> > > > > 07.05.2016
Samstag, 7. Dezember 2019

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Edita Gruberova, Copyright: Bettina Stöss

Edita Gruberova, © Bettina Stöss

'Norma' an der Deutschen Oper Berlin

Das Erbe des Erfolgs

Mit Bellinis Meisterwerk 'Norma' veranstaltet die Deutsche Oper ihre dritte und letzte konzertante Belcanto-Aufführung dieser Spielzeit. Die hochkarätigen Besetzungen füllten das Haus trotz fehlender Inszenierung an allen Abenden. Als Highlight des Abends war diesmal Altstar Edita Gruberová gebucht. Der wahrhaftige Glanzpunkt, so wurde dem geschulten Ohr schnell klar, war jedoch der italienische Tenor Fabio Sartori als Protagonist Pollione.

Klangvoll wurde die Musik von Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin belebt. Peter Valentovic führte die Musiker leidenschaftlich, befeuerte sie dabei doch sogar so sehr, dass an lauten Stellen die solistischen Stimmen vollkommen ins Klangmeer eingetaucht sind.

Es war einmal die Nachtigall

Die Einmaligkeit von Gruberovás Umgang mit Dynamik und Höhe ist nicht zu bestreiten. Aus einem absoluten Pianissimo schwellen die Klänge ins gewaltige Forte und zurück. Diese technische Versiertheit zeigt die historischen Größe und Bedeutung der ‚Königin der Koloraturen‘. Doch die einstige Brillanz ist besonders in der Höhe inzwischen deutlich eingetrübt und verblasst, teils auch intonatorisch höchst kritisch. Am heutigen Maßstab gemessen – man braucht sich nur einmal Sängerinnen wie Diana Damrau oder Joyce DiDonato ansehen – ist zudem ihre Spielfreude selbst für eine konzertante Aufführung zu wenig vorhanden. Dazu stören seltsame Marotten, wie häufige Glissandi und ständiges Anschleifen der Anfangstöne von unten. Nichtsdestotrotz erfährt die ‚slowakische Nachtigall‘ ohrenbetäubenden Applaus und am Schluss sogar Standing Ovations, wie zu ihren besten Zeiten. Wer Geld einspielt, wird auch weiterhin gebucht.

Prototyp Opernsänger

Tenor Fabio Sartori erfüllt optisch alle Klischees eines Opernsängers; er ist stämmig und etwas steif in der Art. Akustisch liegt er weit über jeder Alltagsvorstellung. Laut und kraftvoll, aber dennoch geschmeidig und fein erschallt seine Stimme wie von einer anderen Welt. Schade aber, dass er dann so vehement in den Noten hängt und daher oder wegen einer unterschwellig spürbaren Aufregung wenig schauspielerischen Ausdruck an den Tag legt. Wie erwähnt ist von der Spitzenklasse – auch ohne Inszenierung – Spiel und Geste zu erwarten, denn konzertant ist schließlich nicht vom Band. Trotzdem ist über solche Mängel bei einer derartigen Stimme leicht hinwegzusehen.

Gute Wahl

Mit Sonia Ganassi als Adalgisa wurde Gruberova in passender Weise eine dunkle Stimmfärbung gegenübergestellt. Ihr angenehm satter, aber nicht zu gewaltiger Klang passte sich somit gut ein. Marco Mimica gab einen imposanten Oroveso. Sein niederschmetternder Bass, wenn auch in der Höhe dynamisch nicht besonders flexibel, macht ihn zu einem glaubwürdigen obersten Druiden und Vater Normas, obwohl er zu den jüngeren der Besetzung gehört. Auch Rebecca Jo Loeb als Clotilde und Attilio Glaser als Flavio glänzten in ihren kleinen, aber feinen Auftritten in dieser insgesamt bedacht zusammengestellten Besetzung.

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Kritik von Theo Hoflich

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Norma: Tragedia lirica in zwei Akten

Ort: Deutsche Oper,

Werke von: Vincenzo Bellini

Mitwirkende: Orchester der Deutschen Oper Berlin (Orchester), Edita Gruberova (Solist Gesang)

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