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Sonntag, 20. Oktober 2019

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Szenenfoto, Copyright: Südwestdt. Konzertdirektion Stuttgart Erwin Russ

Szenenfoto, © Südwestdt. Konzertdirektion Stuttgart Erwin Russ

Das 'Weihnachtsoratorium' in Stuttgart

Strahlender Glanz

Bis heute gehört das 'Weihnachtsoratorium' zu den meistgespielten Werken überhaupt – kaum ein Ort, an dem es während der Adventszeit nicht ganz oder auszugsweise aufgeführt wird. Auch in Stuttgart hat das eine lange Tradition; in der Liederhalle war es am zweiten Weihnachtsfeiertag in einer erlesenen Besetzung zu hören.

Beinahe jedem ist der Eingangschor mit den markanten Trompetenklängen geläufig – besagte Passagen (wie auch diejenigen in den anderen Chorsätzen) spielte an diesem Abend das Trompetenensemble Wolfgang Bauer mit so strahlendem Glanz, wie diese extrem heiklen und anspruchsvollen Partien sehr selten zu hören sind. Die orchestrale Klangbasis lieferte das Stuttgarter Kammerorchester mit hoher Intonationspräzision und Durchhörbarkeit bis in die Continuo-Stimmen. Auch in den Soli (ob Oboe in 'Bereite dich, Zion', Violine in 'Schließe, mein Herze, dies selige Wunder' mit Konzertmeisterin Susanne von Gutzeit oder Flöten in 'Frohe Hirten, eilt, ach eilet') zeigte sich, welch exzellente Musiker dieses Ensemble in seinen Reihen hat.

Ausgewogene Balance

Rainer Johannes Homburg als Chef der renommierten Hymnus-Chorknaben gelang es im Rahmen seiner musikalischen Gesamtleitung, eine ausgewogene Balance zwischen dem opulenten Chor und dem intim besetzten Orchester herzustellen. Getrübte Einsätze fand man im Wechselspiel beider Klangkörper nicht. Seine klangfarbliche Vielseitigkeit demonstrierte der Hymnus-Chor exemplarisch im breit angelegten Anfangschor der vierten Kantate ('Fallt mit Danken, fallt mit Loben'). Die mit Bedacht ausgewählten, alle mit Homburg persönlich bekannten Solisten begleitete das Orchester mit elastischer Phrasierung und lebendiger Spielfreude. Andreas Post als Evangelist verfügte über eine klare, raumgreifende Tenor-Stimme, die sich sowohl in den Rezitativen als auch in den Koloratur-Passsagen souverän bewegte. Christoph Hülsmanns Bass besaß sattes Volumen und akkurate Diktion.

Versierte Solisten

Gleichermaßen routiniert im Opern- wie im Oratorienfach zuhause ist auch Stefanie Wüst (Sopran), die mit warmer Stimmfarbe und Tonsicherheit bis in die Höhen überzeugte. Als erfahrene Bach-Interpretin meisterte auch Nicole Pieper (Alt) ihre Partie mit schlankem, natürlichem Timbre. Auch untereinander wurde in den Arien Teamwork groß geschrieben – in den Duetten oder Terzetten stimmte die Chemie, keiner sang sich hier in den Vordergrund, die Akteure verstanden es ausgezeichnet, musikalisch zu kommunizieren. Alle vier überzeugten zudem mit hoher Textverständlichkeit, das hohe Niveau ließ auch über die volle Distanz aller sechs Kantaten nicht nach. Und so erlebte das Publikum zum Jahresausklang ein Highlight, das unterstreicht, dass erstklassiger Bach auch ohne konsequent historisch informierte Aufführungspraxis geht.

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Kritik von Thomas Gehrig

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Weihnachtsoratorium: Kantaten BWV 248 von Johann Sebastian Bach

Ort: Liederhalle,

Werke von: Johann Sebastian Bach

Mitwirkende: Stuttgarter Hymnus-Chorknaben (Chor), Stuttgarter Kammerorchester (Orchester)

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