verzweifelten Rufen nach dem Doktor im Finale des ersten Aktes. Pretty Yende hat einen klaren, starken, hellen Sopran, der nur in den oberen Höhen vielleicht etwas scharf ist. Sie verfügt über eine solide Technik, die Koloraturen kommen geperlt und perfekt. Aber was ihrer Stimme noch fehlt, ist Farbigkeit und damit ein breiteres Ausdrucksspektrum. Stimmlich bleibt sie in der Oper so auch am Ende noch zu sehr das ‚girlie‘ – statt einer durch die bedingungslose Liebe, die ihr entgegengebracht wird, gereiften Frau. Erwin Schrott sang den Dulcamara. Wer weiß, wie frei es Schrott oft mit Tempoangaben und Vorgaben des Dirigenten hält, wurde positiv überrascht: Mit kräftiger, kerniger Stimme fügte er sich bestens in das Ensemble ein. Auch der Ukrainer Andrei Bondarenko als Belcore überraschte positiv mit seinem markanten, vollen, runden Bariton. Daniele Callegari dirigierte eine solide Repertoireaufführung, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Kurzer, aber freundlicher Applaus.

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Kritik von Prof. Dr. Michael Bordt



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L'elisir d'amore: Melodramma in zwei Akten von Gaetano Donizetti

Ort: Bayerische Staatsoper,

Werke von: Gaetano Donizetti

Mitwirkende: Chor der Bayerischen Staatsoper München (Chor), Bayerisches Staatsorchester (Orchester), Pretty Yende (Solist Gesang), Erwin Schrott (Solist Gesang)

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