> > > > > 13.11.2005
Sonntag, 20. Oktober 2019

Festiwal Muzyi Polskiej Kraków

Erfolg auf Anhieb. Fortsetzung unbedingt.

Krakau, die polnische Kulturmetropole ist um eine Attraktion reicher. Krakau hat ein neues Musikfestival, und die erste Auflage, vom 9. bis zum 13. November, war ein Erfolg. Von Abend zu Abend füllten mehr vorwiegend junge Besucherrinnen und Besucher den Saal der Philharmonie und gut besetzt war zum Abschluss die prächtige barocke Kirche St. Peter und Paul zur Aufführung der letzten Fassung des Polnischen Requiems von Krysztof Penderecki.

Den Hauptanteil des gefüllten und konzeptionell gut eingerichteten Programms an fünf Tagen machten Kompositionen polnischer Komponistinnen und Komponisten des zwanzigsten und des einundzwanzigsten Jahrhunderts aus. Mit Ausnahme des Eröffnungskonzertes gab es jeweils ein bekannteres oder seltener zu hörendes Stück aus der polnischen Romantik.

An den Abenden gaben sich renommierte polnische Klagkörper die Ehre, dazu kam die nationale Creme der Dirigenten. Mit The Academy of St. Martin-in-the-Fields machten weltbekannte Gäste Station auf dem Podium der Philharmonie.

Tagsüber luden Foren zur zeitgenössischen Musik, Treffen mit namhaften Komponisten und Dirigenten ein, an den Nachmittagen Konzerte in Krakauer Kirchen, bzw. in der riesigen Sattelitenstadt Nowa Huta.

Ich hatte Gelegenheit vier Konzerte mit polnischen Orchestern zu erleben. Zur Eröffnung saßen die Musikerinnen und Musiker des Nationalen polnischen Radiosinfonieorchesters aus Katowice auf dem Podium. Kein geringerer als der 1926 geborene Jan Krenz, der auf eine beachtliche Karriere als Dirigent und Komponist verweisen kann, und der diesem Klangkörper von 1966 bis 1968 als Nachfolger des legendären Grzegorz Fitelberg vorstand leitete das Konzert und präsentierte als so temperamentvolle wie aufmunternde und überaus musikantische Einleitung des Konzerts seine brandaktuelle 2005 geschriebene Ouvertüre für Sinfonieorchester.

„Inverted Mountain“ nennt Marta Ptaszynska, geboren 1943, ihre rhythmische und kontrastreiche, etwas kantige Komposition für Sinfonieorchester aus dem Jahre 2000. Ebenso mit den Klangmöglichkeiten der Tonalität, der Melodik nicht abgeneigt arbeitend, schuf der 1933 geborene Zbigniew Bujarski sein großes Orchesterstück, dessen Titel „Peirene“ auf die Beschäftigung mit mythologischen Themen verweist, im Jahre 2003. Jüngster Komponist des Abends war der 1971 geborene Marcel Chyrzynski, dessen sensibles und stark melodisches Werk „Extended Perception of Echo for Strings“ von 1992. In diesem Werk ist ein melancholischer Grundgestus eigen, der sich auffällig in mehreren Kompositionen finden wird, ebenso die Hinwendung zur Melodik, die Vorliebe für den satten und fülligen Streicherklang, ein gewisses Maß an Trauer.

Mit den „Zehn polnische Tänze“ brachte den Abend die Begegnung mit einem Klassiker der polnischen Moderne, mit Witold Lutoslawski, der von 1913 bis 1994 lebte. Bei den knappen Tänzen in farbiger Instrumentierung handelt es sich um von kaschubischer und schlesischer Volksmusik inspirierten Miniaturen.

Zum Abschluss dirigierte Jan Krenz die erste Sinfonie von Ignacy F. Dobrazynski, dem Vertreter polnischer Romantik an diesem Abend. Weder das Werk noch den Komponisten, der von 1807 bis 1867 lebte, dessen Werke zu Lebzeiten in Wien erklangen, von Mendelssohn in Leipzig aufgeführt wurden, dürfte man hierzulande kennen. Die nämliche Sinfonie von 1829 ist ein fröhliches Werk, einfache Themen werden jeweils gekonnt und unterhaltsam in vier typischen Sätzen variiert. Der ganz große Atem, das an einem Festival zu erwartende Besondere wollte sich an diesem Abend noch nicht in dem Maße einstellen, wie es im Verlauf des Festivals von immer stärkerer Wirkung werden sollte.

Kräftig wehte der Wind bei den steilen Klangkaskaden mit denen das Polnische Radiosinfonieorchester unter der Leitung von Jerszy Maksymiuk sein Gastkonzert in Krakau eröffnete.

Panufnik? Nie gehört!

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Kritik von Boris Michael Gruhl



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1. Festival polnischer Musik: Krakau, 9.-13. November 2005

Ort: Kirche St. Peter und Paul,

Werke von: Krzysztof Penderecki, Ignacy Feliks Dobrzynski, Witold Lutoslawski, Andrzej Panufnik, Tadeusz Baird, Karol Szymanowski, Frédéric Chopin, Kazimierz Serocki, Christian Lindberg, Stanislaw Moniuszko, Wojciech Kilar

Mitwirkende: Gabriel Chmura (Dirigent), Sinfonia Varsovia (Orchester), Polish National Radio Symphony Orchestra (Orchester), Academy of St. Martin in the Fields (Orchester), Piotr Nowacki (Solist Gesang), Ryszard Minkiewicz (Solist Gesang), Iwona Sobotka (Solist Gesang), Christian Lindberg (Solist Instr.)

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