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Sonntag, 18. August 2019

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Yann Beuron, Copyright: Gilles Cohen

Yann Beuron, © Gilles Cohen

Minkowski & Les Musiciens du Louvre in Hamburg

Das Mozart-Kontinuum

Was für ein spannendes Programm sich abseits bewährter Muster aufstellen lässt, wenn man inhaltlich konsequent eine Idee verfolgt, zeigte das Gastspiel von Les Musiciens du Louvre unter ihrem Gründer und Leiter Marc Minkowski bei den Elbphilharmonie-Konzerten in der Hamburger Laeiszhalle, gemeinsam mit dem Cor de Cambra del Palau de la Música Catalana. In bester Akadamie-Manier gelangten alleine Werke aus dem letzten Lebensjahr von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) zu Gehör, mit dem Reqiuem d-Moll als Zentrum des Abends.

Dass der Tod in Mozarts Todesjahr keineswegs seine Schatten auf sein Komponieren geworfen hatte, sondern das Entstehungsdatum des Requiems vielmehr ein bloßer Zufall war, wurde durch die Werkauswahl einmal mehr unter Beweis gestellt. Dadurch, dass Minkowski die Stücke allesamt attaca dirigierte, diese also ohne Klatschpause aufeinanderfolgen ließ, spannte sich ein faszinierendes Mozart-Kontinuum auf, in dem die Grenzen zwischen geistlicher Musik und Oper, zwischen Solokonzert und Arie sowie auch zwischen den Affekten wegfielen. So könnte der Kontrast zwischen der Ouvertüre zu 'La clemenza di Tito' mit ihrem festlichen Gestus und lebendigen Pulsieren in den Streichern sowie dem Beginn des Requiems kaum größer sein - in der musikalischen Eigenlogik, wie sie Minkowksi mit seinem unaufgeregten Dirigierstill zum Vorschein brachte, ergab das Ganze unmittelbar Sinn.

Auch die Arie der Pamina 'Ach, ich fühl's, es ist verschwunden', die auf das selten gespielte Adagio und Rondo C-Dur für Glasharmonike (hier Glockenspiel), Flöte, Oboe, Viola und Violoncello folgte, wirkte so wie eine wunderschöne Moll-Eintrübung auf dem Weg zum Klarinettenkonzert in A-Dur. Chiara Sekraths plastisch weicher Vortrag bildete gleichsam das vokale Pendant zu Nicolas Baldeyrous Interpretation auf einem historischen Instrument, die in ihrer makellosen Klarheit und Farbschönheit großen Jubel hervorrief. Die sprichwörtliche Stecknadel hätte man zu Beginn fallen hören können, denn der Klang des vom Quartett dynamisch zurückhaltend begleiteten Glockenspiels klang so zart und leise wie ein winziger Singvogel, der sich gleichwohl im gesamten Saal ausbreitete. Ein wunderschönes Beispiel dafür, dass sogenannte Gesellschaftsmusik nicht schlechter sein muss als der Rest.

Das Requiem mit anschließendem 'Ave Verum' ging Minkowski dann mehr von der dramatischen als der geistlichen Seite an, auch wenn eine kleine Orgel auf der Bühne vorhanden war, quasi schon auf Verdi in der Ferne hindeutend. Das 'Confutatis' klang gebührend schroff, sowohl im Chor als auch in den Streicher-Gegenstimmen, gleiches gilt für das 'Dies Irae'. Überhaupt war der Abend weniger auf Klangschönheit hin glattgebügelt, sondern wies auch mal "schmutzige" Töne auf, die aber zur Unverstelltheit des Zugriffs beitrugen.

Im Solistenquartet konnten sich Helena Rasker und Chiara Skerath am deutlichsten bemerkbar machen, während Yann Beuron und Yorck Felix Speer beide mit der Höhe zu kämpfen hatten. Der Chor hingegen konnte im Schlussteil aus 'Sanctus', 'Benedictus' und 'Agnus Dei' mit leisen Tönen und Präzision überzeugen, in den aufgewühlteren Teilen mit Durchschlagskraft. Auch wenn Mozarts Requiem nicht für den "Eigenbedarf" komponiert wurde: Zu Beginn des Konzerts wandte sich Marc Minkowski an das Publikum und widmete die Aufführung dem jüngst verstorbenen Nikolaus Harnoncourt. Der Abend wurde ihm mehr als gerecht.

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Kritik von Dr. Aron Sayed

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Mozarts Vermächtnis 1791: Les Musiciens du Louvre

Ort: Laeiszhalle,

Werke von: Wolfgang Amadeus Mozart

Mitwirkende: Marc Minkowski (Dirigent), Les Musiciens du Louvre (Orchester)

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