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Sonntag, 28. November 2021

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Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

'Der fliegende Holländer' an der Semperoper

Am Libretto vorbei inszeniert

Florentine Kleppers knapp zwei Jahre alte Produktion von Wagners 'Fliegendem Holländer' zählt zu den gescheiterten Inszenierungen, die einem Werk eine Grundidee aufzwingen wollen, unabhängig davon, ob diese mit Libretto und Musik vereinbar ist oder nicht. So sieht man gleich zu Beginn einen Trauerzug an einem skandinavischem Felsenklippe (Bühnenbild: Martina Segna), der allerdings nicht, wie man vermuten könnte, Senta gilt, sondern deren Vater Daland. Senta ist bereits im ersten Akt anwesend und muss erfahren, wie rüde in der von Männern dominierten Gesellschaft mit Frauen umgegangen wird. So richtig auf Touren kommen die sinnentstellenden Ideen aber erst beim Chor der Spinnerinnen, deren Aufgabe es ist, unentwegt Plastikpuppen zu gebären, bis Erik schließlich unter einem Bett hervorkriechend die Ankunft Dalands ankündigt. Mit dem Matrosenchor beginnt sich die Klammer zum ersten Bild zu schließen, indem man hier den aufgebahrten Daland zu sehen bekommt. Durch sein Ableben kann Senta offenbar mit dem Ort ihrer Kindheit abschließen und verlässt diesen am Ende der Oper. Was nun die Titelpartie betrifft, so wusste das Regieteam mit ihr offenbar wenig anzufangen, weshalb sie auch von abstrusen Ideen verschont bleibt und beinahe eine konventionelle Außenseiterrolle inmitten dieser librettofernen Szenerie bildet.

Einen Holländer-Interpreten wie Markus Marquardt im Ensemble zu haben, ist der Glücksfall eines jeden Opernhauses. Der aus Düsseldorf stammende Künstler singt die Partie sicherlich nicht mit unbegrenztem Stimmvolumen, beeindruckt jedoch in allen Lagen mit seinem farbenreichen Bassbariton, Legato und größtmöglicher Textverständlichkeit. Mit der Einspringerin Riccarda Merbeth als Senta stand der Aufführung eine exzellente Senta zur Verfügung, deren jugendlich dramatischer Sopran trotz des dramatischen Kerns einen runden Klang bewahrt hat. Tomislav Mužek ist ein passabler, um Phrasierung bemühter Erik, dem die Spitzentöne der Kavatine im dritten Akt einige Mühe bereiten. Kein gutes Licht auf die Besetzungspolitik der Semperoper wirft der Daland Michael Eders. Hier bleibt nicht nur der verpatzte Einsatz der ersten Phrase 'Kein Zweifel sieben Meilen fort' negativ in Erinnerung; auch das grobschlächtige, musikalisch noch dazu unpräzis geführte Stimmmaterial möchte man an einem führenden Opernhaus nicht hören. Das gleiche gilt für Timothy Olivers höhenschwachen Tenor als Steuermann.

Constantin Trinks setzt auf die klangliche Wucht der Partitur, die die Staatskapelle entsprechend effektvoll umsetzt. Allerdings gelang es dem Dirigenten nicht, eine wirkliche Verbindung zwischen Orchestergraben und Bühne herzustellen, was für ein organisches Musizieren die Grundlage bilden würde.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Der fliegende Holländer: Romantische Oper in drei Aufzügen

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Richard Wagner

Mitwirkende: Constantin Trinks (Dirigent), Staatskapelle Dresden (Orchester), Markus Marquardt (Solist Gesang), Ricarda Merbeth (Solist Gesang), Tomislav Muzek (Solist Gesang), Michael Eder (Solist Gesang), Timothy Oliver (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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