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Dienstag, 20. August 2019

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Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

Christian Thielemann dirigiert Wagners 'Walküre'

Orchestrale Magie

Beinahe fünf Jahre sind vergangen, seit Christian Thielemann das letzte Mal Wagners 'Ring des Nibelungen' leitete und dem Wiener Staatsopernpublikum im Herbst 2011 eine orchestrale Sternstunde bescherte. Bis zu einem vollständigen Durchlauf der Tetralogie muss sich das Dresdner Publikum noch gedulden; auch in der nächsten Spielzeit sind mit dem Chefdirigenten des Hauses nur Aufführungen von 'Rheingold' und 'Siegfried' geplant. Thielemann ist bekanntlich kein Stardirigent, der auf Routine setzt, doch steht er am Dirigentenpult, ereignen sich zumeist diese geradezu magischen Momente, deren Wirkung man sich nicht entziehen kann. Man hört Details des Notentexts, die ihn von einem neuen Blickwinkel her zu beleuchten scheinen, und vor allem: Thielemann geht bis an die Grenzen des dynamisch Machbaren und zwingt mit seiner Phrasierung die Sänger zu unentwegter Konzentration. Doch so exzentrisch manche Details wirken mögen: Es spannt sich ein Bogen über diese 'Walküre', der Thielemann gemeinsam mit der Staatskapelle die Euphorie des Publikums sichert.

Das Ensemble wurde überstrahlt von der Brünnhilde Nina Stemmes: Die einstige Sieglinde mit dramatischer, aufblühender Höhe ist nun zu einer Brünnhilde aufgestiegen, auf die die Opernwelt seit Jahren wartete. Da trüben keine gequälten Spitzentöne oder Registerbrüche die Leistung. Stemme singt die Rolle ebenso wortdeutlich wie klangschön und kann vor allem den ganzen Abend über äußerst differenziert phrasieren, da ihr Sopran an keiner Stelle an seine Grenzen gerät.

Mit Markus Marquardt hat die Semperoper als einziges Opernhaus von Weltrang einen Wotan-Interpreten im hauseigenen Ensemble. Marquardt ist sicherlich keine stimmliche Autorität, die schon durch ihr schieres Stimmvolumen beeindruckt - seine Stärken liegen dort, wo viele seiner Kollegen nicht mithalten können: in der überaus durchdachten, musikalisch sensiblen Wort-Tongestaltung, die die Wotan-Erzählung zum Höhepunkt seiner Interpretation macht. Darstellerisch verkörpert er die Rolle wie auch Nina Stemme vom ersten Auftritt an glaubhaft.

Ebenfalls aus den Reihen der Semperoper stammt Georg Zeppenfeld, dessen Hunding mit den Hörgewohnheiten in erfreulicher Weise aufräumt: Zeppenfeld vermittelt die Bedrohlichkeit der Figur nicht über polternde Fortissimo-Töne, sondern lässt sich nicht von seiner gewohnt legatoreichen Phrasierung und den Klangfarben seines Basses abbringen. Ungleich das Wälsungen-Paar: Christopher Ventris, der schon eher langfristig Johan Botha als Siegmund ersetzte, kommt mit dieser Rolle dank ihrer eher tiefen Tessitura auch ausdrucksmäßig hervorragend zurecht. Für Petra Lang ist die Sieglinde mit erheblichen Mühen verbunden: Ihre Mittellage ist eher eintönig, im oberen Register ist die ehemalige Mezzosopranistin mit der reinen Tonproduktion beschäftigt, was zu mitunter schrillen Ergebnissen führt. Exzellent die Fricka Christa Mayers. Nur das Walküren-Ensemble am Beginn des dritten Akts würde man sich an einem ersten Haus qualitativ hochwertiger wünschen.

Willy Deckers Inszenierung ist eine bereits weit über zehn Jahre zurückliegende Kooperation zwischen der Semperoper sowie dem Teatro Real von Madrid und greift das Prinzip des Theaters auf dem Theater auf, wobei Wotan bereits von Beginn an die Handlung lenkt. Wolfgang Gussmanns Bühnenbild besteht überwiegend aus Sesselreihen, die das szenische Agieren oft schwierig machen. Auf gewohnte Bühnenbildelemente wie die Esche im ersten Akt muss man dennoch nicht verzichten. Von einer speziellen, dieser Inszenierung zugrunde liegenden Personenführung war in dieser Reprise allerdings nicht viel zu bemerken.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Die Walküre: Richard Wagner

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Richard Wagner

Mitwirkende: Christian Thielemann (Dirigent), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester), Christopher Ventris (Solist Gesang), Petra Lang (Solist Gesang), Markus Marquardt (Solist Gesang), Nina Stemme (Solist Gesang), Georg Zeppenfeld (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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