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Donnerstag, 19. September 2019

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Peter Pan (Marie-Sande Papenmeyer), Copyright: Benjamin Westhoff

Peter Pan (Marie-Sande Papenmeyer), © Benjamin Westhoff

'Peter Pan' als Kinderoper in Hildesheim

Witzig und sperrig

Das Piratenschiff macht wohl am meisten Eindruck. Es ist nach der Pause zu sehen und nimmt die ganze Bühne ein; außerdem hebt und senkt es sich sogar leicht, als würde es tatsächlich auf dem Meer schwimmen. Hannes Neumaier hat Bühne und Kostüme entworfen in einer Produktion für Kinder am Theater für Niedersachsen in Hildesheim. Er durfte dabei seiner Fantasie freien lauf lassen, denn was könnte bunter und fantastischer sein als Peter Pans Nimmerland, das hier, übersetzt von Erich Kästner, Nirgendwo heißt?

Wilfried Hiller hat James Matthew Barries Stück in eine Kinder- oder Familienoper verwandelt, die vor beinahe 20 Jahren in München vom heutigen Hildesheimer Generalmusikdirektor Werner Seitzer uraufgeführt wurde. Der leitet die Hildesheimer Produktion aber nicht; am Pult im Orchestergraben steht Kapellmeister Achim Falkenhausen.

Über Musik für Kinder hat Wilfried Hiller so seine eigenen Ansichten. Er sieht nämlich offenbar keine Veranlassung, melodische und eingängige Themen zu schreiben. Seine Musik zu 'Peter Pan' ist sogar einigermaßen sperrig. Die Neue Musik hat in der Partitur ihre Spuren hinterlassen, in der Tongebung durchaus auch der Jazz. Für die Orchestermusiker hat er ziemlich anspruchsvolle Aufgaben vorgesehen, denn häufig spielen einzelne Instrumente in hoher Lage solistisch, sehr offen und exponiert. Den Hildesheimer Musikern gelingt all das zwar spielend, dennoch ist es im Grunde schwer vorstellbar, dass die Klangsprache Kindern ab sechs Jahren besonders gut gefällt. Vielleicht konzentrieren sich die jungen Hörer eher auf das Bühnengeschehen und nehmen die Musik (wie im Film) als nicht weiter störenden Hintergrund.

Freilich: Hier und da setzt Wilfried Hiller seine Klänge auch ausgesprochen plastisch ein. In der Szene auf dem Piratenschiff ist es primär die Musik, die klarstellt: Hook (in Kästners Übersetzung Kapitän Haken) langweilt sich, weil er alle Feinde, Indianer und verlorene Jungs, besiegt und gefangen hat. Doch hier, in der zweiten Hälfte, geht es überhaupt lebhafter zu. Wenn Haken sich erhebt, bricht Heiterkeit im Publikum aus, denn der Hildesheimer Oberspielleiter Guillermo Amaya lässt in seiner Inszenierung den schurkischen Piraten in bunten Unterhosen dastehen – und das bleibt nicht der einzige witzige Einfall.

Vier Sänger sind in dieser Produktion mit größeren Rollen betraut. Mit Neele Kramer (Mary Darling und Tigerlilly) sowie Martina Nawrath (Wendy) stehen zwei junge Sängerinnen des Ensembles neben dem mittlerweile zum Hildesheimer Urgestein gehörenden Uwe Tobias Hieronimi (George Darling und Kapitän Haken), Marie-Sande Papenmeyer singt als Gast die Titelrolle. Auch diese Partien sind nicht ohne Anspruch. Unbegleitet oder mit minimaler Unterstützung aus dem Orchestergraben bewältigt das Ensemble eher abstrakte Tonfolgen. Auch stimmliche Beweglichkeit und Flexibilität zeigen die Solisten, nicht nur in den kleinen, hier und dort eingefügten virtuosen Koloraturen. Neele Kramer etwa nimmt hier als „Rothaut“ Tigerlilly Peter Pan den Satz „Der Tod ist das größte Abenteuer“ ab.

Ihre Mannen (vom Stamme der Rotznasen) sind in Hannes Neumaiers fantastisch-bunten Kostümen wohl eher von Inkas, Mayas oder Azteken inspiriert als von Apatschen oder Komantschen; musikalisch wiederum scheinen sie eher aus Fernost denn aus Wildwest zu stammen. Wie auch immer: Die Rothäute werden von ein bis zwei Dutzend Kindern aus dem Kinderchor des TfN dargestellt, und das ist nicht dessen einziger Einsatz in dieser Produktion. Auch die verlorenen Jungs werden von den Kindern übernommen, die damit auch solistische Aufgaben übernehmen.

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Kritik von Jan Kampmeier

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Peter Pan: Familienoper von Wilfried Hiller

Ort: Stadttheater,

Werke von: Wilfried Hiller

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