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Mittwoch, 14. November 2018

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Christophe Rousset, Copyright: Eric Larrayadieu

Christophe Rousset, © Eric Larrayadieu

Antonio Salieris 'Les Horaces' in Wien

Nach über 200 Jahren der Vergessenheit entrissen

Als sich Antonio Salieri 1784 auf seine Rückreise von Paris, wo gerade seine neue Oper 'Les Danaides' großen Erfolg hatte, nach Wien begab, hatte er bereits das Libretto für eine neue Oper im Gepäck. Es handelte sich um 'Les Horaces', die auf dem Drama des französischen Literaten Pierre Corneille beruhen. Die Hoffnungen des Komponisten, das Publikum werde auch dieses Werk wohlwollend aufnehmen, wurden allerdings herb enttäuscht. Die Pariser Uraufführung 1786 war ein regelrechter Flop. Salieris Biograph Ignaz von Mosel berichtet, dass diese "nicht nur ohne Beifall, sondern mit unzweideutigen Zeichen des Missfallens" zu Ende ging. Und selbst als Salieri den stark kritisierten Schluss kurzfristig umschrieb, konnte er damit das Schicksal seines Werkes nicht mehr retten; nach drei Vorstellungen verschwand es von den Spielplänen und die Partitur im Archiv, wo sie über zwei Jahrhunderte verstauben sollte. So war nun musikwissenschaftliche Kompetenz gefragt, als man für Christophe Rousset und seine Talents lyriques anhand des Partitur-Manuskripts sowie handschriftlicher Aufzeichnungen das Aufführungsmaterial rekonstruierte, denn gedruckt wurde das Werk nie.

Nicolas-Francois Giullards dreiaktiges Libretto erzählt eine Episode der Gründungsgeschichte Roms: Die Städte Rom (Horatier) und Alba Longa (Curatier) wollen die Vorherrschaft im Latium erringen, wobei man sich einigt, dass ein Kampf dreier römischer und dreier albanischer Krieger die Entscheidung bringen soll. Allerdings liebt Camille, die Schwester der Horatier, einen der Curatier, der jedoch im Kampf fällt. Camilles Verzweiflung über den Verlust ihres Geliebten besiegelt auch ihr Schicksal, da ihr Bruder dies als Verrat am Vaterland sieht und sie tötet. Es ist wohl die durchgehende Fixierung auf den Themenkomplex Liebe versus Staatspflicht, mit der das Pariser Publikum nichts anzufangen wusste. In der konzertanten Aufführung im Theater an der Wien bleibt ihr dieses blutige Ende erspart, da man auf das Finale zurückgriff, in dem Valere, um Verständnis für die unglücklich Liebende bittet.

Das schütter besetzte Theater an der Wien erweckte den Eindruck, als habe man hierzulande wenig Interesse, das Werk von Mozarts Zeitgenossen und angeblichem Rivalen kennenzulernen. Christophe Rousset versteht es von Beginn an, den martialischen Charakter der Musik herauszuarbeiten und gleichzeitig eine sehr differenzierte Sicht der Partitur zu bieten. Judith van Wanroj überzeugt als Camille in den lyrischen Passagen mehr als in den dramatischen. Den jungen Horace und Curiace konziperte Salieri als Tenorpartien, wobei letztgenannter die dankbarere Partie ist, die jedoch auch zeigte, dass Cyrille Dubois Stimme mit der Höhe immer wieder Mühe hat. Vom Timbre nicht unähnlich ist der Tenor von Julien Dran, den man gerne auch in einer größeren Partie wiederbegegnen möchte. Jean-Sébastian Bou bringt für den alten Horace einen geschmeidigen, etwas rauchigen Bariton mit, der in den heldischen Passagen im dritten Akt zu Hochform aufläuft.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Les Horaces: Tragédie lyrique in drei Akten von Antonio Salieri

Ort: Theater an der Wien,

Werke von: Antonio Salieri

Mitwirkende: Christophe Rousset (Dirigent), Les Talens Lyriques (Orchester), Judith van Wanroij (Solist Gesang)

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