> > > > > 14.12.2014
Sonntag, 28. November 2021

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Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

Thielemann dirigiert Strauss' 'Rosenkavalier'

Gewichtige Komödie

Die letzten Wochen des Richard-Strauss-Gedenkjahres 2014 haben Christian Thielemann veritable Sternstunden zu verdanken: Im Oktober leitete er orchestral singuläre Vorstellungen von 'Ariadne auf Naxos' an der Wiener Staatsoper, euphorisch bejubelte Interpretationen von 'Arabella' und 'Capriccio' folgten im November an der Semperoper. Thielemanns Annäherung an den 'Rosenkavalier' sorgt zunächst allerdings für Stirnrunzeln. Er verleiht der Komödie nicht die erwartete Leichtigkeit; gerade die Szene Marschallin-Octavian zu Beginn des ersten Akts wirkt im Orchester eher ruppig als sinnlich und sensibel. Erst im Monolog der Marschallin 'Da geht er hin' findet Thielemann zu dem organisch epischen Fluss der Musik, der seine Strauss-Interpretationen so reizvoll macht. Den gewichtigen Grundton behält Thielemann alle drei Akte über bei, doch wird dieser von der Staatskapelle so transparent und klangästhetisch umgesetzt, dass Thielemann am Ende zurecht mit Standing ovations bedacht wurde.

Anja Harteros hat man in München und Wien als ideale Marschallin in Erinnerung; diesmal wirkte ihr Sopran im ersten Akt jedoch etwas ungelenk mit einer Tendenz zu flackernden Höhen. Der Octavian war bereits vor 14 Jahren in der Premiere von Uwe Eric Laufenbergs Produktion mit Sophie Koch besetzt, die man seither in ganz Europa mit dieser Hosenrolle identifiziert. Der französischen Mezzosopranistin kommt Strauss' Rolle nach wie vor darstellerisch und stimmlich entgegen; einzig die Spitzentöne haben nicht mehr die Leichtigkeit und Klangqualität wie noch vor einigen Jahren. Christiane Karg ist von ihrer Bühnenpräsenz her gesehen der Idealfall einer kindlichen Sophie, die Qualitäten ihres Soprans kommen in anderen Stücken aber eindeutig besser zur Geltung. Strauss' dichte Orchestrierung zwingt sie immer wieder zum Forcieren, was der Stimme einen etwas steifen Beigeschmack verleiht.

Peter Roses exzellenter Baron Ochs widerlegt das oft strapazierte Vorurteil, dass nur deutschsprachige Sänger die Rolle textlich authentisch vermitteln können. Ein Stimmgigant wie es einst Kurt Moll oder Kurt Rydl waren, ist dieser Ochs nicht; dafür hört man die Partie vom ersten bis zum letzten Ton auf Linie gesungen, wobei Rose die Effekte durch Variabilität der Klangfarben erzielt. Eine makellose Wort-Tongestaltung ist auch das musikalische Grundkonzept von Adrian Eröds exzellentem Herrn von Faninal. Von den auf unterschiedlichem Niveau besetzten kleineren Partien überzeugte vor allem Yosep Kang als höhensicherer und legatogeschult phrasierender italienischer Tenor.

Uwe Eric Laufenbergs Produktion erzählt die Geschichte konzis, ohne übermäßig viel dazu erfundenes Beiwerk. Christoph Schubigers nüchtern ästhetische Bühnenbilder bringen ein historisches Ambiente auf die Bühne; die Kostüme und Fotoapparate machen spätestens im zweiten Akt aber deutlich, dass dieser Graf Rofrano seine silberne Rose im 20. Jahrhundert überreicht. Die bei der Uraufführung immer wieder geäußerte Kritik, die Handlung spiele in einer Epoche, in der der Wiener Walzer noch nicht existierte, ist so wenigstens obsolet.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Strauss: Der Rosenkavalier

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Richard Strauss

Mitwirkende: Christian Thielemann (Dirigent), Uwe Eric Laufenberg (Inszenierung), Staatskapelle Dresden (Orchester), Anja Harteros (Solist Gesang), Sophie Koch (Solist Gesang), Peter Rose (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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