> > > > > 27.07.2014
Mittwoch, 29. Juni 2022

Anton Bruckner

Bruckners 'Neunte' im neuen Haus in Erl

Immer wieder neu und inspirierend

Nach einer fabelhaften 'Götterdämmerung' am Vorabend fanden sich am Sonntagvormittag schon wieder viele Musikfreunde im ausverkauften Neubau der Festspiele Erl ein, um nun Anton Bruckner, einem großen Bewunderer Richard Wagners, zu huldigen. Nach dem heftigen Wolkenbruch am Vorabend waren die Berge noch immer in graue Wolken gehüllt. Diese Stimmung passte ganz hervorragend zur grandiosen Musik von Bruckners Neunter Sinfonie, die durchaus auch die Nichtigkeit des irdischen Daseins beschreibt und musikalisch höhere Dimensionen enthüllt. Anton Bruckner hat sein letztes Werk zudem dem "lieben Gott" gewidmet haben. Sein Schaffen wurde während der Arbeiten an den drei letzten Sinfonien von Richard Wagners 'Ring'-Komposition stark beeinflusst, und so wurden in Erl heuer diese drei Werke im neuen Festspielhaus, das wie ein Pfeil in die Landschaft ragt, zu Gehör gebracht.

Bruckners Neunte zeigt sich außergewöhnlich modern und dürfte die musikalische Tür zum 20. Jahrhundert weit geöffnet haben, wenn auch der Komponist zu seinen Lebzeiten leider nie den Ruhm erreichen konnte, der etwa einem Johannes Brahms beschieden war. Doch die Zeit hat Bruckner in die erste Reihe der "großen" Komponisten gerrückt. Gustav Kuhn verleiht der Sinfonie fließenden Gestalt. Dennoch beginnt der Kopfsatz majestätisch kraftvoll und dient als Fundament für einen profunden musikalischen Spannungsbogen bis hin zum Schlusston, der selbst von den kurzen Pausen zwischen den Sätzen nicht wirklich unterbrochen wird. Das grandiose 'Adagio', der dritte Satz, steigert noch einmal die Intensität dieses Musikerlebnisses. Diesen Teil der Sinfonie hielt Bruckner für das Schönste, was er je geschrieben habe. Kuhns Dirigat ähnelt der Architektur einer gotischen Kathedrale, majestätisch und schnörkellos. Ton auf Ton gesetzt, entsteht unter seiner Leitung ein ausdrucksstarkes Gebilde, das am Schluss auf einer sonnigen Anhöhe zu stehen scheint; die dunklen Wolken wurden vom Licht vertrieben.

Wunderbar homogen und leicht auch hier die Bläser, wie schon in der 'Götterdämmerung'. Man merkt, was intensive Probenarbeit bewirken kann. Ohne Pathos, auswendig dirigierend, verleiht Kuhn dieser Musik große Transparenz wie auch Transzendenz. Die Musik wird von einer glanzvoll aufspielenden Streichersektion zum Leuchten gebracht. Ein dankbares Publikum belohnt den Dirigenten, der nie müde zu werden scheint und demnächst wieder den gesamten 'Ring' in 24 Stunden aufführen wird, mit viel Applaus.

Das Projekt Erl ist nun erfolgreich auf der großen Festspielbühne angekommen. Die gesamte Region identifiziert sich damit, sei es als Zuschauer oder auch als Dienstleister. Man hilft sich gegenseitig und alle profitieren von dem kulturellen Aufschwung dieser auch landschaftlich so interessanten Region. Die nun regelmäßig stattfindenden Winterfestspiele dürften diese positive Entwicklung noch verstärken.

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Kritik von Midou Grossmann



Kontakt zur Redaktion


Tiroler Festspiele Erl 2014: Orchesterkonzert

Ort: Passionsspielhaus,

Werke von: Anton Bruckner

Mitwirkende: Gustav Kuhn (Dirigent), Orchester der Tiroler Festspiele (Orchester)

Detailinformationen zum Veranstalter Tiroler Festspiele Erl

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