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Dienstag, 20. Oktober 2020

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Festspielhaus Baden-Baden, Copyright: Patrick Pelster

Festspielhaus Baden-Baden, © Patrick Pelster

Wiener Philharmoniker in Baden-Baden

Fesselnde Farbenspiele

Zum zwölften Mal lud das Festspielhaus Baden-Baden zur Übergabe des Herbert-von-Karajan-Musikpreises, der heuer zum zweiten Mal an ein Ensemble ging: nach den Berliner Philharmonikern 2004 nun an die Wiener Philharmoniker. Die flogen zur Entgegennahme und zu einem Galakonzert aus Wien ein. Ihren Dank statteten sie unter Andris Nelsons mit Haydns "Paukenschlag"-Sinfonie und mit Strauss' 'Alpensinfonie' ab. Dabei überraschte der sich vor den Wiener Preisträgern oft exzentrisch aufbiegende Nelsons mit einer durchaus neuen Lesart der Strauss’schen Bergtour-Sinfonie von 1915. Nelsons' oft klangsinnliche Version blieb nicht so geradlinig-linear wie Interpretationen mit demselben, nun prämiierten Klangkörper unter Christian Thielemann und auch nicht so existentiell wie einst unter Karajan in Berlin. Den gern metaphorisch auf das menschliche Leben übertragenen, von Strauss dazu nicht unbedingt autorisierten Tag-Nacht-Auf- und Abstieg parzellierte Nelsons eher in seine koloristischen Einzelszenen - und nahm Strauss damit beim Wort, der mit seiner 'Alpensinfonie' endlich das Instrumentieren gelernt haben wollte. Mag sein, dass dem Letten da das kolossale Gesamtgemälde doch etwas zerfiel. Bei anderen geraten da Übergänge eben doch geschmeidiger. Dafür schuf Nelsons immer wieder schlüssig in sich gerundete Klangbilder. Man erlebte eher einen Strauss der Moderne als jenen tonal rückwärts gewandten Schönklang-Beschwörer, als der Strauss oft diffamiert wird. Unter Nelsons' auf die Partitur gestützter, nicht auswendiger Leitung gab es in den bedrohlichen Dickicht- und Gletscher-Bildern einen modern klingenden Strauss der sich überlagernden Cluster, ambivalenter Farbeffekte, gleißender Mischklänge und schriller Dissonanzen. Beängstigendes, wie Irrwege und Unwetter, arbeitete Nelsons mitunter doch zu aufgeregt und in bohrender Intensität heraus. Da trieb er das Wiener Blech oft an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit und seines Wohlklangs. Den eng mensurierten, mehrfach zu grellen Trompeten flatterten da hin und wieder die Obertöne in stotternde Kickser und ungerundete Überlagerungen weg. Gleichwohl gab es in ihrem schillernden Irisieren betörende Mischungen der Klänge und elastisch gereihte Melodieketten. Und die Wiener Streicher überzogen Sonnenuntergang und Abenddämmerung am Ende zum Gefallen des Baden-Badener Festspielhauspublikums wieder einmal mehr mit ihrem auch von Laudator Thomas Hampson gefeierten, seidigen, warmem Glanz.

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Kritik von Prof. Kurt Witterstätter

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Wiener Philharmoniker: Andris Nelsons

Ort: Festspielhaus,

Werke von: Richard Strauss

Mitwirkende: Andris Nelsons (Dirigent), Wiener Philharmoniker (Orchester)


Presseschau mit ausgewählten Pressestimmen:

Nachfolger und Vorgänger
Der Baden-Badener Karajan-Preis an die Wiener Philharmoniker
(Badische Zeitung, )

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