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Samstag, 28. Mai 2022

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Komische Oper Berlin, Copyright: Beek100

Komische Oper Berlin, © Beek100

Kosky inszeniert Offenbachs 'Schöne Helena'

Schwuler Klimbim

Gute Operette ist schwer zu machen, Offenbach mit das Schwerste. Die Komische Oper hat sich in den letzten Jahren den Ruf erworben, die Operette zu rehabilitieren. Intendant und Regisseur Barrie Kosky zeichnet dafür verantwortlich, Abrahams 'Ball im Savoy' (1932) und Dostals 'Clivia' (1933) sind stets ausverkauft, konzertante Raritäten wie Kalmans 'Herzogin von Chicago' (1928) oder 'Bajadere' (1921) kommen hinzu. Ein rauschender Erfolg. Vieles wird da richtig gemacht: opulente Szene, kluge Besetzungscoups, revuehafte Choreographien. Doch was hier als neue Operetten-Renaissance gefeiert wird, ist die Jazz-Operette der Weimarer Republik, nicht die klassische Operette von Jacques Offenbach, Johann Strauß und ihren Zeitgenossen. Diese Jazz-Operette hat Kosky vor allem als Showtreiben definiert, als schwul und jüdisch. Fleischbeschau ist für ihn ebenso wichtiger Bestandteil wie Charleston, Shimmy und Quickstep. Es geht schrill, überdreht und bunt zu auf der Bühne, Strass und Showtreppe, nackte Boys und sexuelle Eindeutigkeiten dominieren die rasanten, perfekt getimten Erfolgsabende. Die Berliner Gay Community ist entzückt, nasse Männerträume finden hier Nahrung. So, ja so, stellt sich Kosky die Zwanziger Jahre in Berlin vor – und so ganz falsch liegt er dabei sicher nicht. Der tiefere Sinn, ernsthaftere Reflexion steht hinten an. Dazu freilich hat er mit Werken Kálmáns, Dostals & Co. die rechten, inhaltlich seichten Vorlagen, weil sie am Ende einer Operettenära das eigene Genre gewaltig ironisierten und die als veraltet empfundenen Themen bagatellisierten. Nur die verlorene, von den Nazis ausgemerzte jüdische Tradition dient da Kosky als – freilich rezeptionsgeschichtliche – immer wieder beschworene Tiefenschicht. Auch das ist natürlich richtig.

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Kritik von Frank Fechter



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Jacques Offenbach: Die schöne Helena

Ort: Komische Oper,

Werke von: Jacques Offenbach

Mitwirkende: Barrie Kosky (Inszenierung), Orchester der Komischen Oper Berlin (Orchester), Peter Renz (Solist Gesang)


Presseschau mit ausgewählten Pressestimmen:

Hier pflegt man das Chaos
Barrie Kosky inszeniert "Die schöne Helena" als musikalisches Dauerfeuer
(Berliner Morgenpost, )

Es quietscht, kreischt, flimmert und kracht
Barrie Koskys "Schöne Helena" an der Komischen Oper
(Der Tagesspiegel, )

Offenbach, konterkariert mit Wagner und Chanson
'Die schöne Helena' an der Komischen Oper Berlin
(neue musikzeitung, )

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